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Dorian Selz: “Neue Technologien für bessere Websites” (Abendanlass von März 2007)

von Peter Hogenkamp

(Hier sind Dorians Slides.)

Heute Abend redet Dorian Selz von local.ch über, so der volle Titel: “Neue Technologien für bessere Websites: Mash-up, RSS, Ajax, OpenID,Tiny URLs ,Semantic, Tags, User Generated Content und Bewertungen” (da hat Reto wieder alles reingestopft, was ihm eingefallen ist, und der arme Dorian muss es unterbringen :-)

Dorian Selz beim Referat

Luc Haldimann hat mit dem Handy aus der letzten Reihe ein sensationelles Foto geschossen. Es sieht aus, als würde Dorian ein Orchester dirigieren.

Erster Punkt: Mash-ups. Zu Anfang die fast obligate Frage: Wie viele Leute im Publikum kennen Mash-ups? Etwa ein Viertel meldet sich.

Das erste Beispiel für ein Mash-up ist Housingmaps, die Kombination aus Craigslist (nur wenige Leute im Publikum kennen Craigslist; hier ein Live-Eindruck von Craig Newmark, hier ein Interview mit ihm, das 2005 im “Cash” erschienen ist) und Google Maps.

Dorian zieht den ersten Teil anhand seines Lebensweges (im wörtlichen Sinne) auf: von einem “kleinen Dorf im Kanton Bern” (das allerdings nicht weiter vertieft wird) über Genf, wo er studiert hat (Beispiel geonames, Suche nach Geneva, “seat of a first-order administrative division” :-) über Aberdeen (Beispiel TagMaps und “Locale, a random day out generator“) (wusste nicht, dass man es Aber’deen betont, dachte ‘Aberdeen, aber Dorian wird es wissen, wenn er dort studiert hat), nach St. Gallen, wo er an der HSG promoviert hat (seitdem kennen wir uns) (lustiges Beispiel: er sucht bei TagMaps nach “St. Gallen” und findet dabei zufällig ein Flickr-Foto von sich und Jürg Stuker) bis nach Zollikon, wo er jetzt wohnt (Beispiele Blogug, wo man unter maps sehen kann, wer in der Nähe auch bloggt, und plazes, wo er die Leute in der Gegend schon gefragt hat, wann Altpapierabfuhr ist – sicher eine Frage, mit der man bei Schweizern gut ankommt… :-).

Das wichtigste bei Mashups ist eine klare Idee: Was könnte der User wollen? (könnte nicht mehr zustimmen)

Um nicht immer nur Beispiele mit Maps zu bringen: Hawkee.com: Social Network über Produktinformationen, mit externem Produktkatalog. (Hab’s auf Anhieb nicht kapiert. Was soll z.B. die Suche in mIRC-Snippets? Sucht die in meinen Chatprotokollen nach Produkten, über die ich mal gechattet habe?)

Dorian hat sich immer schon gefragt, warum die SBB kein Fahrplan-API anbieten. Die SBB verdienen schliesslich nicht mit Fahrplanabfragen, sondern mit den Tickets für die Beförderung der Leute.

In den Legal Terms der Google Maps API gibt es einen Passus, dass Google ab einer bestimmten Frequenz Werbung einblenden kann.

Dorians Definition von Web 2.0, kürzer und weniger nichtssagend als die von Tim O’Reilly:

“Die nächste Generation von Websites

  • mehr Interaktion
  • mehr Komfort
  • mehr Innovation”

Zu Ajax ein Verweis auf den Blog-Post von Jürg Stuker: His Masters Voice (aka David an der Euro-Ajax).

Es folgt ist ein Live-Usability-Test der Website von hotelplan. Kommt immer gut an. Dorian demonstriert eine Livesuche von Ferien bei hotelplan: mit zwei Personen nach Gran Canaria. Mit den typischen Problemen, Iterationen und vor allem einer schlimmen Trefferliste in einem grauenhaften Frame.

Und vergleicht das mit dem Einstellen eines Gratis-Auto-Inserats bei local.ch. Ist natürlich Äpfel mit Birnen verglichen, weil das eine Retrieval ist und das andere Data Entry – aber sieht trotzdem gut aus. Und da ist das Auto auch schon online.

(Nett, er erwähnt Zeix für den Usability-Test der Autobörse von local.ch – bei dem die Ajax-Variante klar gewonnen hat: Acht von zehn Usern fanden sie besser.)

Nächster Abschnitt ist User-generated Content. Dorian hat nach travel tips melbourne blog gegoogelt und ist dabei auf einen Eintrag von einem Blogger von Juli 2005 gestossen, der irgendein Restaurant Nino’s oder so empfiehlt. Die Pointe der Geschichte verrät er nicht (Waren seine Frau und er da? War die Pizza zu dünn? Gab es Kakerlaken?)

Dorian ist “skeptisch”, was User-generated Content angeht, und meint, auch hier spielt der Long Tail: Wenig Leute generieren fast allen Content, und die anderen posten nur sehr selten etwas.

Nächster Abschnitt: Tags und Folksonomy. Dorian zeigt wikio und Technorati.

Nächster Abschnitt: Microformats.

Dorian zeigt edgeio (gesprochen offenbar edge-i-o). Microformats sind potenziell das Ende von vertikalen Classifieds-Portalen wie homegate, Scout etc. (darüber hat Andreas Göldi schon mehrere Male gute Sachen geschrieben, u.a. hier).

local.ch setzt auch Microformats ein. Man kann alle Termine direkt in den Kalender übernehmen. (Muss mal rausfinden, wie ich einen anderen Kalender als Outlook als Standard-App definieren kann.)

Letzter Punkt: OpenID. Etwa fünf Leute im Publikum haben bereits eine. Dorian demonstriert den Login bei local.ch mittels OpenID.

