Help Wanted: Warum scheitern Projekte?
Ich brauche Eure Hilfe: Ich bereite einen Vortrag zum Thema, “Warum Projekte scheitern und wie man es verhindert.”
Einer meiner Lieblingsaufgaben aus meiner Scrum-Training war die Uebung, alle Möglichkeiten aufzulisten, wie man ein Projekt zum scheitern bringt. Und so möchte einen Liste erstellen, die in der Erfahrung von vielen Leute gegrundet ist.
Meine Bitte: Einen kurzen kommentar schreiben, mit Euren Kandidaten (oder noch besser, die Geschichte einer “Lieblingskatastrophe” erzählen).
So bald ich genügend Kandidaten habe, werde ich einen Poll aufsetzen, damit wir abstimmen können, was sind wirklich die Top-Super-GAU-Verursachern.
Selbstversändlich werde ich die Ergebnisse hier veröffentlichen.
Vielen Dank im voraus.
Peter
P.S. Ich werde meine Kandidaten auch noch bekannt geben, nachdem etwas Feedback hier vorliegt. Ich will ja die Ergebnisse nicht beeinflussen.
P.P.S – wer wie ich lieber auf englisch schreibt, kann die gleiche Frage auf meinem Blog beantworten. Ergebnisse werden konsolidiert.


Daniel Niklaus schrieb:
Mit über 400 umgesetzten Internetprojekten in den letzten 13 Jahren, kann ich (leider) von manch einem gescheiterten Projekte erzählen.
Die involvierten Personen und die daraus resultierende Gruppendynamik ist aus meiner Sicht der Hauptgrund Nr. 1, ob ein Projekt erfolgreich zum Ziel gelangt oder scheitert.
Du kannst das beste Planungssystem haben, es wirkt erst, wenn es gelebt wird – sonst verpufft es. Und du kannst kein Planungssystem haben, aber Leute die gut zusammenarbeiten bringen das Teil zum Fliegen.
Nimm einen intelligenten Erfinder und stecke ihn mit einem umsetzungsorientierten Programmierer zusammen und du hast ein Traumpaar. Nimm denselben intelligenten Erfinder und stecke ihn mit einem anderen intelligenten Erfinder zusammen. Anstatt das Projekt voranzutreiben, werden sie sich gegenseitig beweisen, warum die Idee des anderen nicht funktioniert.
Scheitern Projekte oder Ziele?
Auch habe ich gelernt, dass oft nicht das Projekt, sondern Ziele scheitern. Projekte die länger dauern, sind keine zwangsläufig gescheiterten Projekte. Wenn man sie durchzieht und am Schluss steht eine Applikation an der alle Freude haben, war womöglich die Zielsetzung in Bezug auf Leistung, Preis oder Zeit utopisch.
Kommentiert am 01-Apr-08 um 10:27 pm | Permalink
Reto Hartinger schrieb:
Das habe ich erlebt
- Uneinigkeit bei den Projektownern
- sinken des Projektes in der Prioritätsliste der Owner
- Nur B und C Leute auf dem Projekt
Die drei Gründe können gekoppelt sein. Meist zieht einfach ein Problem die anderen nach. Man ist sich zu beginn schon nicht richtig enig – die Vision stimmt nicht überein. Dann sinkt die das Projekt in der Priorität und man lässt es so lange hängen bis es nicht mehr hochkommt. Es werden keine Ressourcen mehr reingesteckt – der oder die Programmierer werden beginnen die Motivation zu verlieren.
Ausganspunkt des Problems kann das Sinken in der Prioritätsliste sein. Man hat gedacht, dass der Dienst der Bringer wird – stellt sich heraus, dass das wohl nicht so sein wird. Es folgt oben.
Oder aus Mangel an Leuten wird das gute Ding von B und C Leuten entwickelt. Kommt einfach nicht richtig in Fahrt. Es folgen die oben genannten Punkte.
Kommentiert am 02-Apr-08 um 2:30 pm | Permalink
Gert Christen schrieb:
Ich unterrichte seit 5 Jahren Projektmanagement an der FH Zuerich. Dabei gebe ich den Studenten folgende “Ratschlaege” zum Scheitern von Projekten mit auf den Weg:
1. Die meisten Projekte gehen gleich am Anfang schief! Keine Planung, sondern sich sofort in die „richtigeArbeit“ stuerzen
2. Keine Fortschrittskontrolle. Baseline Projektplan beim Start erarbeiten und immer wieder damit Vergleichen bei Problemen.
