Es ist ja schön, dass die grossen Verlage Apples iPad mit Inhalt bestücken, der iPad könnte aber das Youtube der Bücher werden. Wieso? Die Möglichkeiten das iPad erinnern mich an meine CD-ROM Zeit zurück. Der iPad kann doch alles was eine CD-ROM kann. Text, Animation, Video etc. Besser als beim CD-ROM – der iPad lehnt sich an das Buch an und hat deshalb ein standartisiertes Format bzw. Interface. Ich habe 5 CD-ROMs gemacht, vier davon veröffentlicht und konnte als Nowbody locker mit Burda, Holzbrink und Konsorten mithalten – auch was den Vertrieb und Absatzzahlen anging.
Die traditionellen Verlage werden weniger moderne Books herausgeben, Platz für neue E-Verleger
Mit dem iPad wird es noch einfacher. Ich bin ziemlich sicher, dass ich die besseren iPad-Bücher machen kann als die Buchverlage, denn ich kenne mich mit Technologie einfach besser aus. Beim Vertrieb hätten wir die gleich langen Spiesse – ich muss nicht mehr mit Distributoren verhandeln – Apple nimmt mir diesen Part ab. Ich kann auch immer noch entscheiden, ob ich das Buch verkaufen oder gar gratis anbieten will. Apple wird dafür sorgen, dass ich mein Buch über Werbung refinanzieren kann. Und wieder verdient Apple mit – die Distribution würde ja auch mitverdienen.
Selbstermarktung und neue technologiegetriebene Verlage entstehen
The Swiss Art CD habe ich für Fr. 25.- verkauft (und habe damit eine Revolution ausgelöst, weil CD-ROMs damals zwischen 250 und 650 Franken kosteten). Dem Buchhandel habe ich 55 % Marge und Distributoren an Grossverteiler (wie Manor, Mediamarkt, Kaufhoft etc.) 70 % abgegeben. Mit dem iPad gäbe ich nur 30 % ab. Für den Abverkaufdruck musste ich selber sorgen, da ich ja mein eigener Verlag war. Ich musste also PR, Inserate und Events machen. Das muss ich beim iPad sicher auch – dabei helfen mir heute aber die Social Media wie Facebook und Co. Einen Teil des Inhaltes kann ich als Teaser auf youtube.com veröffentlichen und ich kann ein Verkaufsvideo machen.
Gratis oder kapitelweiser Verkauf wird das beliebteste Vertriebsmodell für die neuen Verleger und Selbstermarkter
Ich würde die ersten 3 Kapitel des Buches gratis abgeben, erst wer fertig lesen will muss bezahlen. Er könnte die Kapitel einzeln bezahlen. Das könnte ich so machen, dass man 1 Kapitel gratis lesen kann, dann könnte man sich entscheiden ob man jedes Kapitel einzeln bezahlt oder bis Kapitel 3 gratis weiter liest und dann das ganze Buch kauft oder nicht. Vielleicht enthalten die ersten 3 Kapitle Werbung und ich kann mich entscheiden, das Buch gleich zu kaufen und muss dann keine Werbung hinnehmen.
Enorm viele Gratisveröffentlichungen machen den iPad attraktiv für Autoren und User
In Deutsch werden pro Jahr 110 000 Bücher veröffentlicht (inklusive Uebersetzungen ausländischer Werke). Viel viel mehr finden aber nie einen Verlage. Es könnte also sein, dass der Markt der Gratis oder Billigbücher bzw direktvermarkteten Bücher auf dem iPad viel grösser sein wird als jener der Verlage. Es kann sein, dass ein Autor viel mehr an einem selbstvermarkteten Buch verdient, als über einen Verlag.
