Mit Zero Marketing zum Erfolg
Weniger als 10 Jahre hat Google gebraucht um Coca-Cola , General Electrics, Microsoft & Co hinter sich zu lassen und letztes Jahr zur wertvollsten Marke zu werden und dies dieses Jahr zu bestätigen.
Jetzt müsste ich eigentlich alle Bücher über Markenbildung und Markenpflege fortwerfen, denn Google hat das Kunsstück fertig gebracht ohne sich um 4 Ps zu kümmern oder Werbung zu schalten. Nein, nicht einmal PR haben sie nach Lehrbuch richtig gemacht. Als vor 4 Jahren Oskar Grübel an einer Kundentagung meinte, dass das Zeitalter der Markenfirmen passé ist, haben einige den Kopf geschüttelt. Er meinte mit dem Aufkommen des Internets werden Marken weniger wichtig. Was versteht ein Banker schon von Marketing – haben ihm fast alle weise lächelnd verziehen. Er meinte noch, dass Suchmaschinen – nein Google hat er nicht explizit erwähnt aber gemeint – eine grosse Zukunft hätten.
Ticken die Uhren im Internet einfach anders? Lässt sich auch für ein physisches Produkt das Zero-Marketing anwenden? Ich glaube nicht. So einfach lässt sich Internetweisheit nicht in die Offlinewelt übertragen. Einfach das beste Produkt genügt dort nicht, wo es eine physische Distribution braucht. Bestes Beispiel ist Microsoft – hatten nie das beste Produkt. Im Netz stinken sie gegen Google ab, im Offlinemarkt kann sie niemand schlagen. Man muss schon einen Brand haben um überhaupt in die Regale zu kommen und dann noch bei den Verkäufern Top of Mind sein, damit sie das Produkt auch empfehlen. Anders im Internet, wo es keine Intermediäre gibt (mal abgesehen von den Suchmaschinen, die einem den Traffic bzw. die Kunden bringen). Im Internet findet das Markenerlebnis mit dem Produkt unmittelbar beim Gebrauch statt. Deshalb ist es wichtig, das einfachste Produkt zu haben. Wer also im Internet ins Produkt investiert, wird siegen. Das macht es für normale Marketiers so schwierig, denn sie haben bei physischen Produkten praktisch keinen Einfluss auf das Produkt selber – nur dessen Präsentation, Vermarktung und Positionierung.
Was meint ihr, wo die Unterschiede im erfolgreichen Marketing bestehen?



Daniel Niklaus schrieb:
Völlig falsche Voraussetzungen für einen solchen Vergleich.
Microsoft wurde ebenfalls “ohne” Marketing zur Nr. 1. Es war der Aufstieg der PC Industrie und das richtige Pferd (IBM) welches MS an die Spitze katapultierte.
Genauso ist es mit Google. Nicht Google ermöglichte einer Suchmaschine X zur erfolgreichsten Marke zu werden. Es war der grosse Erfolg des Internets und damit der Bedarf nach einer Suchmaschine, welche diese Türe erst öffnete. Das Google heute die Nr. 1 Position inne hat, verdanken sie wohl mehr den Fehlern von Altavista…
Womit ich nicht den Erfolg von Google schmälern will. Die haben das bewundernswert gut gemacht.
Der Erfolg von Google in einer jungen Branche ist nicht mit dem einer Coca Cola in einer reifen Branche zu vergleichen.
Kommentiert am 04-Mai-08 um 3:21 pm | Permalink
Reto Hartinger schrieb:
Ich möchte nur darstellen, dass das Marketing für Internetsites anscheinend anders funktioniert als bei Offlineprodukten – egal ob es eine Internetseite zur wertvollsten Marke schafft oder nicht.
ok – die Erkenntniss aus Deinen Ueberlegungen wäre also, dass bei einem Wachstumsmarkt das Produkt die entscheidende Rolle spielt und weniger die Werbemassnahmen. Wieso nur dort? Wenn ein Produkt viel besser ist als andere müsste es sich überall durchsetzen – egal ob der Markt gesättigt oder am wachsen ist. Aber auch bei wachsenden oder jungen Märkten hat sich das nicht als richtig erwiesen sonst hätte VHS als System nicht gesiegt. Es ist so, dass die 4 Ps im Internet anders funktionieren. Z.B das P Preis. Gratiser als gratis kann kein Internet Dienst werden. Also ergibt sich hier schon einmal kein Unterscheidungsmerkmal. Dann hätten wir noch Place – das wäre der URL, der ist anscheinend auch nicht entscheidend – in manchen Ländern lässt sich google und yahoo nicht aussprechen. Wenn Place eine wichtige Rolle spielen würde, dann müsste search.com der Platzhirsch sein.
Und wieso kann gerade Microsoft mit viel schwächeren Produkten die Konkurrenz immer wieder schlagen? Neue Märkte wachsen insgesamt für alle Marktteilnehmer gleich schnell – nur schneidet der eine ein grösseres Stück vom Kuchen ab als der andere. Es wäre keinem der Suchmaschinen-Konkurrenten gelungen die No1 Position zu erklimmen – trotz Internet Boom. Den Einnahmeboom hat ja erst Google ermöglicht. Google hat auch Suche erst zu dem gemacht was Suche heute ist. Und das ist, wenn wir die 4 Ps anschauchen – das P Produkt und einzig das Produkt.
