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Das Märchen vom Long Tail

von Daniel Niklaus

2004 kam der US-Journalist Chris Anderson auf die glorreiche Idee, die Wirtschaft auf den Kopf zu stellen. Er erfand den Long Tail. Dank dem Internet könne man ab sofort mit Nischenprodukten mehr Geld verdienen als mit wenigen Blockbustern.

Die Zukunft insbesondere der Medien- und Unterhaltungsindustrie liege in der breiten Befeuerung von Nischenmärkten, während die Konzentration auf Mainstream und Megaseller eine Strategie von gestern sei.

Die Idee ist bestechend. Die Blogger der Welt schwärmen. Und sie hat prominente Fürsprecher wie Google-CEO Eric Schmidt. Er bezeichnet die Idee des Long Tail als “brillant“. Und es fällt einem auch sofort AdSense ein, wo Google mit vielen 100′000en von fremden Sites Geld verdient. Jede einzelne Site zu klein für grosse Einnahmen, aber Kleinvieh macht auch Mist. Und bei Google sind das 1.66 Milliarden Dollar in drei Monaten. Trotzdem will mir die Idee einfach nicht in den Kopf.

Ich selbst komme aus dem Detailhandel. Als ich mich mit einem modernen Tante-Emma-Laden 1993 selbständig machte – Videos, CD’s, Computer und Computergames – machte ich ganz andere Erfahrungen. Für die Vermietung von Videos hätten 500 Filme gereicht. Ich musste nur noch 2′500 weitere Videos haben, damit die Leute das Gefühl von einer “echten” Videothek” hatten. 80% der Filme spielten nie ihre Kosten ein (zum normalen Preis). Und neue Filme vermieteten sich gerade einmal 6 Monate, danach war Schluss. Bei den Musik-CD’s dasselbe Bild. Geld verdiente ich nur mit den besten CD’s. Also mit all denen, die im Radio rauf und runter gespielt wurden. Der Rest war für die Füxe. Und bei den Computern brauchte ich auch keine 2′000 Teile an Lager zu haben. Verkauft hat sich nur das Neuste.

Aber eben – Blockbuster war das Geschäft von Gestern. Sicher? Google erwirtschaftet auf der eigenen Website 3.53 Milliarden Dollar. Das ist mehr als doppelt so viel, wie über die AdSense Partner. Auf der eigenen Website – also auf der Blockbuster Website – kann Google das gesamte Geld für sich behalten. Bei den Partner muss Google die Einnahmen teilen. Und ich schätze, etwa 70% der Einnahmen wird Google mit 10% der Schlüsselwörter machen.

Aber – der Long Tail muss funktionieren
Bei Wikipedia wird besonders auf den Erfolg des Long Tail bei Musik- und Bücherverkauf hingewiesen. Also ist Google eine Ausnahme oder kein Medienprodukt. Doch halt! Im Harvard Business Manager fand ich den Artikel das Märchen vom Long Tail. Anita Elberse stellte die Blockbuster-Theorie dem Long-Tail gegenüber. Sie verwendete dazu den Nielsen VideoScan und Nielsen SoundScan und griff sich die Umsätze vom Videodienst Quickflix und dem Musikportal Rhapsody heraus. Sie konnte eine riesige Datenmenge überprüfen und stellte die Frage; wie sieht die Nachfrage aus, wenn das Angebot enorm gross und einfach zu durchsuchen ist? Werden mehr Blockbuster oder ausgefallene Titel konsumiert?

Beim Musikdienst Rhapsody konnten 60′000 Abonnenten aus über einer Million Songs auswählen und gaben eine klare Antwort. Innerhalb von drei Monaten hörten die Abonnenten mehr als 32 Millionen Songs. Das meist gehörte Prozent der Songs war für über 10 Millionen Songs verantwortlich. Im Klartext. 1% der Songs machte also 32% der Abspielvorgänge aus. 10% der Songs waren für 78 Prozent aller Abspielvorgänge verantwortlich. Das ist wie, wenn Sie eine CD kaufen. 15 Songs sind dabei, regelmässig hören, tun Sie aber nur zwei.

