Blogs = loser generated content
Die Befindlichkeiten kochen wieder über. Die Blogszene ist über die Äusserung des Stern-Journalisten Hans-Ulrich Jörges empört. Er bezeichnet Blogeinträge als loser generated content. Die Blogger kontern: solche Rundumschläge zeugen von Existenzangst der Journalisten. Blogger und Journalisten haben noch Berührungsängste (10 Unterschiede zwischen Bloggern und Journalisten).
Hey – Jörges hat nicht ganz Unrecht
Auch wenn er es journalistisch zuspitzt und halt eben in eine verkäuferische Schreibe verpackt. Viel Blog-Content ist schlicht uninteressant und niemand hat darauf gewartet – da nehme ich unseren Blog nicht heraus. Bezahlte Blogeinträge machen Blogger und Blogs nicht glaubwürdiger – auch wenn sie einen Veriss produzieren. Der Journalist hat einfach Angst, dass sich auch gestandene Blogger zu einfach instrumentalisieren lassen, sich einen Deut um Journalisten-Ethik kümmern. Die Blogergüsse werden nicht besser, wenn es sinnvoller ist, 100fach iPhone zu wiederholen statt manchmal “es” oder “das Jobsphone” zu verwenden – nur weils dann in den Suchmaschinen besser kommt. Originelle Titel in Blogs sind pfui – sie werden in Technorati nicht angeklickt (weil nicht verstanden) und in google weniger gut gelistet, weil dadurch das Keyword nicht im URL und im Titel stehen.
Der Titel macht die Story
Dabei kommt ein solcher Artikel wie der Looser Generated Content oft nur deshalb zustande, weil es einfach reisserisch zu schreiben ist. Dann muss dann halt um des schönene Titels willen eine Story her. Genauso wie bei diesem Blogeintrag. Genauso wie wenn der Journalist eine Meinung hat und diese in seinem Artikel verbraten will, dann telefoniert er so lange herum, bis er sie jemanden als Zitat in den Mund legen bzw. in die Tasten drücken kann.
Looser Print – haufenweis Entlassungen
Tja. Aber auch die Blogger haben Recht. Entlassungen bei Ringer und Tamedia, welche Cash und Facts den Rücken kehren. Begründung zur Facts Schliessung: Journalistisch war Facts heute am Besten, trotzdem verliert es an Leser und Inseraten. Damit ist klar, dass das Heft nicht zu Retten ist, denn besser als jetzt können wir es nicht machen, meinte Martin Kall. Für Ringier ist Multimedia die Zukunft – da ist ein Wochentitel quer in der Landschaft – wenn plötzlich News und Stories dann publiziert werden wenn sie passieren. Und dies via Print, Internet, Video etc. Ist es nicht schön, wenn die freigesetzen Journalisten bei Sacha Wigdorovits neuer Gratiszeitung Unterschlupf finden? Die journalistische Qualität von Gratiszeitungen hat wohl Jörges nicht meinen können, wenn er den Print als Hort journalistischer Qualität ortet.
Printausgaben bald durchsichtig
Immer wieder wenn ich den Blick in die Hand kriege, steht mir das Herz still. Er ist nicht nur in der Dimension geschrumpft, auch der Umfang outet sich eher als pro memoria Posten als der (zweit)grössten Tageszeitung würdig. Bald ist der Blick so dünn, dass man hindurchsehen kann. Sogleich zähle ich die Inserateseiten: 13. Kann man damit eine 40köpfige Redaktion finanzieren? Dabei nimmt die Auflage und das Inseratevolumen weltweit zu (lese ich grad heute im Flash des Verlegerverbandes). Leider nicht bei uns sondern in der Zweiten und Dritten Welt. Darin steht auch, dass die Zukunft der hiesigen Verlage nur noch multimedial sein kann. Das hat auch Charles von Graffenried, Verkäufer der Berner Presse, äh der Espace Media Groupe eingesehen und die Herausforderung für den kleinen Verlag als zu gross betrachtet. Nur, die Verkäuferin Espace Media Groupe hat die bessere Multimediakultur als die Käuferin Tamedia.
Wohin steuern wir? Ist Print zu retten? Wie? Wie sieht der Verlag der Zukunft aus? Welche Bedeutung werden Blogs und Blogger in Zukunft haben? Sind Blogger manipulierbar? Sind Blogs finanzierbar?
Wer eine Antwort hat, Hand hochhalten (und Kommentar schreiben)



leu schrieb:
Wieso meinst du dass Espace die bessere Multimediakultur hat? Weil seit ewigs alles aggregiert wird? Ziemlich unübersichtlich und schlecht strukturiert? Ich finde TAMedia macht wesentlich spannendere Experimente mit MULTImedia indem eigener Content für die verschiedenen Medien kreiert wird.