Beispiel: Andreas Fischers animierten Gedichte “Kutschenfahren”
Ich habe Andreas Fischers Posie CD-ROM “Kutschenfahren” verlegt. Als Buch hätte er keinen Velag gefunden und wenn, hätte er 200 Stück verkauft (bei einer Erstauflage von 300 Stück). Das sind seine Aussagen. Bei einem anderen CD-ROM Verlag, hätte er vielleicht keine 100 CDs verkaut, denn die wollten einen Enduser-Preis von mindesten 60 Franken. Ich habe “Kutschenfahren” für 28 Franken angeboten und ca 800 Stück verkauft. Andreas Fischer hat etwas dran verdient, den Buchverlag hätte er wahrscheinlich bezahlen müssen. Mit dem iPad hätte Andreas seine animierte Poesie selber vermarktet und wahrscheinlich gratis in den Shop gestellt. Es ging ihm ja nicht darum viel zu verdienen, sondern viel gelesen zu werden. Ich schätze, dass er so mehrere 1000 Downloads erreichen würde. Alle gewinnen dabei, obwohl kein Rappen Geld geflossen ist. Für Apple werden die gratis Bücher ein wichtiges Verkaufsargument, der Buchverlag hat keinen Verlust gemacht, Andreas Fischer hat allen seinen Kontakten einen Link auf sein Werk geschickt und wurde viel beachtet und der Konsument hat gute animiert Poesie erhalten.
Das iPad macht Jörg Eugster wird zum viel gelesenen Experten auch in Deutschland und Oesterreich
Jörg Eugster gibt jährlich ein Buch über Online Marketing via Marketing & Kommunikation heraus. Als Autor verdient er dabei nichts. Ist ihm nicht wichtig. Das Buch ist für ihn ein gutes Marketinginstrument. Für M+K ist es eine Möglichkeit Inserate zu verkaufen. Das Buch hat zwar einen Verkaufspreis, wird aber gratis verteilt. Alle sind happy. Jörg wird sich in Zukunft überlegen, ob er sein Buch nicht über den iPad anbieten soll. Er ist ein guter Selbstvermarkter – deshalb schreibt er es ja. Mit dem iPad hätte Jörg sofort auch Oesterreich und Deutschland erschlossen und würde wahrscheinlich mehr Downloads erreichen. Er könnte sein Buch gratis oder für gerademal Fr. 1.- bis Fr. 3.- anbieten. Bei 10 000 Downloads verdiente er 7′000 Franken. Er wird die erste Version gratis anbieten und die nächste Version vielleicht kapitelweise verkaufen.
Achtung Verlage: Befreit von Einschränkungen, werden Bücher anders (multimedialer) daherkommen (müssen)!
Ja, Apple macht den Büchermarkt kaputt. Falsch, Apple macht den Verlagsmarkt kaputt. Schliesslich hat Apple auch nicht den Musikmarkt kaputt gemacht. Wir hören jetzt sicher mehr Musik als früher, gehen immer noch an Konzerte (vielleicht werden die auch einmal billiger) und ein Bandsterben haben wir auch keines erlebt.
Apple kann ganz neue Economics in diese Märkte einführen, denn Apple verdient an den Geräten gutes Geld. Jeder Hardwareanbieter kann das. Es wird für Apple nicht so einfach, diesen Markt zu dominieren. Aber Apple wird der einzige Hardware-Anbieter sein, der diesen Gratis-Markt erschafft. Goolge wird das für die anderen Geräte übernehmen (wollen). Wetten dass der Google Markt kleiner sein wird als der Apple Book Store obwohl es mehr Reader auf Android oder Chrome Basis gibt? Chrome wird ziemlich sicher den App-Markt versieben – daran haben die Entwickler höchstwarscheinlich nicht gedacht.
Ich bin gespannt wie Du den Markt einschätzt. Diskutiere mit.
Ich überlege gerade, ob ich ein Konzept das ich für CD-ROMs hatte für iPads anbieten soll. Wenn Appentwickler Interesse haben eine gaaaanz cooole App zu entwickeln, bitte melden. Wer einen iPad Verlag aufziehen möchte, sollte sich auch melden und Autoren mit guter Idee sowieso.