Kommentiert am 04-Mai-08 um 5:28 pm | Permalink
Daniel Niklaus schrieb:
Jetzt müssen wir ein wenig auseinander dividieren.
In der Schweiz gibt es wohl keinen der besser als du weiss, dass tel.search.ch immer die schlechteren Daten als Directories hatte. Auch war die Suchmaschine eine Zeitlang grottenschlecht und dennoch kamen Monat für Monat mehr Besucher auf die Webseite.
Dieser Zulauf habt ihr aus meiner Sicht zwei Dingen zu verdanken. Im Gegensatz zu Directories hatte search.ch zu keinem Zeitpunkt ein Mutterproblem, musste also nie darum bangen, dass klassische Produkt zu kannibalisieren – ihr konntet jeden „Deal“ eingehen, der das Produkt besser im Markt platzierte. Gleichzeitig war das Telefonbuch einer der zentralen Treiber im Erfolgsgeschäft von search.ch gewesen. 1999 hatte wohl jedes zweite Intranet in der Schweiz einen Direktlink zu tel.search.ch gesetzt. Und da die Nutzerzahlen stetig stiegen, seid ihr auch entsprechend gewachsen – auch „ohne“ Marketing.
Wer einmal in einer guten Position ist und danach möglichst wenig strategische Fehler begeht, profitiert überproportional vom Aufschwung.
Behauptung: Altavista wurde mehrfach verkauft. Die ständigen strategischen Neuasrichtungen und der Weg zum Portal alla Yahoo! eröffnete erst google die Möglichkeit in diese lukrative strategische Position für Suchmaschinen zu kommen (die google Gründer boten ihre Technologie ja vor dem Start den Altavista Boys an…)
Microsoft und die schlechteren Produkten
Natürlich hatte Microsoft immer die schlechteren Produkte (bis 2001), aber sie waren in der deutlich besten strategischen Position. Apple, Atari, Commodore erstellten und vermarkteten eigenständig die Hardware und das Betriebssystem. Microsoft war dagegen „nur“ das Betriebssystem. Aber ein Betriebssystem dass von IBM international und auf lokalen Märkten von starken Firmen wie Siemens, Nixdorf, Fujitsu, Olivetti & Co. vertrieben wurde. Gegen diese Übermacht an Ressourcen hatten die traditionellen Anbieter keine Chance. Und da im Büro nicht „Spielereien“ gefragt waren, sondern Geschäftssoftware, zuverlässiger Service und eine professionelle Infrastruktur gewann Microsoft.
Obschon man nie mehrere Antworten in einem Beitrag geben sollte, noch ein letztes Wort zu search.com.
Wenn wir eines gelernt haben; generische Namen verlieren. Search.ch ist besser als suche.ch. amazon.com besser als books.com. ricardo.ch besser als versteigerung.ch. Eben genau weil der Name zählt. Ein Name den man besetzen und mit einer Bedeutung aufladen kann, funktioniert einfach besser, als ein Name unter dem man sich alles & nichts vorstellt.
Und wie wird ein Name aufgeladen? Am Anfang mit Mund zu Mund Propaganda und über die Presse. Womit ich deiner Behauptung von Zero-Marketing widerspreche: Google hatte mehr Presse und mehr Mund zu Mund Propaganda als jeder andere Suchdienst.
Kommentiert am 04-Mai-08 um 8:47 pm | Permalink
Daniel Niklaus schrieb:
Gratiser als gratis kann kein Internet Dienst werden
Was meinst du zur Überlegung: Der Preis für eine Suchmaschine ist nicht Geld, sondern die Zeit die du aufwenden musst, um zum gewünschten Resultat zu kommen.
Kommentiert am 04-Mai-08 um 9:32 pm | Permalink
Reto Hartinger schrieb:
Ich kann dir nicht einfach so widersprechen – du hast in vielem Recht. Das mit tel.search.ch gegen directories ist eine andere Internetweisheit: Dienst gewinnt gegen Inhalt. Guter Inhalt ist schlecht, wenn er nicht gut zugänglich ist. Dann gewinnt schlechter Inhalt der gut zugänglich ist. Das war immer das Problem von Directories. Eine sehr gute Newsagregation oder ein sehr gutes Newsarchiv gewinnt gegen Newsdienst (obwohl gerade hier eigentlich der Newsdienst gewinnen könnte).
Man hat zur Zeit von Altavista eigentlich geglaubt, dass Suche gut gelöst war. Zudem gabs mit Yahoo eigentlich einen sehr guten Katalog mit guten Resultaten (aber “Masse” mit schelchten Ergebnissen – Suchmaschine – gewinnt vor “Wenig” mit Qualität – Katalog, obwohl bei beiden nur die ersten 10 Treffer angesehen werden. Niemand möchte etwas verpassen)
Kommentiert am 04-Mai-08 um 10:19 pm | Permalink