Suchen:

Handy –TV Konzession an Swisscom – wen wunderts?

von Reto Hartinger

Die Eidgenössische Kommunikationskommission ComCom hat Swisscom die landesweite Konzession für Handy –TV zugeschlagen. Swiss Mobile TV (MoTV) guckt in die Röhre und bezeichnet das Verfahren als Farce. Die Konzession gilt für 10 Jahre und die gesamte Schweiz.

Ich hab mich auch gefragt, wieso nur eine Konzession vergeben wird. Es kann so keine Konkurrenz geben und da ist von vorneherein der logische Sieger die Swisscom.

Die Swisscom will in den Euro08 Städten die Uebertragung der Fussball-Europameisterschaften möglich machen und baut ein entsprechendes Netz auf.

Unser Mitglied Bruno Bucher von MoTV hält sein inhaltliches Konzept für besser und ist entäuscht. Die bessere Netzabdeckung hat die besseren Inhalte ausgestochen.

Bruno – kannst Du Stellung nehmen?


yigg this! yigg this!save to del.icio.us save to del.icio.us

7 Kommentare zu “Handy –TV Konzession an Swisscom – wen wunderts?”

  1. Bruno Bucher schrieb:

    Reto, noch ist Rom nicht verloren… auch wenn das Pferd nun von hinten aufgezäumt wurde.

    Führen wir uns die Geschichte des Films vor Augen – und irgendwie schreiben wir diese auch fort – stand am Anfang nie der Inhalt, sondern der Wille Bilder zum Laufen zu bringen. Waren es anfänglich die Mechaniker, die allerhand Maschinen erfanden und später die Chemiker, die mit Wasser und Wässerchen Bilder auf Glas und später auf Zelluloid bannten, sind es heute die Ingenieure der digitalen Revolution, die es fertig bringen, Einsen und Nullen so zu konditionieren, dass diese auch als laufende Bilder auf Handy-Monitoren erkannt werden können. Das ist alles sehr kreativ.
    Diejenige Sorte Kreative, die den laufenden Bildern auch Inhalt und Sinn geben, wurden immer erst im Nachhinein auf den Plan gerufen.

    Durch besondere Umstände lief das im Falle von Handy-TV in diesem Land etwas anders.

    Seit drei Jahren probieren wir daran, dem Mäuse-Fernsehen Sinn und Inhalt zu geben. Letztes Jahr im August sahen wir dann den Zeitpunkt gekommen, unsere Erkenntnisse als Konzessionsgesuch an den Bundesrat und seine Behörden zu richten, um eine Programmkonzession für Mobiles Fernsehen zu bekommen. Eigentlich war es uns ziemlich egal, ob wir das über DAB oder DVB-H tun werden, obwohl wir aus Ressourcengründen eher zu DVB-H tendierten. Statt nur 5 können mit DVB-H bis zu 26 Sender auf derselben Frequenz ausgestrahlt werden. Das fanden wir aus Wettbewerbsgründen gut, den Kreative lieben den Wettbewerb der Ideen, wenn sie ihn zuweilen auch verdammen, doch sie wissen seit Kunst ein wirtschaftlicher Vorgang ist, dass ein fehlender Wettbewerb zu Staatskunst führt und diese zu einer gewissen Verarmung neigt…

    So ist das ja auch mit der Swisscom zu sehen. Der ComCom-Entscheid ist eben auch deshalb einer der fatalen Sorte, weil er Wettbewerb ausschliesst und Handy-TV diesem mit der Swisscom entzieht. Es pfeifen es hier in Biel die Spatzen von den Dächern, dass die Swisscom längstens nicht mehr diese Stärke von früher hatte, nämlich kreative Pioniere zu beschäftigen, die mit Engagement, das heisst ohne Rücksicht auf Verluste im Bereich Freizeit und Spass (man nennt dies heute Work/Lifebalance), Dinge möglich gemacht haben, die auch ins Ausland abstrahlen.

    Wir zählen unser Engagement zu dieser Sorte. Seit Monaten legen wir uns ins Zeug, um Handy-TV mehr Sinn und Perspektive zu verleihen als einfach drei hüpfende Pixel auf grünem Hintergrund herummäandern zu lassen als sei erst eben das Kino erfunden worden.

    Arithmetisch hatten wir mit unserem Kriterienwettbewerb eine 50:50 Chance, realistisch gesehen vermutlich nicht den Hauch davon. Denn tatsächlich ist die Ausschreibung lediglich eines einzigen Layers der funkmässige Ballenberg für die Swisscom, der Schönheitswettbewerb im Angesicht der Euro 08 eine reine Farce, um zu vertuschen, dass man das Thema sowohl im UVEK wie auch im BAKOM schlicht und einfach verschlafen hatte.

