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Mord in Facebook

von Reto Hartinger

Wer bist Du? Das sagt Dir eine Suche in Google mit Deinem Namen oder Dein Profil in XING, Linkedin oder auch immer mehr in Facebook. Nein das sind keine Spielerein mehr. Für viele Nutzer von Sozialen Netzwerken geht es um mehr als nur ein Datenfriedhof – es ist die Selbstdarstellung um zu einem neuen Job oder einem Auftragzu kommen. Es geht darum das private und geschäftliche Beziehungsnetz zu pflegen. Man ist was das Profil hergibt – Punkt. Profile sind elektronische Persönlichkeiten – von real existierenden Menchen.

Was sind sie für den Betreiber von Sozialen Netzwerken? Ein ausgefülltes Formular. Eine monatliche Einnahmequelle. Usergenerierter Content etc. Sie sind aber auch Gefahrenquellen. Profile können missbraucht oder bespammt werden. Sie haben vor allem eines nicht: einen persönlichen Wert – sie gehören zu einem Algorithmus z.B. um profilbasierte Werbungen einzublenden oder um Spam herauszufiltern. Weil sich die SPAM und anderen Angriffe immer wieder ändern, ändern sich auch die Spielregeln immer wieder – ohne dass dies bemerkt wird. So wichtig ein Profil für den Einzelnen ist, so unwichtig ist das einzelne Profil für den Betreiber.

So lese ich eines Morgens beim Besuch meines Facebook Profils:

Your account has been disabled by an administrator. If you have any questions or concerns, you can visit our FAQ page here.

Hä? Gegen welche Regel habe ich verstossen? Zugegeben, ich habe nie irgendeine Allgemeinen Nutzungs-Bedingung gelesen – wie wohl 99 % der anderen Facebook Nutzer auch. Mich trifft es nicht so hart wie es meinen Sohn treffen würde. Jetzt werde ich einfach nicht mehr zu, mir zwar sehr ans Herz gewachsenen, Parties eingeladen. Ich sehe das persönliche Befinden einiger Freunde nicht mehr. Mein Sohn hat alle seine über die ganze Welt verteilten Schulfreunde wieder gefunden, spricht mit ihnen via Facebook und hat regen Kontakt zu vielen Personen. Ich habe weniger Zeit investiert – hatte wohl knapp 100 Kontakte. Schlimmer wäre es, wenn mein Profil auf XING verschwände. Ja man kann es Mord nennen, wenn seine Identität – wenn das elektronische Leben – ausgelöscht wird.

Gibt es ein Recht auf Existenz im Internet? Ich habe in mein Profil in XING wahrscheinlich mehr als 1000 Stunden investiert und wohl noch mehr Zeit auf XING verbracht. Damit habe ich XING oder Facebook oder wie sie immer heissen sollen, Werte generiert. Jetzt hat mich der Facebook Algorithmus getötet. Wann folgt der XING Tod? Rechtlich habe ich keine Chance – ich bin einen Vertrag eingegangen. Mit meiner Geburt bin ich kein Vertragsverhältnis zum Staat eingegangen, aber per Gesetz habe ich Rechte und Pflichten erhalten. Meine Integrität und meine Persönlichkeit werden geschützt. Facebook verwehrt mir das – mit einer simplen Mitteilung. Durchsage der Leitstelle quasi – persönlich – für mich.

Was meint ihr über das Recht auf Existenz im Internet? Wenn sich das Leben immer mehr ins Internet verschiebt, braucht es vielleicht mehr als nur ein schwammiges Vertragsrecht. Identitätsklau wird immer härter bestraft – wie steht es mit dem Identitätsverlust? Es gibt kein Anspruch auf “Existenz” im Internet – oder doch?


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13 Kommentare zu “Mord in Facebook”

  1. Thomas schrieb:

    Interessant. Aber wieso wurde das Profil denn gelöscht?

  2. Reto Hartinger schrieb:

    ich weiss es wirklich nicht – facebook macht auch keine angaben dazu sondern verweist einfach auf ein Q/A, welches auch nichts aussagt.

    Ein Fehler kann ich mir nicht einmal vorstellen.

  3. Rafael schrieb:

    Wahrscheinlich hast Du einem Local-Admin die Mitgliedschaft im Club verwehrt :-).

  4. Markus schrieb:

    Kann ich mir kaum vorstellen. Für viele ist Facebook ein riesen Marketingchannel geworden und einen Ausschluss hätte sehr grosse Konsequenzen..
    Für das Abklären wie das passieren kann, wäre ich dir dankbar.

  5. Reto Hartinger schrieb:

    Hallo Markus – an wen soll ich mich in welcher Sprache wie wenden? Ich kann Englisch – viele werden es nicht können. Aber so ziemlich jeder wird wohl vergeblich auf eine Antwort warten.

    Lets face it – es gibt kein Recht auf Existenz in Facebook oder einem anderen Netzwerk.

    Es gibt keine stabilen Regeln, an die sich Nutzer halten können.

    Wie Du es sagst, das kann zu einem grossen Problem führen.

  6. Markus schrieb:

    Danke für Deine Antwort. Interessant! Ich werde mal googlen vielleicht gibt es ja eine Erklärung.

