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Web 2.0 funktioniert nur dank Jugendlichen!

von Beat Z'graggen

Gemäss einer repräsentativen Untersuchung von Gruner + Jahr bloggen nur drei Prozent der deutschen Internetnutzer. Insgesamt sind sieben Prozent der Internetnutzer aktive Nutzer von benutzergenerierten Inhalten wie Blogs, Communities oder Wikipedia. Eine andere Untersuchung zeigt: Beim Web 2.0 sind vor allem Jugendliche die Autoren der Beiträge und stellen Inhalte bereit, Erwachsene konsumieren diese.

„Web 2.0 ist in erster Linie eine Domäne der jungen Nutzer, insbesondere dann wenn es darum geht, das Internet tatsächlich selbst zu gestalten und aktiv mitzuwirken. Dennoch wird Web 2.0 über alle Altersgruppen hinweg und somit auch von älteren Personen genutzt“, sagt Robert A. Wieland, Geschäftsführer von TNS Infratest, welche eine Untersuchung über das Web 2.0 durchgeführt hat, bei welcher in Online-Interviews insgesamt 1.102 Personen befragt wurden, die Web 2.0 Inhalte nutzen.

Ein klassischstes Beispiel hierfür ist die Online-Enzyklopädie Wikipedia. Während etwa ein Drittel (33 Prozent) der Verfasser von Beiträgen unter 20 Jahren sind, liegt der Anteil der Leser, die 30 Jahre und älter sind, bei 65 Prozent.

Noch deutlicher wird dies bei den Nutzern von Blogs, die in dieser Untersuchung genauer unter die Lupe genommen wurden: Bei Blogs sind 41 Prozent der Personen mit einem eigenen Blog unter 20 Jahre alt! (Siehe auch Blogs und benutzergenerierte Inhalte werden überschätzt!) Die Blog-Leser hingegen sind deutlich älter, bereits 35 Prozent sind über 40 Jahre alt, nur 20 Prozent sind unter 20 Jahren. „Das heisst, Blogs werden zwar auch von Gleichaltrigen gelesen aber gleichzeitig scheinen sie auch für Personen interessant zu sein, die nicht direkt in der Altersgruppe des Blog-Besitzers zu finden sind. Dennoch sind aber auch Erwachsene unter den Blog-Schreibern: Immerhin ein Viertel aller Blog-Besitzer sind über 40 Jahren“, erläutert Wieland.

Wer einen Internetauftritt mit Web 2.0 Inhalten anreichern will, muss also allem ihre jungen Nutzer mobilisieren. Sonst werden die Web-2.0-Dienste keinen Erfolg haben. Schliesslich sind es letzten Endes die jungen Nutzer, welche die Produktbewertungen oder Kommentare schreiben, die ältere Nutzer dann bei der Kaufentscheidung zu Rate ziehen. Angebote, welche vor allem ältere Personen ansprechen, haben da einen vergleichsweise schweren Stand. Wo es gelingt, die Jungen zu engangieren lohnt sich dies aber. So haben z.B. Shops mit Web 2.0 Inhalten höhere Umsätze.

Insgesamt wird die Verbreitung von Web 2.0 oft überschätzt. So zumindest die Studie Markenprofile von Gruner + Jahr (wo Zeitschriften wie Stern, Brigitte und Capital herausgegeben werden). Die Studie basiert auf rund 10.000 Interviews im Zeitraum März bis Mai 2007.

Demnach sind 2,5 Millionen Menschen in Deutschland (7,2 Prozent aller Internetnutzer) im Alter zwischen 14- bis 64 Jahren die Intensiv-Nutzer, die regelmässig bloggen, fremde Blogs kommentieren, Inhalte bei Foto- und Videocommunities einstellen, Einträge bei Wikipedia schreiben, Produktbeurteilungen für Amazon und ähnliche Seiten verfassen oder in Foren und Communities aktiv sind. Fast genauso gross ist mit 2,4 Millionen (7,0 Prozent) die Gruppe derer, die regelmässig an ihrer Internet-Homepage arbeiten.

1,22 Millionen deutsche Internetnutzer zwischen 14 und 64 Jahren bloggen selber. Davon schreiben rund 880.000 Internetnutzer gelegentlich in ihrem eigenen Blog, 340.000 dagegen regelmässig. 1,6 Millionen Internetnutzer in Deutschland kommentieren Postings in fremden Blogs.

Zusammenfassung von
Web 2.0: Die Jugendlichen produzieren die Inhalte, ältere konsumieren diese!
Blogs und benutzergenerierte Inhalte werden überschätzt!


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11 Kommentare zu “Web 2.0 funktioniert nur dank Jugendlichen!”

  1. Marc | Wissenswerkst schrieb:

    Hallo Beat,

    Die Studie von Infratest ist übrigens handwerklich sehr zu bemängeln. Und die Ergebnisse in Bezug auf die Blogger (und deren Altersstruktur) sind sehr fragwürdig und widersprechen anderen (seriösen) Studien.

    Der Grund: es floßen nur die Daten von 82 (!) Bloggern in die Erhebung mit ein. Vollkommen unzureichend…

    Man kann zwar sicher darüber diskutieren, ob die Blogs “relevant” sind und welche Inhalte dort verhandelt werden, aber die Infratestzahlen taugen dafür nicht.

    Mehr Details dazu: hier

  2. Beat Z'graggen schrieb:

    Danke für den Hinweis!

    Die Studie von Gruner + Jahr mit 10′000 Teilnehmern ist sicherlich repräsentativer.

