Was wir von Hollywood lernen können
10. Mrz 2010
Avatar hat eine seichte Story, Hollywood produziert nur Kommerzmüll, europäische Filme haben viel mehr Tiefgang. Das sind nur drei der gängigen Vorurteile, die Sie bis zum Ende des Artikels über Board werfen und Sie werden Ihre Website unter einem neuen Licht beurteilen – wenn mein Plan funktioniert.
Zählen Sie für sich selbst 5 tolle Filme auf, die Sie richtig packten.
Ich würde behaupten 4 von 5 kommen aus Hollywood (wenn nicht gar alle 5). Darunter sind Filme wie Forrest Gump, Fight Club, Matrix, Besser gehts nicht, Pulp Fiction, der Herr der Ringe, Rocky, Braveheart, Schindlers Liste, Gladiator…Sie dürfen auch gerne diesen Link klicken. Beinahe alles Hollywood.
Unter uns gesagt, Ihnen persönlich gefallen die Filme aus Hollywood besser. Und Sie sind nicht alleine.
Hollywood räumt ab
In Europa werden pro Jahr gegen 900 Filme fürs grosse Kino produziert. Hollywood dreht hingegen nur ca. 300 Filme. In Europa macht Hollywood dennoch 80% des Kinoumsatzes. An der Kinokasse entscheiden sich die Zuschauer also Woche für Woche für Hollywood. Im Jahr 2009 schafften es nur zwei deutsche Filme in Deutschland in die Top Ten. In der Schweiz hat es nicht einmal ein deutscher Film in die Topten geschafft. Selbst in Frankreich schafften es nur 3 Filme aus dem eigenen Land unter die ersten 10. Alles andere ist Hollywood.
Wenn also Ihnen persönlich Hollywood Filme besser gefallen und auch allen anderen Hollywood Filme besser gefallen, warum redet man dann von Kommerzmüll?
Hollywood arbeitet zielgruppengerecht
Richtig, das Geheimnis von Hollywood ist, zielgruppengerechte Filme zu produzieren. Nehmen wir das Jahr 2009. Ice Age 3 hatte in der Schweiz über 1 Million Besucher. Auf Platz zwei fanden wir mit knapp einer halben Million Besucher Harry Potter. Hollywood ist sich nicht zu schade, erfolgreiche Geschichten weiter zu bedienen. Wenn Hollywood einmal weiss, die Leute lieben das Faultier, den dicken Rüsselträger und den Säbelzahntiger, dann gibt Hollywood dem Publikum, was es liebt. Und wenn Hollywood weiss, dass es da draussen Millionen von Harry Potter Fans gibt, dann dreht Hollywood für diese Fans eine Geschichte.
Kann jemand mit Harry Potter nichts anfangen, findet er die 212. Ausgabe von Harry und seinen Freunden nur noch Kommerzmüll. Hat jemand von Ottos Stimme in Ice Age schon bei der ersten Ausgabe genug, nervt Otto beim dritten Film noch mehr. Zielgruppengerechte Filme bedeuten eben auch, dass Sie ausschliessen. Nicht jeder steht auf bombastische Weltuntergänge und findet darum 2012 einfach nur blöd. Nicht jeder kann etwas mit Trickfilmen anfangen und findet Oben nur blöd. Nicht jeder freundet sich mit Quentin Tarantinos Stil an und kann sich Inglourious Basterds ansehen. Hollywood polarisiert. Weil Hollywoods Filme eine Zielgruppe hervorragend bedient, findet halt jemand Ice Age und Harry Potter nur “Kommerzmüll”. Dass dieselbe Person aber von Illuminati begeistert ist und sich bei Hangover dreht vor Lachen, weil sie selbst einen Knacks vor dem Heiraten hat…gehört eben auch dazu. Hollywood analysiert seine Zielgruppe, sucht sich erfolgsversprechende Konzepte und produziert diese gnadenlos durch. Die einen sind von einem Film begeistert, die anderen finden ihn blöd, aber kalt lassen einen nur wenige Hollywood-Filme.
Darum produziert Hollywood eben keinen Kommerzmüll, sondern nur Müll für meinen Geschmack, aber gleichzeitig auch meine Lieblingsfilme. Dumm und dümmer – nein danke. Cool Runnings – ja gerne!
Und wie ist das jetzt mit dem Avatar?
Ein oft gehörte Aussage: Ich war begeistert vom Film. Als ich aber über die Story nachdachte…war sie flach. Was würden Sie sagen, wenn ich behaupte: Die Story ist nicht flach, sondern Sie kannten sie einfach schon? Ein “Entwickelter” trifft einen “Wilden”, die beiden verbrüdern sich und kämpfen gemeinsam gegen die Moderne. Gewinnen können sie nur, wenn beide voneinander lernen.