  7. Reto Hartinger schrieb:

    ja und jetzt hat Facebook auch noch einen US Promi ermordet. Ich lese bei Andreas Göldis Blog

    Das scheint allerdings nicht für Facebook zu gelten. Das Social-Network-Startup hält die Kadenz seiner Fehltritte auch im neuen Jahr hoch: Nach allerlei Skandälchen hinsichtlich der neuen Werbeformen auf Facebook noch in den letzten Wochen hat sich Mark Zuckerbergs Firma heute erfolgreich damit blamiert, A-List-Blogger Robert Scoble von der Website zu verbannen. Die ganze amerikanische Blogosphäre ist in Aufruhr, und natürlich gibt es auch schon die eine oder andere “Rettet Scoble”-Supportgruppe — auf Facebook, versteht sich……
    Eine Verletzung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen sei das, teilte man Scoble per automatisch generierter Standardmail mit.

    Genau dieser Automatismus ist erstaunlich. Wohl gerade Facebook sollte wohl wissen, dass Online-Communities empfindliche Gebilde sind und Meinungsführer wie Scoble einen aussergewöhnlichen Einfluss haben. Ausgerechnet eine solche High-Profile-Person per Roboter abmahnen zu lassen, würde besser zu einem gehirntoten Telekommunikationskonzern passen als zu einem hippen Web-2.0-Startup.

    Was habe ich gesagt – tja

  8. Thomas schrieb:

    http://www.techcrunch.com/2008/01/03/scoble-blocked-from-facebook/

  9. Reto Hartinger schrieb:

    Danke Thomas für den Link. Im Falle Scoble kann ich Facebook sogar verstehen – diese Art Aktivität – wie im Mail beschrieben – könnte auch eine SPAM-Aktivität enthalten. Dies wird durch ein Programm geblockt. Aber um Himmels Willen was soll ich schon gemacht haben. Ich brauche Facebook fast nicht.

    Es zeigt aber, dass auch Scoble sich nicht bewusst war, dass er einen möglichen Fehler begeht – wie auch? Wäre er nicht bekannt, hätte man nur ein Lächeln für ihn übrig.

    Wer weiss – vielleicht muss auch er ein neues Account errichten und die ganze Arbeit die er in Facebook gesteckt hat ist dahin.

  10. Thomas schrieb:

    nö :-)
    http://scobleizer.com/2008/01/03/facebook-lets-me-back-in/

    aber ich kann mir immer noch nicht vorstellen, dass du einfach so ausgeschlossen ‘gekillt’ wurdest. falls dies der fall wäre, bekäme fb langsam aber sicher ein microsoft image ;-)

  11. Janic Büchel schrieb:

    Hi Zusammen!

    Genau das oben beschriebene ist mir heute Abend auch passiert… Wohl aus dem selben Grund wie bei R. Hartinger.

    Am Anfang meiner Facebook-Aktivität ist bie mir immer eine Meldung erschienen ich solle mich bei irgendeinem Network bestätigen lassen. Da ich nicht verstanden habe worum es sich handelt, hab ich die Notification einfach ignoriert. Heute abend lese ich nun -nachdem ich genau wie ihr Sohn, einige Stunden in fb investiert habe- die Nutzungsbestimmungen würden sagen, dass nur wer studiere oder eine weiterführende Schule besuche ein Recht auf ein fb-Konto hätten. Da bei mir letzteres zutrifft hätten sie mich nicht einfach löschen dürfen… Doch die Nutzungsbestimmung:

    Beendigung
    Das Unternehmen kann jederzeit nach eigenem Ermessen, ohne Ankündigung und ohne Angabe von Gründen deine Mitgliedschaft kündigen, dein Profil löschen und alle Inhalte oder Informationen löschen, die du auf der Site oder über eine Plattformanwendung gepostet hast, und/oder dir die Verwendung oder den Zugriff auf den Service oder die Site oder auf Plattformanwendungen (oder einen Teil, Aspekt oder ein Feature des Services oder der Site oder der Plattformanwendungen) untersagen. Dies gilt auch, wenn es der Meinung ist, dass du jünger als 13 Jahre bist oder dass du jünger als 18 Jahre bist und dich nicht an einer weiterführenden Schule oder im Studium befindest. Wenn wir eine Information über den Tod eines Benutzers erhalten, werden wir, obwohl wir nicht dazu verpflichtet sind, das Konto des betreffenden Benutzers für einen von uns definierten Zeitraum in einem speziellen Gedenkstatus aktiv lassen, um anderen Benutzern die Möglichkeit zur Abgabe und Einsichtnahme von Kommentaren zu geben.

    ist da wohl anderer Meinung…

    Die Frage was man dagegen tun könnte drängt sich nun auf… Eine eigene Community gründen? Wohl kaum. Da träffe schon eher zu auf die -hoffentlich bald- wohl gesinnten fb-Götter zu vertrauen…;-(

  12. markus schrieb:

    vertrauen in zuckerberg?

  13. markus schrieb:

    vertrauen in zuckerberg?
    -> http://www.faz.net/s/RubE2C6E0BCC2F04DD787CDC274993E94C1/Doc~ED1A4A026F18143CDA7C10E8405331540~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_aktuell

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