Fazit: Dorian hat den Schwerpunkt auf Mash-ups gelegt, und den Teil fand ich auch hervorragend aufbereitet und präsentiert. Bei User-generated Content bin ich etwas anderer Meinung, aber das macht nichts. Die anderen Punkte waren eher Ergänzungen. Was ich gut fand, war, dass die Leute am Ende einen sehr guten Eindruck bekommen haben, wie alles zusammenlaufen kann – und genau das macht am Ende Web 2.0 aus.

PS. In der Diskussion mache ich eine Wette mit Pierre Rapazzo, dass die Usability in den nächsten 20 Jahren grössere Fortschritte machen wird als in den letzten 15 Jahren. Ich trage einen Termin ein für ihn und mich für den 6. März 2027. Bin gespannt, ob ich bis dahin einen friktionslosen Kalender haben werde. Seit 2001 habe ich das immerhin schon.


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7 Kommentare zu “Dorian Selz: “Neue Technologien für bessere Websites” (Abendanlass von März 2007)”

  1. Dorian schrieb:

    Also lüfte ich das Rätsel: Wir waren in der Lygon Street, aber nicht in diesem Restaurant. D.h. ich weiss nicht ob’s da Kakerlaken gibt.

    Witzig ist übrigens, dass wir vor Ort sehr viel via Internet herausgefunden haben und auch direkt gebucht haben. Der direkteste Weg war … wer häts gedacht … die lokale Verzeichnissite – sensis.com.au oder eben die Austalischen Yellow Pages ;-)

  2. Daniel Niklaus schrieb:

    > Das wichtigste bei Mashups ist eine klare Idee.
    Ist das so? Ich würde mal behaupten, wir sind noch in der Experimentierphase und da müssen/können noch keine klaren Ideen vorhanden sein.

    > Was könnte der User wollen? (könnte nicht mehr zustimmen)
    Ebenfalls Zustimmung. Dumm nur, dass der User selbst oft keine Ahnung hat, was er will. So bleibt es doch noch beim Experimentieren ;-)

    @Dorian, vielen Dank für deinen Vortrag!

  3. Reto Hartinger schrieb:

    Dieses Treffen hat mir wiedereinmal gezeigt, wie wichtig das Internet Briefing für unsere Branche ist: Die neuen Technologien müssen bei den Firmen bekannter werden, nur so werden sie in die Pflichtenhefte kommen. Es müssen nicht alleine die Technologien bekannt sein, sondern auch wie man sie einsetzt, welche Businessmodell dahinter stecken und wo die möglichen Stolpersteine liegen.

    Ich werde nicht müde, genau dies bekannt zu machen. Bedenklich finde ich einfach, dass Mash-up und Co auch bei den Agenturen noch zu wenig angewandt werden. Angst, dass das neue Zeugs beim Kunden nicht verstanden wird? Oder einfach selber noch keine Erfahrung und Wissen aufgebaut? Ich weiss es nicht.

  4. Peter Hogenkamp schrieb:

    Ich denke, viele Agenturen wissen es einfach nicht, weil sie sich selbst zu wenig weiterbilden. Neulich habe ich eine Sitemap einer Agentur für das Redesign eines Zürcher IT-Anbieters gesehen, der man einfach ansah, dass die Agentur von “Permalinks” noch nie etwas gehört hatte. Sie wollten eine Seite “news.htm” machen und “archiv.htm”. Kein Riesenfehler, aber das macht man heute einfach nicht mehr so, weil man es besser weiss.

    Das ist vielleicht das tragische an 2007: Es sind wieder Budgets vorhanden, und viele Agenturen bauen konzeptionell die gleichen Sites wie 1999, nur mit besserer Technologie und etwas zeitgemässer aussehend.

  5. Internet Briefing Blog / Erste Tat schrieb:

    [...] Ich habe im März den Vortrag “Neue Technologien für bessere Websites” von Dorian Selz besucht. Dies inspirierte mich dazu, bei einem laufenden Projekt (Klimawahl) gleich den Einsatz zu finden. [...]

  6. Daniel Hladky schrieb:

    Auch wenn ich den Vortrag nicht gesehen habe, fehlt in den Slides der Ansatz von Semantik, sprich “semantic web technology”. Viele Firmen befassen sich mit dem Thema der automatischen Annotation von Webseiten. Semantische Annotation erlauben es den Innhalt besser zusammenzufassen und nach der Idee von T Berners-Lee die Webseiten zu vernetzen. Daraus ergeben sich Ansätze um gezielter nach Innhalt zu suchen (Hakia.com, PowerSet.com) oder um Nachrichten Innhaltlich zu verknüpfen um dem Benutzer gezielte “Related Content” anzubieten. Sicherlich mal ein spannendes Thema für die ERFA Gruppe.

  7. Reto Hartinger schrieb:

    Semantic Web haben wir bereits behandelt. Steckt aber noch in den Kinderschuhen.

    http://www.internet-briefing.ch/index.cfmpage=101498&anlass_id=28

    07.03.2006: Semantisches Web: Vom Dokumenten-Web zum Daten-Web
    Das Semantische Web ist die Evolution des WWW wie wir es heute kennen. Informationen sollen einen zusätzlichen inhaltlichen Layer (Annotationen) erhalten. So können sie automatisch von Programmen verarbeitet werden.Je feiner die Annotation, desto besser kann die Information automatisch verarbeitet werden. So wäre es möglich, dass die Frage “Wie viele Tore hat Köbi Kuhn in seiner Laufbahn geschossen?” direkt beantwortet wird.

    Wir verfolgen dieses Thema und bringen es wieder, wenn es an Verbreitung und Relevanz gewinnt.

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