Beim DVD-Verleih Quickflix sah das Bild ähnlich aus. 16′000 Titel standen zur Verfügung. Knapp die Hälfte mietete nur aus einem Fundus von 1′600 Filmen. Rund 150 Titel waren verantwortlich für 18 Prozent des Umsatzes. Hollywood produziert rund 150 Titel pro Jahr. Offensichtlich hat sich in den letzten 15 Jahren seit meiner Videothek in Teufen bis heute nichts geändert.

Schauen Sie einmal in Ihre Webstatistiken
Mit 20% Ihrer Webseiten bedienen Sie wahrscheinlich 80% der Besucher. Wenn Sie bei Youtube Erfolg haben wollen, sollten Sie schnellstmöglich auf eine “Most Viewed” Liste kommen. Dasselbe Bild bei der Google Suche. Wenn Sie nicht ganz weit oben sind…gehen Sie vergessen. Wir Menschen lieben Blockbuster. Was andere für gut halten, beurteilen wir in der Regel besser. Zumindest hören wir eher von einem Blockbuster.

Warum schwärmen dann Google, Ebay und Amazon vom Long Tail?
Werfen Sie einen Blick darauf, wie die drei den Long Tail nutzen. Google bezahlt keinen Franken für einen AdSens-Partner. Erst wenn Gewinn anfällt, teilen Sie diesen. Dasselbe Bild bei Ebay. 100′000′000 Angebote; bezahlt wird erst, wenn jemand verkauft und auch Amazon hält die besten Bücher selbst vorrätig. Nur die selten gesuchten und alten Bücher, werden vorwiegend über Amazon Marketplace verkauft.

2006 investierte der Verlag Hyperion Books eine enorme Summe in einen Wirtschaftstitel, weil sie glaubten, damit grosses Geld zu verdienen. Die hohen Erwartungen erfüllt sich. Ein richtiger Blockbuster. Der Titel: The Long Tail – Der lange Schwanz

Bewertung von Start-ups

von Reto Hartinger

Heute erhalte ich folgendes Mail:

wie hoch ist ein Statup zu bewerten, dass einen sehr ausgereiften Papierprototypen, Business Plan, gutes Team, 3 Pilotkunden hat. 
Mit 0 CHF, 100.000 CHF oder mehr?

Schwierige Frage und doch leicht zu beantworten. In der Schweiz ist es in jedem Kanton verschieden. Spass beiseite – es kommt vor allem auf die Marktgrösse an. In einem kleinen Markt ist das Potenzial bescheidener.  Was unter einem Papierprototypen zu verstehen ist, kann ich mir hier auch noch nicht vorstellen. Es gibt noch kein funktionierenden Prototypen? In diesem Falle würde wohl eher ein aktiver Investor gesucht und da spielt es eine Rolle – was der Investor einbringen kann. Wie hoch krempelt er die Aermel hoch? Ueber welche Beziehungen verfügt er? Wie ergänzt er das Team? Wer mehr als Geld bringt, braucht eine andere Bewertung. Da müssen die Gründer wissen, wieviel Wert ihnen der neue Partner ist – die Firmenbewertung spielt eine untergeordnete Rolle. Es ist wichtiger, inwiefern er die Firma wertvoller machen kann. Und er muss abwägen, ob die Firma bzw. das Team ergänzt durch ihn es bis zur nächsten Finanzierung bzw. bis zum funktionierenden Produkt bringen kann.

Mobiltelefon ohne Telefon – beste Waffe gegen Android

von Reto Hartinger

Dienstag ist es wieder so weit – Apple stellt neue Hard- vielleicht auch neue Software vor. Ich habe schon mehrmals darüber spekuliert, was Steve Jobs bringen könnte. Was aber ziemlich sicher sein wird, er bringt neue iPods, die sind in der iPhone Euphorie ziemlich untergegangen. Dabei ist mir folgendes durch den Kopf gegangen.

Im Kampf um die Vorherrschaft der Moblie-Mobiltelefone könnte der iPod die entscheidende Rolle spielen. Ja,ok das iPod ist kein Telefon aber darum geht es ja kaum bei Android. Entwickler entwickeln immer für die Plattform mit den meisten Usern. Das HighEnd-iPhone hat Internet und das MacOS, kann also alles was iPhone-Entwickler wollen, ausser telefonieren. Apple wird die iPods also immer stärker den Applikationen öffnen. Das lässt sich von der Konkurrenz nicht kontern. Apple verfügt über die grösste Hardwareinstallation.

