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Können Web 2.0 Technologien das Intranet zu neuem Leben erwecken?

von Reto Hartinger

Wir können jeden Internetauftritt einer Firma betrachten – die Intranet hingegen nicht. Deshalb ist es umso wichtiger, dass uns Firmen Einblicke in ihre Intranets geben und uns aus erster Hand über Flops und Erfolge berichten. Es scheint auch so zu sein, dass alle Intranets unter den gleichen Problemen zu leiden haben:

- Das Intranet gammelt vor sich hin und verkommt zum besseren Telefonbuch.

- Das Intranet wird als Informations- bzw Kommunikationsmittel nicht richtig wahrgenommen, weshalb trotzdem wichtige Informationen über E-Mail verbereitet werden und möglichst viele auch noch aufs CC genommen werden. Die Informationsflut erhöht sich, statt dass das Intranet die Informationitis kanalisiert.

- Mangels Relevanz des Intranets werden Dinge nur unvollständig dokumentiert und archiviert. Das Intranet wird zum Datenfriedhof.

Ein düsteres Bild. Können Web 2.0 Technologien, die ja auf Mitmachen und Collaboration ausgelegt sind, einem Intranet zu neuem Leben verhelfen und es wieder zur zentralen Informationsschnittstelle im Unternehmen machen? Leila Summa von Cablecom bespricht in unserem nächsten Internet Briefing vom 5. Juni, wie Blogs, Wikis, Podcasts im IntraWeb der Cablecom eingesetzt werden, und welche Herausforderungen sich daraus für die Kultur in der Organisation ergeben.

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Lasst uns hier im Vorfeld bereits Erfahrungen diskutieren.


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20 Kommentare zu “Können Web 2.0 Technologien das Intranet zu neuem Leben erwecken?”

  1. Jörg Friedrich schrieb:

    Wikis sind schon heute fester Bestandteil vieler Intranets. Sie dienen der gemeinsamen Erarbeitung und Entwicklung von Ideen, Projekten, Spezifikationen und Dokumentationen.

    Blogs kann ich mir da schon weniger vorstellen. Ich sehe dafür keine Anwendung.

    Grundsätzlich kann ich mir aber sehr gut vorstellen, dass die Grundgedanken von Web 2.0, die hier genannt werden, in der Unternehemnskommunikation sinnvolle Erganzungen darstellen. dass damit das Intranet neu belebt wird, ist eher ein Nebeneffekt, das ist ja kein Selbstzweck.

  2. Daniel Niklaus schrieb:

    Wenn Information Macht ist, warum sollen Mitarbeiter Macht abgeben und ihr Wissen in einem Intranet ablegen?

    Das Problem der Datenfriedhöfe ist mehr eine psychologische als eine technische Herausforderung.

  3. Jörg Friedrich schrieb:

    @Daniel: Einem Unternehmen, in dem diese Stimmung herrscht, wird natürlich auch kein Intranet helfen. Hellen Köpfen in solchen Firmen kann man nur raten, schnell das Weite zu suchen. Der Laden hat keine Zukunft.

  4. Daniel Niklaus schrieb:

    @Jörg: Machst du es dir nicht ein wenig zu einfach? Der Firmenstimmung oder der Technik die Schuld für Datenfriedhöfe und ungenutzte Intranets in die Schuhe zu schieben, ist klassische Problemverschiebung (http://de.wikipedia.org/wiki/Systemarchetyp#Problemverschiebung)

    Was bringt die Aufforderung ein Wiki zu nutzen, wenn ein Mitarbeiter aus seiner Schulzeit panische Angst vor Rechtschreibefehlern hat und NIE freiwillig einen Eintrag schreibt?

    Was bringt ein tolles Raportsystem, wenn ein Mitarbeiter es hasst kontrolliert zu werden und alles tut, um sich dieser Kontrolle zu entziehen?

    Was bringt ein News-System auf dem Intranet, wenn es zwei Leute hat, die täglich “sinnlose Branchenneuheiten” einstellen und damit für den Experten die Inhaltsqualität abnimmt?

    Nehmen wir an, es hat nur noch interessante News auf dem Intranet. Warum soll ein Mitarbeiter sich die Mühe machen, täglich dorthin zu surfen, wenn er genau weiss: verpasse ich zwei News, wird der Chef schon nach kurzer Zeit die Infos wieder per Mail senden.

    Web 2.0 gibt uns die Möglichkeit wieder neue Projekte aufzusetzen. Führen wir die Systeme aber erneut einzig auf der technischen Ebene ein, werden sie auch mit AJAX & Co. ein “Firmentelefonbuch” bleiben.

    Erst wenn wir mit Kommunikation 2.0 kommen, profitieren die Unternehmen. Unternehmen müssen Inhaltlich verstehen, wie mit Intranets umzugehen ist. Voraussetzung dafür ist, dass wir “Techniker” uns dieses Know-how aneignen.