3. Kein Support durch Management
4. Falsche / zu hohe Erwartungen. “Let‘s go do the impossible”
5. Langsames Entscheiden durch Projektleiter. Zu langes Tolerieren persoenlicher Konflikte, zu langes Tolerieren von Team Mitgliedern, die nicht voll mitmachen.
Ebenfalls zu beachten waehrend des Projektes:
Einiges wird nur noch schlimmer, nie besser:
- Verspaetungen –> Sofort anpacken &
Fokus auf Auswirkungen (Kritischer Pfad, Baseline)
- Persoenliche Konflikte. Leiter beobachtet & bietet Unterstuetzung. Beherztes Eingreifen wenn Auswirkungen auf Zeitplan, Qualitaet, oder bei Beschwerden anderer Teammembers.
- Mitglieder mit mangelnder Leistung: Kein Zaudern …. sie ziehen das ganze Team herunter.
- Kritisch fuer Erfolg: „Helikopter“ Blick des Projektleiters bewahren; das kann nicht von den Team Mitgliedern erwartet werden, sie brauchen den Projektleiter dazu.
Die Studenten loesen unter Zeitdruck einen Fall aus der Wirtschaft. Dies sind Learnings der Studenten, die sich mit meiner Erfahrung in Projekten deckt:
- Gute Team Athmosphaere = bessere Leistung
- Pausen erhoehen Effiziens (Team Event, Mahlzeiten)
- Gute Vorbereitung & Recherchen spart Zeit im Projekt
- Think first; act later
- Visualisieren foerdert die Kreativitaet
- Team work = Arbeit aufteilen & sich auf einander verlassen
- Emotionen kontrollieren
- Puffer einplanen
- Prioritaeten setzen – don’t sweat the small stuff
- Sofort Hilfe verlangen, wenn ich nicht weiterkomme
- Meilensteine kuerzer setzen bei Problemen
- Mehr Fragen stellen … auch an den Kunden
- PL Kommunikation: Ein Ziel fuer jeden Tag setzen
Gute Initiative! Ich freu mich auf die Resultate der Umfrage. Gert
Kommentiert am 02-Apr-08 um 10:05 pm | Permalink
Urs Aebischer schrieb:
Ein Projekt kann noch so perfekt durchgeführt sein – es scheitert, wenn es am Markt nicht ankommt, d.h. wenn der Zielkunde es nicht akzeptiert. Meistens wird bei der Projektentwicklung zuwenig Zeit in in Zielkundenuntersuchung gesteckt, weil sich die Projektowners sicher sind, dass das entsprechende Zielkundenbedürfnis entsprechenden ihren bestehenden Vorstellungen existiert. Sorry für den zu kurzen Input … ist auch nur ein Denkansatz … frag mich einfach, wenn du mehr davon hören möchtest … Urs
Kommentiert am 02-Apr-08 um 10:45 pm | Permalink
Mike Schwarz schrieb:
wir haben meistens kleinere kmu projekte, budgetrahmen 5′000 – 10′000
wir haben selten ein probjekt welches komplett scheitert. die meisten projekte ziehen sich einfach in die länge oder überschreiten budgets, trotz festlegung und schriftlich festgehaltenen meilensteine. der hauptgrund dafür ist:
- kunde hat keine vorstellungen, was er überhaupt möchte und ist nicht bereit, geld in die phase “vorabklärungen” zu stecken. das wunschkonzert startet erst, wenn der kunde sieht, was er mit uns umsetzen könnte
- aus obigen grunde gehen dann auch meistens sämtliche budgets oder kostendach definitionen flöten
dank laufender und ehrlicher offener kommunikation gegenüber dem kunden, spielt sich das aber im erträglichen rahmen ab.
