Suchen:

Deshalb ist PR Chefsache

von Reto Hartinger

Die meisten Firmenkader bekunden etwelche Mühe mit dem Umgang mit der Presse. Sie haben einfach zuviel Respekt, möchten nichts falsch machen. Aber merke – der Journalist ist auch nur ein Mensch.

Public Relations wird als Versenden einer uninteressanten Meldung über die Firma oder deren Produkte verstanden. Das ist Blödsinn. Das interessiert die Journalisten nicht, weil es die Leser nicht interessiert. Journalisten sind nicht nur in der Informations- sondern auch in der Unterhaltungsbranche. Deshalb braucht es etwas mehr als “wir stellen heute das tolle neue einzigartige schon lang ersehnte Produkt interessierten Kunden über unsere bestens ausgebildeten Kanäle zur Verfügung”

Mit den Journalisten muss man eine Beziehung aufbauen und als Spezialist auf seinem Fach gelten.

Kurt W. Zimmermann (auch mal Journalist) beschreibt fünf einfache Punkte, «wie man Journalisten richtig lenkt» (Gelesen bei Wortgefecht):

Bewundern Sie die Journalisten. «Wenn er den Journalisten den Honig ums Maul schmiert, fühlt sich der kleinste Reporter als Nobelpreisträger.»

Werden Sie Informant. «Stecken Sie darum den Journalisten regelmässig kleine und grosse Indiskretionen zu.»

Zeigen Sie Emotionen. «Medienleute haben es gern gefühlig.»

Zeigen Sie Reue. «Nichts lieben Medien mehr als reumütige Sünder, die aus Medienkampagnen lernen.»

Werden Sie ein Underdog. «Die Sympathie der Medien gehört immer den Kleinen, die gegen die Grossen sind.»

Also, vergessen wir all die teuren Medientrainings. Mit den fünf Tipps wird sogar Marcel Ospel von der UBS zum Liebling der Journaille:

«Ospel müsste zum Beispiel nur eine tief betroffene Brandrede gegen US-Präsident George Bush und dessen Irak-Politik halten. Ideal wäre, wenn eram Ende einer solchen Tirade wörtlich sagte: «Ich schäme mich für George Bush! Ich schäme mich für die USA!» Von Stund an würden ihn die Medien vergöttern.»

Also ich kann diesen Punkten zustimmen, würde aber ergänzen:

Mediengeil
Bewundern Sie die Journalisten – das gilt für alle Menschen. Einschleimen kann einem Journi aber total auf die Nerven gehen und wird durchschaut. Es braucht halt Fingerspitzengefühl. Ich tue es nicht.

“off the record” bringt langfristig am meisten
Werden Sie Informant. Das ist der wichtigste Punkt, denn er hilft dem Journalisten seinen Job besser zu machen. Er wird Dir dankbar sein. Gebe ihm immer Hintergrundinformationen – auch solche die Du nicht sagen darfst – erwähne dabei, dass Du das “off record” sagst und es nicht veröffentlicht werden darf. Du ihm aber helfen möchtest, dass er den Zusammenhang sieht. Gib ihm auch an, wen er sonst noch befragen kann. Das darf auch ein Konkurrent sein. Du kannst ihm auch sagen, welche Punkte er abklären soll, was er berücksichtigen soll. Das bringt Dir eigentlich alles gar nichts – denn vielleicht wirst Du sogar nicht mehr zitiert. Er wird Dir selbstverständlich nicht sofort vertrauen und immer als verifizieren. Es wird ihm aber helfen, seine Recherchen besser zu machen. Wenn Du sein Vertrauen hast wird er Dir jedes Mal zu diesem Thema anrufen. Wenn Du jetzt noch den nächsten Punkt beachtest, bekommst Du sicher immer einen Satz.

Rede zitierbar
“Zeigen Sie Emotionen” und “Zeigen Sie Reue”. Gehören für mich zum Thema – Personalisierung. Fakten müssen an etwas aufgehängt werden, meist an Menschen. Deshalb werden oft auch ganze Firmen immer an ihrem prägnanten Kopf aufgemacht. Irgendwann ist das aber auch langweilig. Noch besser, wenn Gefühle ins Spiel kommen. Da wird die Story lebendig – der Leser kann sich plötzlich mit den Akteuren identifizieren, auch wenn sie 20 Millionen verdienen. Wenn Du in Konkurrenz mit anderen stehst die zitieret werden sollen, dann gewinnt der, der die markigeren Worte sagt, der der mehr polarisiert. Ich überlege mir immer eine Spruch für den Story-Titel. Zeige Meinung – das wird geliebt. Markiere sie mit einem guten Satz/Spruch.

