PostSpam – Der Post auf die Sprünge helfen – nicht virtuell
“Post hilft Kunden virtuell auf die Sprünge”
So “tönt” es letzten Freitag aus der Mail-Inbox. Wer will denn nun wem auf die Sprünge helfen? Die von der Post versandte E-Mail würde m.E. doch den Tatbestand von Spam erfüllen, haben wir nun damit einen ersten schönen Präzedenzfall in der Schweiz?
Im Empfänger steht “EDV – Beratung Carpathia Consulting GmbH” – wunderbar, so steht’s effektiv nur im Telefonbuch, sonst nirgends (ist ja nicht wirklich knackig & sexy). Also hat sich da die Post mal des Directories anderer Ex-Staatsbetriebe bedient für den Versand!?
Nehmen wir zudem die gute Checkliste von Nemuk zur Hand und verifizieren die Pflicht-Punkte:
- “Die Empfänger haben explizit zugestimmt, Informationen per E-Mail zu erhalten. Ausgenommen sind eigene Kunden.” – nun ja, Kunden sind wir alle von der Post, können uns ja nicht wirklich wehren.
- “Wir bieten unseren Kunden ausschliesslich eigene und ähnliche Produkte an oder solche, die sie bereits bezogen haben.” – dito.
- “In jedem Massenmail befindet sich ein funktionierender Abmeldelink.” – Erster Tatbestand erfüllt für Spam
- “Wir lassen keine Drittanbieter in unserem Auftrag Werbemails verschicken, die sich nicht andas neue Gesetz halten.” – Gem. Mail-Header ist www.dcl.ch für den Versand verantwortlich (”identity=helo; helo=mail.dcl.ch; client-ip=195.141.96.135“)
Die Herkunft der Adressen scheint eindeutig zu sein (Directories), Abmeldelinks fehlen im Mailing und ein Drittanbieter war auch für den Versand verantwortlich wobei (noch) nicht geklärt ist, ob sich dieser an das Gesetz hält.
Also, wer hilft der PostMail nun auf die Sprünge, nicht nur virtuell sondern vor dem Kadi?
(Crossposting von carpathia:e-business.blog auf Wunsch von Reto)




Der Perfektionist schrieb:
Der letzte Tatbestand ist nicht erfüllt, da DCL (Data Care Luzern) eine 100%ige Tochterfirma der Schweizerischen Post ist. Der einzige Angriffspunkt ist deshalb der fehlende Abmeldelink – wobei ich zugebe, dass dies wirklich peinlich ist…
Kommentiert am 25-Jun-07 um 8:34 am | Permalink
Thomas Lang schrieb:
Danke für die wertvolle Information. Es ist ja auch nicht “strafbar”, einen Drittanbieter für den Versand zu beauftragen. Dieser muss sich “lediglich” ans Gesetz halten.
Kommentiert am 25-Jun-07 um 8:45 am | Permalink
Martin Lüthi schrieb:
Directories ist weder der Versender des Post-E-Mails, noch betreibt Directories Adresshandel. Wir veredeln die regulierten Verzeichnisdaten zu kundenfreundlichen und übersichtlichen Verzeichniseinträgen. Als offizieller Verzeichnishersteller sind wir gesetzlich verpflichtet, die Verzeichniseinträge anderen Verzeichnisherstellern verfügbar zu machen, damit diese ihre eigenen Verzeichnisse erstellen können (Beispiel TwixTel).
Die Post hat mit ihrer Tochtergesellschaft DCL eine eigene Adressquelle.
Directories distanziert sich also klar von der Behauptung in Ihrem Blog: “Die Herkunft der Adressen scheint eindeutig zu sein (Directories).”
Kommentiert am 25-Jun-07 um 1:45 pm | Permalink
Rafael schrieb:
Dicke Post :-)
Kommentiert am 25-Jun-07 um 2:54 pm | Permalink
Philippe Bodenmann schrieb:
Die E-Mail Adressen für den Versand stammen ausschliesslich aus Datenbeständen vom Absender selber, nämlich PostMail. Das angesprochene Mailing ging nur an einen kleinen ausgewählten Teil der Kunden von PostMail, welche sich auf der Plattform http://www.postmail.ch (Member Services) registriert haben. Bei der Registrierung wird sowohl die physische Postadresse wie auch die E-Mail Adresse nach dem Double Opt-In Verfahren (Bestätigung im 2. Schritt) überprüft, um Missbrauch auszuschliessen.
Zu den aufgeführten Punkten der Checkliste von Nemuk:
- Mit der Registrierung bei http://www.postmail.ch wurden Sie Kunde von PostMail.
- Eine der Dienstleistungen der Member Services ist WebStamp (Briefmarken am PC selber erstellen). WebStamp ist eine der Frankierlösungen von PostMail, welche Gegenstand des Mailings waren.
- Im Gesetzestext (Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, UWG) steht „…problemlose und kostenlose Ablehnungsmöglichkeit…“, was nicht zwangsläufig ein Abmeldelink sein muss. Wir nehmen entsprechende Meldungen per E-Mail, Brief oder Telefon (keine teure Hotline) entgegen. Den Abmeldelink werden wir als zusätzliche Option einführen
- Im Auftrag und im Namen von PostMail versendet die DCL (eine 100% Tochtergesellschaft von PostMail) Mailings an die Kunden der Member Services. Die Daten hierfür stammen ausschliesslich von PostMail.
Produkt Manager Member Services
Kommentiert am 26-Jun-07 um 1:50 pm | Permalink
Reto Hartinger schrieb:
Hier ist doch genau der Hund begraben: SPAM ist subjektiv und kann “fast” nicht objektiv geregelt werden. Ich kann gegen die SPAM-Regeln verstossen und trotzdem stösst sich niemand an den Mail, wenn der Inhalt die Leute interessiert. Ich kann gegen keine SPAM-Regel verstossen und trotzdem empfinden die Empfänger das Mail als SPAM. Wer weiss nach einer gewissen Zeit nocht wo er ein quadruple-Optin-in gemacht hat?
Mails müssen interessant sein – für den Empfänger – nicht nur für den Absender.
Kommentiert am 26-Jun-07 um 4:30 pm | Permalink
Thomas Lang schrieb:
Erstmals vielen Dank den div. Stellungnahmen der “Beteiligten” oder eben “Nicht-Beteiligten”. Die Diskussion zeigt, dass bzgl. diesem Gesetz die Situation alles andere als klar ist – es ist gerade eine gewisse Nervosität auszumachen.
Kommentiert am 26-Jun-07 um 11:11 pm | Permalink