Kommentiert am 03-Apr-08 um 7:27 am | Permalink
milko van rijn schrieb:
hier die grössten herausforderungen aus meiner sicht:
1. fehlende akzeptanz bei den direkt betroffenen des changes aufgrund von a) fehlendes commitment in der planungsphase b) fehlender kompetenzaufbau c) fehlende identifikation mit dem zielzustand d) verlustangst des ist-zustands e) bequemlichkeit
2. fehlende anpassung der zuliefernden prozesse
3. unrealistisch gesetzte zielsetzungen unter den gegebenen zeit- und budgetvorgaben aufgrund von mangelhaftem einfluss der fachspezialisten (stretch goals)
4. mangelnder fokus auf die unternehmens- und teamkultur bei einschneidenden change-projekten
Kommentiert am 03-Apr-08 um 7:50 am | Permalink
Martin Abele schrieb:
Hier ein paar Muster aus meiner Erfahrung:
* Den Mitarbeitern des Kunden fehlt die Zeit, das Know-how und die Erfahrung um das Projekt erfolgreich zu leiten
* Kunde und Lieferant, respektive Business und IT, haben unterschiedliche Betrachtungsebenen, was zu Kommunikationsproblemen führt
* Geschäftsprozesse und IT-Systeme werden nicht optimal aufeinander abgestimmt
* Der Anforderungsanalyse wird zu wenig Bedeutung beigemessen und die Methodik für eine professionelle Gewinnung der Anforderungen ist nicht bekannt
* Umfang und Abnahmekriterien für das System werden nicht genügend genau (messbar) festgelegt
* Bereiche mit hohen Risiken werden bis zum Schluss aufgeschoben
* Die Lernkurve von Kunde und Lieferant, respektive Business und IT, wird nicht berücksichtigt – es gibt kein Budget für Änderungen
* Benutzerschulung sowie Benutzer- und System-Dokumentation wird vernachlässigt
Kommentiert am 04-Apr-08 um 5:40 pm | Permalink
Gattiker Stephanie schrieb:
Hallo Zusammen
Klar einer der Haupthemblöcke sind die verantwortlichen Personen, die sich eben nicht dafür verantwortlich fühlen, weil für sie das internet priorität 10 hat. Oder genau das gegenteil das zuviele Leute ihre Meinung kundtun und das Projekt so gestoppt wird.
Die gute Planung kommt meistens von uns, aber die Durchführung ist das schwierige. Fehlende Durchsetzungskraft, nicht der Projektverantwortlichen, sondern weil zuwenig Verantwortung und Entscheidungskraft von ganz oben bewilligt wird.
Von der Agenturseite ist meistens die Zeitplanung schlecht und wir fungieren als Sklaventreiber.
Kommentiert am 08-Apr-08 um 10:21 am | Permalink
Verena Irene Wimmer schrieb:
Es wird immer wieder vergessen, dass das Beziehnungsnetz und das Netzwerk wie eine Familie gepflegt werden soll. Was heisst das? Das Risiko eines Kindes in Form eines Menschen oder einer Unternehmung besteht darin, dass man damit leben soll und muss und sonst die Kraft für die Entwicklung fehlt. Das Magische Dreieck muss stehen. Wie es gewählt wird ist egal. Wichtig ist, dass man erkennt wo es ist und wie es beschaffen ist. Ein Haus ohne “Hausgeist” im übertragenen Sinne lebt nicht sonder zerfällt und kann sich nicht erneuern und wird die neuen Bewohner abhalten oder das Wohlbefinden stören.
Wer mich kennt, soll mir doch ein E-Mail schreiben. Warum? Befasse mich sehr gerne mit menschlichen Wundern und bin überzeugt, dass die Beziehung uns als Lebenshilfe ernorm nützt und wir diese Quelle für alle unsere Aktionen anzapfen sollen. Diesbezüglich wird auch die Existenz angeschaut und wer wenig hat bekommt von dem der mehr hat. Das Teilen ist ein wichtiger Aspekt und muss gelernt werden. Ich als Einzelkind habe das nicht automatisch gelernt. Zudem bin ich von Natur aus sehr auf mich bezogen. Jetzt habe ich gelernt zu geben, weil ich erkannt habe, dass der Erfolg nur mit den richtigen Personen, einem gemeinsamen Ziel, in einem machbaren Umfeld. Bitte, noch einmal. Es ist wichtig, dass wir kommunizieren und uns treffen, das fördert das magische Dreieck in all unseren Aktionen und Ideen.
Kommentiert am 16-Jan-09 um 9:53 am | Permalink