    Furrer hat jetzt mit seiner unabhängigen Alibikommission ComCom den Wagen aus dem Dreck gezogen und tut so als hätte man Eile wegen der Euro 08. Dabei weiss jeder der bei der MIGROS Klubschule einen entsprechenden Marketingkurs besucht hat, dass mit Strohfeuer nur Rauch entsteht und momentane Hitze und verbrannte Erde hinterlässt.

    Warum also haben wir uns beworben, wenn die Prognose so schlecht war? Nachdem wir erfolglos mit der Swisscom Broadcast über Monate hinweg denen unser Anliegen eines Made-for-Mobile-TV-Kanals nicht deutlich machen konnten, suchten wir im Ausland die führenden Player. Mit der T-Systems Media & Broadcast und der SK Telecom fanden wir dann jene, die uns verstanden und die wir mit unserem Erkenntnisstand, unseren Konzepten und Prototypen sogar verblüffen konnten. Sie zollten uns Anerkennung und gemeinsam kamen wir zum Schluss, dass wir gemeinsam besser sein können als die Swisscom für sich alleine. Am 12. Juni, sieben Tage nach der Ausschreibung des ComCom, nach der letzten Sitzung mit Swisscom Broadcast CEO Conti, fiel die Entscheidung, diese Kompetenz den Schweizer Behörden und allen interessierten Kreisen im Rahmen des Kriterienwettbewerbs aufzuzeigen.

    Das Ergebnis ist nun bekannt und quasi amtlich bestätigt: Wir stehen in Bezug auf Inhalt und Sinngebung besser da als die Swisscom. Wir wären der Garant für die Medienvielfalt. Hinter dem Begriff lässt sich auch noch etwas anderes herauslesen: wir stehen für Wettbewerb und würden den leben.

    Wenn das für Pioniere und Kreative, wie wir uns selber sehen und von deutschen und koreanischen Grossfirmen anerkannt wird, nicht eine neue hervorragende Ausgangslage ist?

  2. Reto Hartinger schrieb:

    Ich kann mich noch gut an das Projekt SwissTopVision der Swisscom PTT (hiess sie damas so?) erinnern.

    Die Swisscom wollte Video-on-demand testen. Die Idee und Strategie war damals richtig – es zeigt sich ja heute, dass Trippleplay der Ausweg aus dem Umsatzloch sein könnte (es aber nicht wird). Bei SwissTopVision wurde eine Reihe von Fehlern gemacht.

    1. Auswahl des Umsetzungspartner. Die Kriterien wurden so hart gemacht, dass praktisch niemand (Oracle, DEC etc.) mitgemacht hat – da blieb quasi nur noch Philipps übrig. Eine riesige Konventionalstrafe drohte, falls der technische Partner nicht rechtzeitig fertig wurde.

    2. Falsche Technologie. Mit Philips war dann eben auch der Technologieentscheid gefallen. Die haben ja bereits “viele” Inhalte auf ihrem Bildplattensystem (ein Rohrkrepierer, weil es eben doch nicht viele waren – die CD-ROM hat der besseren Bildplatten den Rang längst abgelaufen) und diese seinen “leicht” auf Viedo-on-demand umzusetzen. Aha.

    3. Ein Autobahnbauer ist kein Autobauer und kein Ferienplaner. Die Swisscom ist nach Hollywood gereist und hat im grossen Stil (und viel zu teuer) Filmrechte eingekauft (sehr zum Missfallen von SRG und TSR). Man musste lernen, dass man keine inhaltliche Kompetenz hat – war aber zu überheblich um mit Partnern in diesem Bereich überhaupt zu reden. Die Swisscom glaubte an ihre Stärke. Wohl wieder der gleiche Fehler wie beim Handy-TV. Ist die Strasse gebaut, kommen die Autos schon. Eines fährt ja bereits: Euro08.

    4. Der Versuch wurde abgebrochen. Video-on-demand hatte auf der ganzen Welt keinen Erfolg, wieso sollte das bei der Swisscom anders sein zudem man ein System hatte, das gar keine Zukunft kannte.

    5. Positiver Outcome: Aus diesem Versuch ist quasi Le-shop entstanden. Denn die betreiber des TopVision-Onlineshops von Nestle haben das Potenzial von E-Commerce erkannt und dann Le-shop gebaut.