Kommentiert am 29-Jun-07 um 2:54 pm | Permalink
Harald Taglinger schrieb:
Was soll die Aufregung. Das eine ist mir dem anderen schlecht vergleichbar. Es gibt einfach ein Überangebot an Medien in der Schweiz. Facts hat 7 Jahre in Folge minus gemacht. Mit der Schliessung haben Blogs u.a. wenig zu tun. Auf der anderen Seite hat sich Blogging als eine weitere Contentart im Netz etabliert. Aber deswegen dreht sich die Welt jetzt auch nicht anders herum. Nix für ungut. Schönes Wochenende, PC aus. Sommer.
Kommentiert am 29-Jun-07 um 4:27 pm | Permalink
Globalisierungsblog schrieb:
Gerade der Stern ist ja nun nicht für seine Qualität bekannt. Zumindest nicht in letzter Zeit.
Kommentiert am 30-Jun-07 um 12:22 pm | Permalink
Loser Generated ... Comments at in|ad|ae|qu|at schrieb:
[...] an der Debatte Abend , wenn uns der Schweizer Ausenposten “Ruhiig Blut” zupustet und Reto Hartinger einige lesenswerte Kontexte mit serviert ? – Sagen wir für diesmal , Blog utd. hat sich wacker [...]
Kommentiert am 01-Jul-07 um 6:11 am | Permalink
Severin Ulrich schrieb:
Wohin steuern wir? In die Zukunft
Ist Print zu retten? Was gibt es den deiner meinung nach genau zu retten?
Wie? hm.. gute frage
Wie sieht der Verlag der Zukunft aus? Jeder abonniert seine Wunsch Themen und bekommt sein personalisiertes “Papier”. Natürlich wird die Mehrheit der Konsumenten weiterhin den gleichen “Trash” konsumieren.
Welche Bedeutung werden Blogs und Blogger in Zukunft haben? Koordinstion von Politische Themen
Sind Blogger manipulierbar? wie jeder andere auch
Sind Blogs finanzierbar? mit vielen besuchern & viel werbung (spam blogs) ja, oder man erreicht kultstatus und verkauft noch passende tshirts dazu..
Grüsse und schönen Abend
Kommentiert am 02-Jul-07 um 7:34 pm | Permalink
PS_p-s schrieb:
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Kurz: Auf http://www.publisher.ch finden sich — regelmässig — Meldungen zur personalisierten & individualisierten Medienproduktion (mehrheitlich print-orientiert). Wer sich hier etwas schlau macht, findet ziemlich schnell heraus, dass: es Medienunternehmen gibt, die gesamtheitliche und umfangreiche Lösungen entwickelt haben und entwickeln, von denen viele Menschen ausserhalb der Medienwirtschaft so gut wie gar nichts oder viel zu wenig wissen.
Bspw. kann es Besuchenden der untenstehenden Seiten schon den Atem verschlagen.
-www.ccieurope.com/main-d.asp (STIBO > CCI Europe A/S)
-www.ccieurope.com/solutions/brochures-d.asp
Ein Ausschnitt: [...] Sowohl die traditionelle Druckausgabe der Zeitung, ihre Onlineversion, Beiträge für den lokalen Fernsehsender TVSØR als auch einen Internetfernsehsender sollen über die Software des dänischen Anbieters CCI Europe publiziert werden. [...]
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Das sind schliesslich riesige, kompakte Newsroom/NewsDesk-Systeme. Während zahlreiche PHP/MySQL-CMS noch damit kämpfen, Multimedia-Files richtig einzubinden (Erfahrungs-Beispiel), sind solche Systeme bereits von vornherein als crossmediale MIS- und Produktionssysteme ausgelegt. UND –> Stibo, Dänemark, wurde 1794 gegründet und war ganz am Anfang eine klassische Druckerei! «Nur» eine Druckerei!
Ein weiteres Redaktions-System, das momentan grossen Zulauf hat, ist «K4» von Softcare (www.softcare.de/).
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:-) Schlussfolgerung_1 für die Zukunft: Digital Publishing, Mobile Publishing, Digital Publishing, Mobile Publishing, Digital Publishing, Mobile Publishing … :-) [ODER?]
Schlussfolgerung_2: Regelmässig den «Publisher» lesen, das Schweizer Fachmagazin für Publishing und Digitaldruck lesen!
