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“Swiss Blog Awards” vor dem Aus?

von Christoph Hugenschmidt

Blogbloglboblblobgob. Seit längerem zweifle ich an der Relevanz der viel gelobten “Blogosphäre”. Wieviele wirklich neue Geschichten hatten denn die helvetischen Blogger in den letzten 12 Monaten? Und wieviele die klassischen Medien?

Passend dazu die Nachricht von heute, die BloggingTom (eine löbliche Ausnahme unter den Bloggern, die Blogger kommentieren, die wiederum klassische Medien kommentieren) aufbrachte. Nämlich, dass die “Swiss Blog Awards” vor einer ungewissen Zukunft stünden. Denn die drei Organisatoren haben das Handtuch geworfen – eine neue Trägerschaft des Anlasses ist (noch?) nicht in Sicht.

Mitorganisator Nick Lüthi sagte gegenüber inside-it.ch (that’s us), der Aufwand sei ihm und seinen Gspönli schlicht zu gross geworden, die Reaktionen (aus der Romandie) zu gehässig und überhaupt habe sich die Blogosphäre in der Schweiz nicht entwickelt. Stimmt.

Nur frage ich mich: Hat sich die Blogosphäre überhaupt, nicht nur in der kleinen Schweiz, entwickelt? Sind Blogs die mediale Aufmerksamkeit als revolutionärer Kommunikationskanal wert, die sie bekommen? Muss man tatsächlich bloggen, um überhaupt noch wahrgenommen zu werden?

Vom bloggen leben kann man auf jeden Fall nicht. Siehe dazu die interessante Umfrage, die Basic Thinking unter deutschen Blogs durchführte. Einzig ein “Erotik-Blog” – was immer das ist – kommt auf Einnahmen, von denen man leben kann.


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15 Kommentare zu ““Swiss Blog Awards” vor dem Aus?”

  1. theddy schrieb:

    In deinem Artikel lese ich so zwischen den Zeilen, dass du der Meinung bist, die Bloggerszene könne oder würde sich nur “bewegen” (was heisst denn das überhaupt?), wenn man auch davon leben könnte.

  2. chregu schrieb:

    Das übliche Gestänker halt, dass wenn/weil man mit Blogs kein Geld verdienen kann, die eh nicht relevant sind …

    In letzter Zeit geht’s mir ein bisserl zuviel nur ums Geldverdienen mit Blogs, kein Wunder rümpfen da einige die Nase

  3. theddy schrieb:

    Beim letzteren kannst du mich gerne dazu zählen. Das Imponiergehabe, das einige in der “Szene” aufführen und sich brüsten, wieviel sie mit GoogleAds verdienen, ist doch eher nur peinlich.

  4. BloggingTom schrieb:

    Huihuihui, danke fürs Kompliment, Sir Hugenschmidt ;-)

    @theddy: Ich bin mir nicht mal sicher, ob es mit der Auflistung der Verdienste wirklich ums “brüsten” geht. Zumindest Robert (Basic Thinking) gehts, so wie ich ihn kenne, eben genau nicht darum. Er will vielmehr aufzeigen, welche Verdienstmöglichkeiten bestehen und dass es, wie Christoph richtig bemerkt hat, selbst für ein sehr bekanntes Blog wie das von Robert bei weitem nicht reicht um davon leben zu können…

  5. theddy schrieb:

    @BloggingTom: Warum in aller Welt soll man denn von einem Blog leben können? Es gäbe doch sicher noch “ein paar” andere Kriterien, um einen Blog “gut” zu finden? Die Reduktion auf das Geld allein scheint mir doch irgendwie eigenartig. Und immer noch nicht klar ist mir, was dann diese vermisste “Bewegung in der Bloggerszene” eigentlich meint. Was sind denn die Kriterien, ob sich “etwas bewegt”? Eben hoffentlich nicht, ob man davon leben kann…

  6. BloggingTom schrieb:

    @theddy: Warum sollte man denn nicht von einem Blog leben können? Absolut klar ist, dass es viele andere Kriterien gibt, die ein Blog “gut” oder “schlecht” machen, aber das muss ja das “davon leben können” nicht zwingend ausschliessen.

    Klar, für die meisten ist ihr Blog ihr “privates” Spielzeug und das ist ja auch gut so. Wenn aber jemand versucht, davon leben zu können, finde ich das nicht per se etwas schlechtes. Denn leben davon, oder zumindest ein kleines “Honorar” daraus ziehen, kann er nur, wenn sein Blog auch “gut” ist…

  7. theddy schrieb:

    Die Einnahmen werden ja hauptsächlich über geschaltete Werbung generiert (Spenden kommen da sicher sehr selten vor) – also gehört zu einem “guten” Blog auch Werbung? Bei vielen kommen Werbefelder wie Leintücher daher – und immer wieder die gleich langweiligen GoogleAds. Sorry, ich finde das weniger “gut”.