    Ich fand die Grundaussagen von Infratest trotzdem wertvoll, da sich viele zu wenig überlegen, wer die Web 2.0 Inhalte auch beiträgt. Zudem gab es auch andere Studien mit ähnlichen Ergebnissen. Aber man muss natürlich bei jeder Studie auch hinterfragen, wer damit was beweisen wollte.

    Bereits in der 90er-Jahren hat man von Internet Communities gesprochen. Dieses sind dann in den meisten Fällen nicht zustandegekommen, weil man sich zu wenig Gedanken darüber gemacht hat, wie man die attraktiven Zielgruppen anzieht.

  3. Beat Z'graggen schrieb:

    P.S. In unserem eigenen Blog hatten wir mehrere Beiträge über die Wahlen 2007 was dazu führte, dass wir am Wahlsonntag bei der Suche nach “Wahlergebnisse” auf Google nach der Bunderverwaltung gleich zwei Seiten unter den ersten 4 Einträgen hatten. Dies ist nur ein Beispiel unter vielen, welches die Macht von Blogs aufzeigt. Dieser Beitrag war kein Versuch, Blogs schlecht zu reden!

  4. Marc | Wissenswerkst schrieb:

    Ja, ja, kein Problem. So hatte ich es auch nicht verstanden. Ich wollte nur darauf verweisen, daß eben die Infratest-Studie mit Vorsicht zu genießen ist. Das liegen einfach handwerkliche Fehler vor.

    Bei anderen Studien sieht das anders aus…

  5. Beat Z'graggen schrieb:

    Hast Du vielleicht ein gutes Beispiel einer Studie, welche das Gegenteil aussagt oder anderslautende Angaben über die Altersstruktur der Web 2.0 Nutzer macht?

  6. Marc schrieb:

    Die meines Erachtens umfassendste Analyse der Blogszene stammt immer noch von Jan Schmidt.

    Schmidt, Jan / Martin Wilbers (2006): Wie ich blogge?! Erste Ergebnisse der Weblogbefragung 2005. Berichte der Forschungsstelle “Neue Kommunikationsmedien”, Nr. 06-01. Bamberg.

    Link: http://www.bamberg-gewinnt.de/wordpress/archives/356

    Dort ist nachzulesen, daß ca. 17% der Blogger unter 20 Jahren alt sind. Eine Zahl, die ich für plausibel halte. Und eben deutlich von den 41% der Infratest-Studie abweicht. ;-)

  7. Beat Z'graggen schrieb:

    Interessant, danke für das Feedback!

    Gemäss dieser Statistik wäre der durchschnittliche Blogger um die 30 Jahre alt; oft noch in einer schulischen oder studentischen Ausbildung.

    Man könnte allerdings auch bei dieser Statistik hinterfragen, wie relevant sie noch ist. Gemäss Technorati gibt es heute 4 Mal mehr Blogs als noch 2005 (im deutschsprachigen Raum dürfte das Wachstum noch viel stärker gewesen sein). Eine Studie aus dem Jahr 2005 ist von daher auch nicht mehr repräsentativ.

    Weitere Studien wären also angesagt, um genauere Angaben zu erhalten.

  8. Reto Hartinger schrieb:

    Ich kann Euch zu diesem Thema unser nächstes Internet Briefing empfehlen:

    06.11.2007 – 11.30-14.00 inkl gemeinsames Mittagessen
    Web 2.0: Was machen Schweizer Firmen? Best Practices

    Marcel Bernet hat die 200 grössten Schweizer Firmen befragt: Wie Schweizer Firmen mit Weblogs, Wikis, Second Life, Podcasts oder benutzergenerierten Inhalten umgehen. Wo setzen sich neue Formen der Online-Kommunikation durch? Worauf setzen die grössten Schweizer Player? Marcel präsentiert die Schlüsselfaktoren und leitet daraus Thesen ab für die Unternehmenskommunikation.

    Mehr Infos:
    http://www.internet-briefing.ch/web2studie

    Ok – sagt zwar nichts aus über die Nutzer – sondern über die Anbieter.

  9. Beat Z'graggen schrieb:

    Hier noch ein Ergebnis einer aktuellen Studie des Allenspach Institutes in Deutschland:

    “Manche der angebotenen Web-2.0-Dienste zeigen eine starke Altersbindung, andere weniger. In die Gruppe der altersgebundenen Angebote gehört die aktive Nutzung von Videoportalen (”Videos einstellen”), bei der das Desinteresse schon sprunghaft in der Gruppe der 20- bis 29-Jährigen beginnt – nur noch 154 der Befragten dieser Altersgruppe sind hier vertreten, während es 381 bei den 14 – 19-Jährigen sind. Ähnlich – in weniger drastischen Schritten jedoch – sieht das Verhältnis bei den Features ‘Chat’, ‘Videos ansehen’, ‘Nutzung von Community-Portalen’ und der ‘Nutzung von Podcast’ aus. Die junge Zielgruppe kann sich also vor allem für Bewegtbilder, Chats, Communities und Podcasts begeistern. In allen Altersschichten gleichermaßen beliebt sind hingegen “seriösere” Features wie Testberichte und Bewertungen oder Lexikon-Artikel. Hier bleibt die Nutzung durch alle Altersschichten annähernd konstant!”

  10. schulte-web.com » Blog Archive » Lasst mal die “Jungen” ran schrieb:

    [...] Verteilung von Wissen (Ältere vermitteln es an Jüngere) auf den Kopf zu stellen. 41% der aller Weblogs in Deutschland sollen übrigens von Leuten zwischen 14 und 19 Jahren [...]

  11. bernetblog.ch » Blog Archiv » Jugendliche Blogautoren - habe ich was verpasst? schrieb:

    [...] Diese Jugendlichen sollen mit Blogs das “Web 2.0″ füttern und am Leben erhalten, heisst es. [...]

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