Apple 100 Microsoft 0

von Reto Hartinger

Ha, Microsoft steckt 300 Millionen in eine neue Werbekampagne um das angeschlagene Vista-Image zu retten. So wird ein Super-Schauspieler angeheuert und auch Bill Gates muss, trotz Ruhestand, nocheinmal in die Hosen bzw. in die Schuhe. Oh Boy, ich hätte eine witzige Kampagne erwartet, etwas das tatsächlich Apples I’m a Mac, I’m a PC Kampagne in den Senkel haut. Herausgekommen ist ein seichtes Lüftchen. Bill, immernoch der zweitreichste Mann der Welt, als “Geiz-ist-geil-Rentner” spielt sich gleich selber und Schaupieler Jerry Seinfeld auch. 

Aber bitte urteilt selbst was der Microsoft Werbespot wert ist.

 

http://www.techcrunch.com/2008/09/04/first-bill-gatesjerry-seinfeld-advertisement-wheres-the-microsoft/

Onlinewerbung rückläufig

von Reto Hartinger

Dass auch Onlinewerbung zurückgehen kann, ist in der Schweiz ein bekanntes Phänomen. Nicht so in den USA, wo im zweiten Quartal die Onlinewerbung mit 777 Millionen Umsatz 2.4 % gegenüber der gleichen Vorjahresperiode verliert, meldet der US-Verlegerverband.

Noch brutaler geht es der Printwerbung, die bricht um 16 % ein. TechCrunch vermutet, dass Print die Onlinewerbung in die Miesen zieht. So werden Print/Onlinebundles zu oft einfach gecancelt. Früher konnten die Printtitel die fallenden Inserateumsätze mit steigender Onlinewerbung kompensieren. Jetzt nicht mehr.

Bremsspuren auch für Google und Co? Nicht umsonst Testet Google Text-Ads nach den Suchresultaten. Dort bringen sie übrigens mehr Klicks als auf der rechten Seite. Das weiss Google von seinen Adwordskunden. 

Wie wird das Werbejahr in der Schweiz?

Wie viel Geld ist ein Browser wert?

von Reto Hartinger

Es war schon erstaunlich, als Apple ins Browsergeschäft eingestiegen ist. Schliesslich ist dieses Stück Software gratis – es lässt sich also kein Geld damit verdienen. Apple hatte das Problem, dass Microsoft die Mac-Version des Explorers immer schlecht aussehen liess (auch der MSN Messenger hinkt total hinterher). So war Apple gezwungen, einen eigenen Browser zu programmieren, damit sich die Leute nicht vom Macintosh verabschieden. Dieses Jahr ist dann auch eine Windows Version dazugekommen. Hm, wieviel Marktanteil kann Apple dort gewinnen? Kaum der Rede wert. Wieso also investiert Apple in dieses Produkt? Wo Safari entscheidend punkten konnte, war die Mobile-Version. Aber das ist proprietär und rechtfertigt keine Windowsvariante.

Dass nun auch Google einen Browser bringt, erstaunt doch. OK – Google kann den Browser eher monetarisieren. Aber das wird kaum der Grund gewesen sein. Google bezahlte letztes Jahr Mozilla 69 Millionen Dollar, damit die das Suchfenster in Firefox einblenden. Es ist also ziemlich wertvoll, welche Suchmaschine die Resultate anzeigt. Ginge der Marktanteil von Firefox zugunsten von Google zurück, liesse sich das direkt in der Bilanz sehen.

So gesehen, bezahlt Mozilla die Google Entwicklung ;-). Das ist aber immer noch nicht der entscheidende Punkt für Google einen Browser zu entwickeln. Viel wichtiger wäre, dass Firefox, Safari und Google Chrome mehr Marktanteil erhielten. Wieso? Damit nicht Microsoft die Architektur des Browsers bestimmen kann. Heute müssen die Browser nachbauen, was Microsoft macht, sonst läuft das Web nicht mit ihren Browsern.  Mit dem sich zuspitzenden Krieg zwischen Microsoft Software (Office) und Google Onlinedienste (Docs), wäre es für Microsoft möglich Features im Explorer so zu bauen, dass eine Onlinevariante einer Software der Offlineversion immer unterlegen ist. Oder zumindest, sollte Microsoft Office online bringen, diese immer besser mit dem Browser (Explorer mit 75 % Marktanteil) kompatibel ist und mehr kann.