    Toll wäre, wenn wir an dieser Veranstaltung auch die psychologischen Auswirkungen und nötigen Strategien ansehen.

  5. Reto Hartinger schrieb:

    Es scheint mir auch, dass die Intranets nicht an der Technik scheitern. Wir haben Anfang dieses Jahrhunderts bereits bei search.ch ein Wiki als Intranet aufgebaut. Wir wurden aber zu Sklaven, denn alle Diskussionen sollten nun über das Wiki ablaufen und so hätte man dauernd sehen können, wie Entscheide zustande gekommen sind. Wir mussten ständig über sinnlose Dinge abstimmen, uns in Sachen des Anderen einmischen. Huch – das war mir einfach zu viel. Auch die ganzen ToDos wurden im Wiki erfasst. So konnte mir jemand Fremder ein ToDo verpassen mit Erledigungszeit. Nö, ich bin Herr über meine Prioritäten. Irgendwann ist das Wiki dann gestorben.

    Sinnvoll war, Prozesse darin zu dokumentieren. Zum Beispiel jeden Messeauftritt. Alle wichtigen Mails, Infos, Prospekte, Partner etc. so dass ein Nachfolger das Wissen vollständig zur Verfügung hatte. Auch für mich war es sinnvoll ein zentrales Nachschlagewerk zu haben.

    Leider ist das Wiki vollständig abgeschaltet worden, so dass auch der nützliche Teil verloren ging. Schade.

  6. Jörg Friedrich schrieb:

    @Daniel: Wahrscheinlich liegen wir gar nicht so weit auseinander wie ich nach deiner zugespitzten ersten Bemerkung geglaubt habe. Der Zweiten stimme ich weitgehend zu.

  7. Severin Ulrich schrieb:

    Sehe das Problem mit den Intranets vorallem auch bei der Weiterbildung / Motivierung der Benutzer. Einträge in ein Wiki sind schnell gemacht. Aber den Sinn und Zweck dieser Strukturen (wer definiert das überhaupt?) zu verstehen und zu bedienen, scheint mir einiges lernintensiver.
    Soll man den Benutzer geben was sie wollen, oder mit dem Management vordefinieren was die Benutzer haben sollen?

  8. Silvia Hagen schrieb:

    Ich stimme mit vielen Kommentaren hier überein. Die Hauptherausforderung heute, mit all den neuen Technologien liegt darin, dass wir lernen, sie sinnvoll zu nutzen. Das setzt Klarheit, Verständnis und Disziplin beim Anwender voraus, sowie ein Verständnis für eine sinnvolle Nutzung in einer Organisation und Planung einer geeigneten Infrastruktur und der damit verbundenen neuen Prozesse.

    Viele IT-Projekte scheitern oder leiden daran, dass die Organisation sich drauf beschränkt, eine neue Technologie oder einen neuen Service einzuführen, ohne sich Gedanken zu machen, inwiefern dies einen Einfluss hat, auf die Geschäftsprozesse. Oder noch schlimmer, in der irrigen Hoffnung, das Einführen eines neuen Services löse organisatorische Probleme.

    Ich bin gespannt auf die Diskussion.
    Grüsse, Silvia Hagen

  9. Reto Hartinger schrieb:

    Alles zum Thema Intranet wird zurzeit and der intranet.day in Frankfurt statt:

    http://www.injelea.de/plog/blog.php/injelea

    Viele Berichte von Vorträgen werden auf diesem Blog zusammengefasst. Interessant die Erfahrungsberichte zu lesen.

  10. Reto Hartinger schrieb:

    Hier sogar noch eine Zusammenfassung von Leila Sumas Referat
    http://www.injelea.de/plog/blog.php/injelea/2007/05/23/leila-summa-cablecom-gmbh-einsatz-von-web-2.0-diensten

  11. Philippe Surber schrieb:

    Auch Blogs nehmen eine immer wichtigere Rolle in Intranets ein. Im Falle eines Schweizer Internet-Dienstleisters gleich im Dutzend, wie folgender Vortrag erhellte: http://ps.edelweiss43.ch/?cat=8&paged=2

    Wikis funktionieren wohl nur dann wirklich, wenn Benutzerkreise und Wiki-Strukturen klar definiert sind. Vielen Mitarbeitern ist die Wiki-Language halt dann doch noch zu kompliziert.

  12. Severin Ulrich schrieb:

    Hallo Philippe, was verstehst du unter Wiki-Strukturen? Wer soll die in einem Unternehmen definieren, die IT oder das Management oder gar die User?

  13. Philippe Surber schrieb:

    Das ist eine gute Frage. Um es vorneweg zu nehmen: Ich habe auch noch keine schlüssige Antwort darauf. Ich arbeite in einem Unternehmen, welches bereits seit geraumer Zeit ein Wiki einsetzt. Dabei findet eine grosse Mehrheit das Wiki sinnvoll, aber im Kontext bestehen viele Orientierungsprobleme. Einzelne Teams haben dokumentieren sich praktisch ausschliesslich über das Wiki. Andere gar nicht. Dritte nutzen die Technologie partiell.