Such Dir Deinen Feind
Werden Sie ein Underdog. Das möchte ich relativieren. Du musst bestimmen, mit wem Du zusammen erwähnt werden willst. Das ist das Wichtigste. Mit search.ch hatte ich lange das Problem, dass wir nicht zusammen mit den grossen Portalen erwähnt wurden. Ich musste also allen Journalisten einhämmern, dass wir unter den drei grössten Schweizer Seiten sind. Also wenn jemand bluewin zitiert, musste unbedingt auch search.ch erwähnen. Das ist mit der Zeit gelungen. Man kann sich einfach auch einen Feind aussuchen – da eignet sich halt Microsoft oder Swisscom immer wieder (da ist jeder der Underdog) aber aufgepasst – als kleiner kann man immer Pinkeln, man erscheint aber nicht grösser nur weil man

Den Hype reiten
Ospels angesprochene Brandrede gegen US-Präsident George Bush kann einen Hype auslösen. Wenn Du und Deine Firma diesen Hype nicht aufrecht erhalten könnt, wenn Deine Firma total hochgejubelt wird und Du am Schluss die Zahlen nicht liefern kannst, Dann hast Du ein massives Problem. Du verlierst das Vertrauen des (der) Journalisten, er wird sich betrogen fühlen. Heliane Caneppa oder Daniel Vasella haben einen unglaublichen Hype aufgebaut – das kann dann leicht in Häme umschwenken. Du kannst so tief fallen wie Du hochgehoben wurdest. Deshalb – schalte ab und zu Funkstille ein. Ein Dauerhype ist nicht aufrecht- und nicht auszuhalten.

Du musst selber hinstehen
Die persönliche Beziehung zu wichtigen Journalisten kannst Du nicht einer PR-Agentur delegieren. Da musst selber hinstehen, sie kann Dich aber allenfalls mit den Journalisten bekannt machen. Als Firmenchef kannst Du diese Rolle aber auch auf verschiedene Spezialisten aufteilen – je nach Unternehmensgrösse. Bei der PR die ich für search.ch gemacht habe, habe ich immer Ruedi Räber, den CEO, in den Vordergrund gestellt – aber auch jedes Interview nochmals gelesen um es gut zu machen oder es gleich selber geschrieben. Wenn wir einen PR geschrieben haben, haben wir immer ihn zitiert. Er war die Gallionsfigur, der Träger der Firmenphilosophie und -Image.


yigg this! yigg this!save to del.icio.us save to del.icio.us

4 Kommentare zu “Deshalb ist PR Chefsache”

  1. tou.ch » Blog Archive » Reto Hartinger gibt Tipps zum Umgang mit Journis schrieb:

    […] anderem Marketing Boss von search.ch (ja, ja, Reto, ich erwähne search.ch ;-)  ), gibt in einem Blogeintrag Tipps zum Umgang mit Journalisten. Ich denke, viele seiner Tipps treffen sicher zu. Aber jeder […]

  2. gis schrieb:

    Hallo Reto

    Ich gehe mal davon aus, dass in der Hitze des Gefechts die Quellenangabe des Zitats innerhalb des blockquote-Tags vergessen ging ;) Hier der Link zum Original:

    http://www.wortgefecht.net/presseschau/die-journaille-bezirzen/

    Kann ja mal vorkommen ;)

    Übrigens treffende Ergänzungen!

  3. Reto Hartinger schrieb:

    Hoi Michael

    Ich habe noch gar keine Links gesetzt. Tut mir leid – ich finde übrigens Deinen Blog einen der interessantesten – wenn nicht der Beste überhaupt. Mach weiter so, Dein Eintrag hat mich inspiriert.

  4. Internet Briefing Blog / Pe Är - oder wie ich die Presse richtig bediene schrieb:

    […] Reaktionen auf mein Blogeintrag “Deshalb ist PR Chefsache” haben mich angeregt, das Thema zu vertiefen. Ich bin in ein Start-up investiert, das […]

Schreibe einen Kommentar

*Required
*Required (Never published)
 

Recent Artikel

Recent Kommentare

Letzte Trackbacks