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http://www.publisher.ch/news/
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Kommentiert am 09-Jul-07 um 5:03 am | Permalink
PS_p-s schrieb:
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Hier ein Nachtrag …
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http://www.publisher.ch/news/
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Drupa digitaler
(ps) An der Printmedien-Fachmesse drupa 2008 in Düsseldorf soll eine wesentliche Botschaft übermitteln: Die elektronischen Medien ersetzen die Printmedien nicht. Umgekehrt: Internet, Video oder disk-basierte Medien schaffen neue Geschäftsmöglichkeiten. Die 14. drupa soll die grösste seit ihrer 50-jährigen Geschichte werden. In 19 Messehallen auf vierzig Fussballfeldern – 170000 m2 – preisen über 1800 Aussteller ihre Angebote und Produkte an. Wichtig für die kommende drupa sind die Hallen 8a, 8b sowie 5 und 9: Hier werden sich die Aussteller von digitalen Lösungen einrichten. Nach wie vor ist die drupa für klassische Unternehmen interessant. So werden die Heidelberger Druckmaschinen AG (Heidelberg) eine vollständig in den Prinect Workflow integrierte elektronische Produktionsplanung, den Prinect Scheduler, vorstellen.
http://www.drupa.de
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Kommentiert am 09-Jul-07 um 5:06 am | Permalink
Reto Hartinger schrieb:
Viele gehen immer davon aus, dass ein Zeitungsverlag auf Papier angewiesen sei, dass nur wenns aufs Papier gedruckt wird eine Zeitung entsteht. Aus Pergament wurde Papier aus Papier wird vielleicht ePaper. Aus Zeitung wird Zeitung – einfach anders. Wieso soll Vermittlung von Information durch eine Redaktion an ein Uebertragungsmedium gebunden sein?
Papier wird aussterben – es wird zu teuer. Früher oder später. Es wird zu langsam, eher früher als später. Es zu unflexibel, heute schon.
Kommentiert am 09-Jul-07 um 10:34 am | Permalink
PS_p-s [¶] schrieb:
Du hast es auf den Punkt gebracht, Reto!
Kommentiert am 09-Jul-07 um 5:12 pm | Permalink
PS_p-s [¶] schrieb:
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[Nachtrag] Aber auch im Papier-Bereich gibt es Zahlen (in diesem Fall aus Deutschland), welche einen erstaunen können …
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Quelle: http://www.drupa.de/cipp/md_drupa/custom/pub/content,lang,1/oid,11555/ticket,g_u_e_s_t/~/VDP_Papiernachfrage_steigt_deutlich_wachsende_Dynamik_fuer_Verpackungspapiere.html
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VDP: Papiernachfrage steigt deutlich – wachsende Dynamik für Verpackungspapiere
Auch im Jahr 2006 ist die Nachfrage nach Papier deutlich gestiegen. Der VDP (Verband deutscher Papierfabriken) gab bekannt, dass im vergangenen Jahr der Absatz um knapp eine Million Tonnen auf 22,6 Millionen zulegte. Das entspricht einem Zuwachs von vier Prozent. Von diesem Zuwachs entfällt die Hälfte auf den Inlandsmarkt, der um erfreuliche vier Prozent (470.000 Tonnen) auf rund 12,5 Millionen Tonnen wuchs. Das Auslandsgeschäft stieg um fünf Prozent auf rund 10,1 Millionen Tonnen.
Diese Absatzwerte setzten sich aus unterschiedlichen Entwicklungen zusammen. Die grafischen Papiere stagnierten bei 10,5 Millionen Tonnen, die Verpackungspapiere als zweitgrößtes Produktsegment konnten ihre Dynamik weiter steigern: Sie verzeichneten ein Absatzwachstum von knapp 800.000 Tonnen oder neun Prozent auf 9,2 Millionen Tonnen. [...]
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Oder dann gibt es jene, die fangen bereits damit an, «Audio» zu drucken: Wissenschaftler der Mid Sweden University haben ein Audio-Papier entwickelt. http://www.publisher.ch/news/news_all.php?t=Audio+drucken%3F&read_article=318
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Man könnte daher also — wieder einmal — sagen: «Es gibt nichts, das es nicht gibt!» Eine Aussage, die auf eine stetig plurarchisch (vielschichtig-vielgestaltig-vielseitig) werdende Gesellschaft natürlich zutrifft … Es gibt halt vieles zur selben Zeit. Und damit ist nicht immer einfach umzugehen. Oder? Also ich habe manchmal Schwierigkeiten mit all diesen verschiedenen «Welten». Und jede hat ja eigentlich eine Art Lebens-Berechtigung!
Irgendwie erinnert mich das manchmal an die Quantenphysik, wo es halt nicht nur True/False oder 1/0 gibt, sondern unzählige Zustände (eher Prozesse) zur gleichen Zeit …
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Kommentiert am 09-Jul-07 um 5:28 pm | Permalink
Internet Briefing Blog / Gartner: Peak für Blogs 2007 schrieb:
[...] Es gibt ja auch nicht 7 Millionen Sänger in der Schweiz. Bottomline: Blogs etablieren und professionalisieren sich seit Jahren. Das heisst auch “Wachstumsgrenze”. Wie jeder andere Medienkanal es [...]
Kommentiert am 08-Aug-07 um 10:51 am | Permalink
Pascal schrieb:
Finde ich auch ein wenig übertrieben. Die Blogosphäre wird immer stärker werden, davon bin ich überzeugt.
Kommentiert am 24-Okt-08 um 7:17 pm | Permalink