    Meines Erachtens gibt es dafür zwei hauptsächliche Gründe:

    1. Mangelnde Affinität eines Teils der BenutzerInnen für die Technologie und die eingesetzte Syntax.
    2. Ungenügende Strukturierung: Wikis werden heute stark unter dem Label ‘Wissensmanagement’ eingesetzt. Dabei wird zwar im besten Fall viel Wissen freigesetzt, aber wenig Managment. Häufig sind auch “Missbräuche” wie etwa Wikis als Protokolle, Wikis als Tasklists. M.E. funktioniert dies nicht. Wie die Wikipedia als Vorreiterin braucht ein Wiki im Intranet eine inhaltliche Strukturierung, an der sich die BenutzerInnen orientieren können.

    Die Frage müsste im Zusammenhang zu diesem Posting also lauten: Wie können Wikis (analog gilt dies etwa auch für Blogs) für das Wissensmanagement in Unternehmen eingesetzt werden?

  14. Reto Hartinger schrieb:

    Wir haben in unserem Wiki quasi das Aufbaudiagramm der Firma abgebildet. So hatte jeder seinen Bereich, den er wiederum in die Themen unterteilt hat bei denen er wollte, dass Andere (von seiner Abteilung oder der Geschäftsleitung) darauf Zugriff haben.

    Man konnte sich so in E-Mails einen Link senden, damit man etwas nachsehen oder gemeinsam bearbeiten konnte. Wir hatten damit quasi Collaboration gemacht (so im 2000)

  15. Philippe Surber schrieb:

    2000 war das sicher nett. Heute ist E-Mail schicken aber pfui.

  16. Reto Hartinger schrieb:

    Es gab ja kein RSS und unser Hauptkomunikationsmittel war das E-Mail – statt Telefon :-) oder statt Sitzung. Wir haben früher ellenlange Sitzungen in E-Mails gemacht. Da gingen Diskussionen sich über 20 Mails, die wir kommentierten.

    E-Mail, aber auch das Wiki half uns dabei Sitzungen einzusparen. Wir waren ja auf 3 Standorte verteilt.

  17. Renato schrieb:

    Bevor man sich gedanken macht ob man Blogs, Wikis oder sonstiges einsetzen möchte, muss man sich vergewissern, dass das obere management auch mitmacht! Noch immer fürchten sich viele CEO’s vor den Kommentaren der Mitarbeiter und noch immer gibt es das Vorurteil, Mitarbeiter würden dann nur noch bloggen. Schade, die Cablecom hat gezeigt was man aus einem Intranet machen kann!

  18. Leila Summa schrieb:

    >>>>>>Die Frage müsste im Zusammenhang zu diesem Posting also lauten: Wie können Wikis (analog gilt dies etwa auch für Blogs) für das Wissensmanagement in Unternehmen eingesetzt werden?

    Ich schliesse mich der Meinung von Philipp Surber an: Die Wiki-Language ist noch nicht massentauglich. Wir haben dies während einer Testphase vor dem Aufbau des jetztigen IntraWeb 2.0 mit einer Wiki-Standardsoftware (Dokuwiki und PMWiki) ausprobiert. Der Effekt war, dass die User überfordert waren und sie mit der gewohnten “Microsoft-Arbeitsweise” immer wieder an Grenzen stiessen. Frust war vorprogrammiert und so blieb es oft bei einmaligen Versuchen. Die IT-Freaks fanden es natürlich cool, aber das mit den logischen und für andere Team-Members nachvollziehbaren Strukturen der Wikis klappte irgendwie nicht wirklich.

    Wir haben uns deshalb eben dafür entschieden, einfach nur die guten Eigenschaften der Wikis- und auch der Blog-Systeme abzukupfern und ein neues System zu bauen und das ursprüngliche CMS schrittweise abzulösen. Es gibt beim WYSIWYG sogar die “aus Word einfügen”-Option, die gefällt den meisten (leider?) sehr gut :). Kommunikation/Dialog sowie auch Dokumentation findet bei uns im gleichen System, aber an unterschiedlichen Orten statt.

  19. Frank Hamm schrieb:

    Manueller Trackback – INJELEA / Wiki im Intranet:

    [...] Aktuell geht es um die Frage, wie ein Wiki im Intranet wirklich angenommen wird. Anlass für mich, die Diskussion aufzugreifen und eigene Gedanken zu notieren (hier, weil sie zu lange für einen Kommentar sind).[...]

  20. Re: Leben und leben lassen! - Kunden wollen NetObjects vor der Pleite … « Lamy834i’s Weblog schrieb:

    [...] Und die sich dafür entscheiden, machen durchschnittlich eine halbe Website? > Mit GL läuft es seit knapp einem Jahr auch “fast > kostenlos” > – nur: dieser Editor wird es [...]

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