  8. BloggingTom schrieb:

    Spenden sind sicherlich äusserst selten, das meiste kommt wohl über Werbung (meist AdSense), Textlinks oder Sponsoring rein. Aber auch hier wieder de Frage: Ist die Entscheidung ob “gut” oder “schlecht” von der Werbung abhängig? Ich dachte bisher immer, dass es dabei eher um Inhalte geht. Gleiches gilt doch bspw. auch für Zeitungen: Ist eine Zeitung “schlecht”, weil ich darin haufenweise Werbung finde? Also ich lese z.B. den Tages Anzeiger wegen der Inhalte und nicht wegen der Werbung. Wäre keine Werbung drin, wäre die Zeitung um ein vielfaches teurer.

    Darum kann ich auch die Diskussionen über Werbung in Blogs nicht ganz nachvollziehen. Solange die Werbung einigermassen dezent ist (wie das gerade bei AdSense der Fall ist), sehe ich keinen Grund ein Blog als “schlecht” zu bezeichnen. Denn eines darf bei allen Diskussionen nicht vergessen werden: Auch ein gepflegtes Blog benötigt viel Zeit. Das Schreiben von recherchierten Artikeln kann ziemlich aufwändig sein und einiges an Aufwand bedeuten. Wenn dafür wieder ein paar Franken für den Autor “hereinkommen”, habe ich damit kein Problem…

  9. theddy schrieb:

    Du verstehst mich falsch – natürlich ist “gut” und “schlecht” nicht grundsätzlich von der vorhandenen oder fehlenden Werbung abhängig – es kommt auch hier doch viel mehr auf das “wie” an. Aber die Diskussion über Werbung in Blogs ist ja nicht nur hier im Gange und wie gesagt – für mich ist überbordende Werbung, die ich auf vielen Blogs schon gesehen habe, mehr als nur störend.

    Der Zusammenhang “gute” Blogs und Werbung ist im originalen Beitrag oben ja entstanden – siehe zweit letzten und letzten Abschnitt. Wie ich schon anmerkte – die Inbezugsetzung von “Bewegung der Bloggerszene” und Verdienstmöglichkeiten war für mich einfach ziemlich bizarr – SO wird Qualität aufs Geldscheffeln (mit Werbung) reduziert. Es sollten doch noch ein paar andere Kriterien für Qualität existieren, finde ich. Und eben, meine Frage, was denn offenbar fehlende “Bewegung in der Bloggerszene” eigentlich meint, ist immer noch nicht beantwortet.

  10. Reto Hartinger schrieb:

    Christoph – Tatsächlich haben wohl die wenigsten Blogs eigene Stories gebracht. Blogs kommentieren was in der Welt geschieht – das ist zurzeit eher der Entwicklungsstand.

    Hat sich die Blogosphäre überhaupt, nicht nur in der kleinen Schweiz, entwickelt?
    Ja, haben sie. Viele Zeitungen hier betreiben eigene Blogs – auch mit mehr oder weniger Erfolg. Die schweizer Überblogger sind noch zu wenig bekannt und relevant um wahrgenommen zu werden. Das braucht noch seine Zeit. Gerade dazu wäre eigentlich der Blog-Award das richtige Mittel. Das die Romands gestänkert haben, verstehe ich – der Bondy-Blog z.B. ist ja einer der besten Blogs überhaupt.

    Sind Blogs die mediale Aufmerksamkeit als revolutionärer Kommunikationskanal wert, die sie bekommen?
    Ich denke, dass Blogs tatsächlich eine Hebeleffekt in die Printmedien haben. Sie sind meinungsbildend. Ok, nicht alle :-) Sie sind aber vor allem auch in Spezialistenkreisen meinungsbildend oder besser Meinungsverstärker.

    Muss man tatsächlich bloggen, um überhaupt noch wahrgenommen zu werden?
    Das kommt darauf an, ob man überhaupt etwas zu sagen hat und glücklicherweise auch, wie man es sagen kann. Nichts schlimmer als öde Texte, die kein Schw… lesen will.

    Blogs von Einzelpersonen werden wohl selten über den Status “wird ab an an von jemanden gelesen” kommen. Mehr verspreche ich mir von Blogs die von verschiedenen guten Spezialisten oder Journalisten gemacht werden. Christoph, Dein Newsletter könnte auch ein Blog sein. Zugegeben, dann würdest Du weniger damit verdienen :-) Du hast eine andere Form gewählt und das ist gut so. Nur weil Blogs cool sind, muss noch lange nicht alles mit einem Blog gemacht werden.

    PS: Der Bondy-Blog wird von der welschen Zeitschrift Hebdo iniziiert und betrieben. Damit er in Frankreich besser wahrgenomen wird, hat er neu eine französische Adresse bzw. ist bei yahoo france integriert.