Hollywood weiss, Sie besuchen die meisten Filme im Kino zwischen ihrem 16. und 28. Lebensjahr. Das ist eine Hollywood-Generation. Weil Hollywood dies weiss, erzählt Hollywood in regelmässigen Abständen dieselbe Geschichte in etwas abgewandelter Form immer wieder. “Der Schatz im Silbersee” Winnetou (europäischer Film). Star Wars. Last Samurai. Der mit dem Wolf tanzte und jetzt Avatar. Es gibt Geschichten, die uns emotional packen und Fragen stellen, die jede Generation aufs Neue beantworten muss. Wenn Sie also denken: Diese Geschichte habe ich schon 100x gesehen, dann stimmt das womöglich für Sie, aber nicht für die jüngere Generation. Zielgruppengerecht bedeutet, auch die Generationen in Betracht zu ziehen. Was für Gleichaltrige altbekannt ist, kann für jüngere eine neue, überwältigende Erfahrung sein.
o.k., aber jetzt zu den Filmen mit Tiefgang
Sie sehen, ich mag Hollywood Filme sehr. Was mir besonders gefällt, Hollywood stellt dem breiten Publikum philosophische Fragen. In die Insel geht es darum, was passiert, wenn eine Firma Klone als Ersatzteillager für lebende Menschen produziert. John Q zeigte uns ein moralisches Dilemma. Wenn mein Kind eine Herzkrankheit hat und die Versicherung nicht bezahlt, darf ich eine OP mit der Waffe erzwingen? Der Filme beleuchtet dabei verschiedene Sichtweisen oder Rocky. Rocky IV hatte eine klare Aufgabe. Die UDSSR stand 1985 vor dem Zusammenbruch, unser Weltbild musste neu justiert werden. Was vorher verteufelt wurde, musste uns zugänglich gemacht werden. Wir mussten mit dem ehemaligen Erzfeind frieden schliessen. Keine Frage, Hollywood ist tief patriotisch und die US-Flagge überproportional sichtbar. Aber Rocky trug für uns Westler einen Fight mit dem russischen Riesen aus, wir hassten Drago und riefen Rocky zu. Wir hassten das Publikum für die offene Ablehnung, bis zum Punkt als im Endkampf die Stimmung drehte und beide Kämpfer Respekt füreinander fanden. Rocky zeigt uns allen, dass wir die UDSSR in einem neuen Licht sehen dürfen. If I can change and you can change – everybody can change!
Ach ja, Hollywood ist sich nie zu Schade Gefühle bis zur Schmerzgrenze und darüber anzusprechen. Hollywood nimmt auch immer aktuelle Themen auf. Hollywood weiss zum Beispiel, dass die Leute genug haben, von der Chefetage, also produziert es Filme, die die Chefetage aufs Korn nimmt oder Verständnis hervorruft (die BVG-Verlierer sollten sich diese TV-Show dringend ansehen).
Was bedeutet das für Ihre Website?
Stellen Sie sich für Ihre Website folgende Fragen:
- Haben Sie Ihre Zielgruppe definiert, kennen Sie Ihre Zielgruppe?
- Haben Sie Ihre Zielgruppe tatsächlich definiert, kennen Sie Ihre Zielgruppe wirklich?
- Sind Sie bereit, dass Ihre Nicht-Zielgruppe blöd findet, was Sie tun?
- Ist Ihre Zielgruppe gross genug, dass Sie mit ihr Geld verdienen?
- Wissen Sie, was Ihre Zielgruppe liebt? Bedienen Sie Ihre Zielgruppe gnadenlos damit?
Sie brauchen nicht viele Ideen, Sie brauchen gute Ideen
- Darum brauchen Sie auch nicht 900 Filme (Webseiten), Sie brauchen nur 30 gute Webseiten
- Wissen Sie, wen Sie nicht ansprechen und ignorieren Sie diese Personen. Es muss Ihnen egal sein, wenn der Chef kommt und sagt, gefällt mir nicht – sagen Sie ihm, ist ja auch nicht für Sie, es ist für unsere Kunden
Und zu allerletzt. Es schmeichelt in der Presse gelobt zu werden und einen Oscar oder Web-Award zu gewinnen, aber unterm Strich zählt aber nur eines: Sind Ihre Kunden bereit an der Kinokasse – oder besser – auf Ihrer Webseite das Portemonnaie zu zücken.