  3. Bruno Bucher schrieb:

    Seit den Kommunikationsmodellgemeinden KMG Ende der 80er Jahre hatte ich immer wieder die Gelegenheit für und mit und manchmal halt auch gegen die Swisscom in modernen Themen zusammen zu arbeiten.

    Deinen Beobachtungen sind sicher nicht falsch und man könnte noch einige weitere Themen dieser Liste beifügen.

    Eines neben den inhaltlichen Fragezeichen ist sicher auch die Tatsache, dass immer viel Geld im Spiel war und ist. Manchmal halt einfach auch zu viel, was dann über fehlende Kompetenzen hinweg täuscht, zumindest kurzfristig.

    Nur scheint es halt eben auch ein unverrückbarer Fakt zu sein, dass die meisten Telco-Konsumenten, egal wie effektiv die Swisscom die Mittel einsetzt, der Swissocm treu bleiben und ihr die Mittel via überhöhte Tarife zufliessen lassen.
    Das ist ja auch ein sympathischer Zug der Schweizer, diese Treue… ;-)

  4. Reto Hartinger schrieb:

    Ja das mit dem zuviel Geld welches Unzulänglichkeiten überdeckt hätte ich sogar schreiben wollen – ist aber auch nicht ganz fair. Wenn Swisscom in ein Projekt wenig Geld hinein steckt, dann wird man sagen, dass es am Geld gefehlt hätte und es deshalb schief gegangen sei. Das wäre wohl der noch blödere Fehler, der gar keine Erkenntnisse ergäbe.

    So hat SwissTopVision der Swisscom viel Geld gekostet und war vielleicht doch billig. Wir sehen ja heute, wie teuer des die Swisscom zu stehen kommt, sich in den TV-Markt einzukaufen (siehe http://blog.internet-briefing.ch/2007/05/16/koenig-kunde-kostet-1400-franken/).

    Dabei wird der Plattformentscheid wieder kritisiert – mit Microsoft hat man auf einen Partner gesetzt der extreme Verzögerungen verursacht hat (Microsofts Prospektware war wohl gut, die Software nicht) und es noch nicht sicher ist, ob er nicht wieder herausfliegt. Hat Swisscom mit Fastweb auf das richtige Pferd gesetzt? Die Aufschaltkosten konnten dadurch reduziert werden – jeder Kunde ist aber immer noch zu teuer und wird sich erst nach vielen Jahren rentieren – wenn er bis dann nicht abgesprungen ist.

    Wenigstens ist Swisscom bei Kyte.tv dabei.

    Es ist auch nicht sicher, ob Video-on-demand so überhaupt gefragt ist, wenn man sich heute bereits über das Internet so ziemlich alles herunterladen kann (on demand) – siehe z.B. http://r4v3n.com oder alle Kanäle der Welt hereinziehen kann http://zattoo.com und Jost
    siehe: http://blog.internet-briefing.ch/2007/05/19/wer-gewinnt-im-videomarkt/
    und
    http://blog.internet-briefing.ch/2007/05/17/realitaetscheck-briefmarken-fernsehen-im-internet/

  5. Bruno Bucher schrieb:

    Ja, das mit Kyte könnte eine gute Sache werden. Swisscom sollte eben genau wie Nokia mehr in innovative Projekte unabhängiger, dafür umso innovativere und fittere Startups investieren als alles selber machen zu wollen.

    Es geht ja auch nicht darum, möglichst wenig Geld in ein Projekt zu stecken als viel mehr um die richtigen Ansätze wie eben Innovationen von Dritten zu fördern. Das würde dann auch eine Pionier-Stimmung im Land aufbringen, wenn es da echte Chancen mit Investoren gäbe. die es ernst meinen und eine gewisse Potenz haben und zwar nicht im Bereich von wenigen 10′000 Franken, sondern so zum Beispiel wie bei Kyte, in den sechstelligen Bereichen zusammen mit anderen, möglichst internationalen Investoren. damit sich da auch schnell eine internationale Sicht entwickelt.

  6. Reto Hartinger schrieb:

    meine Worte Bruno

  7. Elektrosmog-Gegner wollen Handy-TV verhindern schrieb:

    [...] zum Thema “Swisscom und Handy-TV , warum nur eine Konzession vergeben wurde ?” ist auf Internet-Briefing.ch zu [...]

Schreibe einen Kommentar

*Required
*Required (Never published)
 

Recent Artikel

Recent Kommentare

Letzte Trackbacks