E-Banking und E-Trading florieren und dennoch stagniert die Online-Marktbearbeitung. Kann der Online-Auftritt mehr, als “nur” Basisinformationen anbieten und Interessenten in Filialen zuführen? Welche Instrumente sind im Einsatz und wo liegen deren Probleme und Grenzen?
Am ersten Vortrag der Banking Gruppe innerhalb von Internet-Briefing gab Stefan Rüesch, der Leiter des online Kanals von Postfinance, interessante Erfahrungen aus dem Finanzbereich weiter. Der Vortrag stand unter dem Titel “Online-Marktbearbeitung in der Finanzbranche – Instrumente, Chancen und Limiten” gehalten. Hier die wichtigsten Aussagen:
Postfinance hat mit seinen 2,2 Millionen Kunden (davon 300′000 Geschäftskunden) eine breite Verankerung im Schweizer Markt. 800′000 Kunden verwenden auch die online Banking Möglichkeiten von Postfinance. Überraschend war, dass der Anteil der Geschäftskunden, welche die online Möglichkeiten nutzen, nicht höher liegt als derjenige bei den Privatkunden. Stefan Rüesch geht davon aus, dass dies daran liegt, dass sehr viele der Geschäftskunden von Postfinance Kleinstunternehmen sind.
Beim online Marketing von Postfinance geht es nicht darum, neue Kunden zu gewinnen. Trotzdem erhält Postfinance pro Jahr 100′000 neue Anmeldungen für die online Dienstleistungen. Diese kommen quasi automatisch aufgrund von neuen Kontoeröffnungen und dem Interesse der bestehenden Kunden. Dass die Postfinance sich nicht zum Ziel setzt, auch aktiv neue Kunden zu gewinnen, ist eigentlich schade. Denn das Potential an Kunden, welche in der Schweiz online nach Bankdienstleistungen suchen, ist enorm und wird auch von den Grossbanken eher vernachlässigt.
Fonds laufen online sehr gut. Bis zu einem Drittel der bei der Post abgeschlossenen Aufträge für Fonds werden online abgeschlossen. Überraschend war, dass “nur” 1/3 der Yellownet-Kunden (dem online Banking Angebot der Post) über das Internet kommen. Die Erklärung von Stefan Rüesch war aber einleuchtend: Der Grossteil der Neukunden kommt dank den Kontoeröffnungen bei der Post.
Gemäss Stefan Rüesch werden in Deutschland bereits 10 % der von der deutschen Postbank abgeschlossenen Hypotheken online abgeschlossen. In der Schweiz ist man davon noch weit entfernt aber das Potential über online Marketing an neue Kunden zu gelangen ist sicherlich noch gross.
Gute Erfahrungen wurden mit Kampagnen gemacht, bei welchen die Kunden unmittelbar nach dem Login ein Angebot angezeigt erhalten. Bis zu 20 % der Kunden sehen sich solche Angebote an. Nachdem die Kunden mit online Transaktionen angefangen haben, sind diese aber nicht mehr an weiteren Angeboten interessiert.
Eine interessante Aktion wurde im Fonds-Bereich durchgeführt. Wer für mindestens CHF 20′000 Fonds gezeichnet hat, erhielt gratis einen IPod. Die Reaktion auf diese Aktion hat Postfinance überrascht. Das Geschenk war so attraktiv, dass viele Kunden davon Gebrauch gemacht haben, indem in der gewünschten Höhe Fonds gezeichnet wurden.
Die Klickraten bei den bisherigen online Kampagnen liegen bei 0,3 – 3 %. Diese tiefen Werte zeigen, dass die Möglichkeiten der Suchmaschinen Werbung und die Anstrengungen für ein gutes Google Ranking nicht optimal genutzt werden.
Der Newsletter mit seinen 150′000 Abonnenten stösst bei einer Öffnungsrate von 50 % auf reges Interesse. Interessant ist, dass Beiträge zum Thema Sicherheit Klickraten von 10 – 20 % erreichen, während die Klickraten auf die Vertriebszonen von Postfinance noch bei 0,5 – 5 % liegen.
Insgesamt war es ein gelungener Auftakt der neuen Gruppe “Internet und Banking im Fokus”, welche innerhalb der Internet-Briefing Vorträge und Veranstaltungen stattfand. Stefan Rüesch hat offen und kompetent informiert und es fand ein angeregter Gedankenaustausch statt. Besten Dank an Dr. Kornel Szabo, der den Abend moderierte, und an den Organisator, Reto Hartinger!
Der Artikel wurde ursprünglich unter
http://news.worldsites-schweiz.ch/online-marketing-im-finanzbereich-vortrag-von-postfinance.htm publiziert.