  11. Blog Diskussion » BLOGIK schrieb:

    [...] Selbstverständlich ist die Qualität eines Blogs für mich nicht davon abhängig, ob Werbung geschaltet ist oder nicht. Und trotzdem finde ich, dass in vielen Blogs die Werbung zu viel Platz beansprucht und die Bemühungen von Ranking, AdSense usw. zu sehr im Vordergrund steht (schon nur das “Gestürm” über “nofollow” in Wordpress finde ich ziemlich absurd). Und wenn Internet Briefing Blog noch einen Zusammenhang zwischen “fehlender Bewegung in der Bloggerszene” und fehlender Verdienstmöglichkeiten mit Blogs macht, dann ist für mich die Optik echt verschoben. [...]

  12. Roman schrieb:

    Der Erfolg oder Misserfolg eines Blogs sollte man meiner Meinung nach relativ zu seinen Zielen ansehen und nicht global. Ein privater, persönlicher Blog dient vielleicht eher dem Ablegen von Notizen, dem Nachdenken oder einfach dem Schreiben von Tageseindrücken. Wenn dieser Blog von Freunden und ein paar weiteren Menschen gelesen wird, ist das Ziel ev. schon erreicht.

    Andere Blogs, welche in Thema aus der Technik, Wirtschaft, Wissenschaft oder Gesellschaft gewählt haben, stellen mitunter andere Ansprüche an sich selbst und wollen daher auch breiter gelesen werden. Der Aufwand dürfte deutlich höher sein und daher entstehen daraus auch Wünsche, ein „Entgelt“ dafür zu erlangen.

    Und so gesehen finde ich es unstimmig, die Blogosphäre als stillstehend oder starr zu bezeichnen, da sie sich erfolgsorientiert gar nicht übergreifend messen lässt. Ausserdem finde ich es nicht generell zutreffend, dass Blogs einflussreich oder gar bestimmend in unserer Gesellschaft sein sollten.

    Blogs dürfen auch eine Daseinsberechtigung leben, wenn sie „nur“ Bezug auf die alten Medien nehmen und ihre Meinung oder ihren Standpunkt dazu schreiben. Menschen, welche sich darüber aufregen, dass gewisse Blogs langweilig und eintönig, immer dieselben Themen wiederholend sind, die sollten meiner Meinung nach einfach diese Blogs meiden.

    Die Blogosphäre ist doch so vielschichtig wie die Menschen selbst. Je mehr wir versuchen, sie in eine Kiste oder eine Schublade zu drücken, umso mehr engen wir uns selbst ein. Unsere Beobachtungs- und Wahrnehmungsgabe schränken wir damit ein, nicht die besagten Blogs.

  13. theddy schrieb:

    Danke @Roman – deinem Votum kann ich nur zustimmen.

  14. Christoph Hugenschmidt schrieb:

    Nein – Blogs sind nicht schlecht, wenn sie kein Geld verdienen und nein – ich finde Blogs eh nicht einfach doof oder überflüssig. Blogs haben tatsächlich eine revolutionäre Eigenschaft: Man (und frau) kann mit sehr wenig Geld eine potentiell unbegrenzt grosse Anzahl Menschen erreichen. Blogs helfen damit mit, die Macht der Medienkonzerne zu brechen. Soweit: d’accord.

    Nur: Wer glaubt, dass in Freizeit-Arbeit geschriebene Blogs eine Alternative zu den klassischen Medien Zeitung, TV, Radio und Online darstellen, der irrt gewaltig. Wer kann schon in seiner Freizeit eine geschulte, spezialisierte Redaktion ersetzen? Sei dies in der Politik, sei es in anderen Themenbereichen: Die Erarbeitung von Inhalten ist teuer – jemand muss sie finanzieren. Die Öffentlichkeit (Schweizer TV und Radio), die Inserenten (unsere bescheidene Seite) oder Abonnenten.

    Mit der Bloggerei ist es (hoffentlich) weltweit also noch lange nicht vorbei. Aber vielleicht mit dem Geschwafel, Blogs seien die “Medien der Zukunft”. Wenn Blogs die SchreiberInnen bezahlen müssen und diese erst noch Qualitätskriterien einhalten müssen, sind sie keine Blogs mehr.

  15. Adrian Locher schrieb:

    Da die Diskussion hier schon sehr allgemein geworden ist, erlaube ich mir eine weitere Ausweitung der Fragestellung in Richtung der Politik. Wieso schaffen es in der Schweiz bis anhin noch praktisch keine Politiker schlaue Blogs aufzuziehen? Denn nur das Kurzfeuer während des Wahlkampfes ist ja überhaupt nicht nachhaltig und wird von den Lesern auch komplett durchschaut..

    Auf http://www.blog.zimtkorn.ch/2007/01/25/politik-20/ habe ich mich auf die Suche nach politischen Blogs in der Schweiz mit einem gewissen Gewicht gemacht. Gibts noch weitere?

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