Dieses Monopol will Google knacken! Deshalb ist der Browser und die Technologien dahinter Open Source und es wäre Google mehr als Recht, wenn sie auch im Explorer angewendet würden.

Gegenüber der Verbreitung der Suchmaschine sind Googles Webapplikationen ziemlich erfolglos. Sicher ist Google Docs super – aber nicht einmal 10 % der Google User nutzen es. Obwohl es gratis ist. Einzig Gmail kommt auf ansprechende Userzahlen, wirkt aber gegenüber Microsofts Hotmail wie ein Knirps, obwohl Gmail um Welten besser ist.

Die Google Applikationen werden ihre Kraft dieses Jahr erst ausspielen. 2008 können die Google Applikationen das Minimum, was eine Software jeweils können muss. Jetzt ist jedes Feature das dazu kommt ein Grund, Google Applikationen einzusetzen. Jedes Feature mehr begeistert mich und Office lässt mich immer mehr kalt. Die nächste Office-Version wir sicher 200 neue Features haben, von denen ich 194 nicht brauchen werde. Also werde ich mich weniger dafür begeistern – Google bringt aber das ganze Jahr über Neues, das ich entdecken und lieben werde.

Browsermarktanteile im August

72,2 % Explorer  

19,7 % Firefox

6,4 % Safari 

0,7 % Opera 

 

Google Chrome soll es nach 3 Tagen bereits auf 1,2 % bringen

Facebook & Co

von Reto Hartinger

Der Internet Briefing TechTalk Social Network Applications war sehr spannend. Pierre Rappazo meinte “Das war interessant, insbesondere, da offenbar die wenigsten auch von uns (wohl alle zu alt) das Thema zu verstehen scheinen…” und wir sollten das Thema unbedingt im Blog weiter diskutieren. Das tue ich hiermit. Danach haben wir am Tisch noch über gute Facebook Applikationen gesprochen. Joel Nicoletti hat mich auf Nexus hingewiesen und mir heute dieses Mail geschrieben.

Hier wie versprochen den Link zu Nexus…

Eine wichtige Funktion von Facebook ist ja dein Netzwerk digital zu erfassen. Diese Applikation gibt dir eine visuelle Repräsentation davon. Du siehst wie deine Friends untereinander verlinkt sind, was es für Subnetze in deinem Netz gibt und in welchen gemeinsamen Gruppen die Leute sind.

Direkt zur Applikation:
http://apps.new.facebook.com/_nexus_/

Seite über die Applikation:
http://www.new.facebook.com/apps/application.php?api_key=f2261222eff4abb0d124d2ae86e66ec5

Sobald der Graph generiert ist, kannst du links unten eine alternative Darstellung wählen: “Spring Graph”, statt dem Default “Radial Graph”. Sieht meiner Meinung nach häufig viel besser aus.

Übrigens, die entspannte Atmosphäre am Event gefiel mir sehr. Und es hatte Top-Leute dabei, das hat es sehr interessant gemacht. :-)

Wer hat sonst noch solche Perlen in Facebook entdeckt?

Wieso Google einen eigenen Browser braucht

von Reto Hartinger

Die Katz ist aus dem Sack. Google ist tatsächlich daran einen eigenen Browser zu entwickeln, genannt Chrome. Er wird heute als Beta verfügbar. Aber wieso überhaupt, es gibt immer mehr Browser und mit jedem nimmt die Inkompabilität weiter zu. Es wird immer schwieriger, für alle Browser Webseiten bereitszustellen. Wird ein Google-Browser überhaupt die nötige Verbreitung finden? Google braucht den Browser, der auf Ajax-Applikationen wie sie Google entwickelt, optimiert ist. Die heutigen Browser sind einfach zu langsam – verursachen zuviel Traffic wo es gar nicht nötig ist. Nur Google weiss, was ein Browser für ihre Bedürfnisse (asynchrone parallele Verarbeitung) wirklich können muss und nur Google will das auch entwickeln. Deshalb muss Google diesen Browser machen.

Natürlich ist es auch verlockend, ein Stück Infrastruktur zu besitzen. So wie Microsoft das Betriebssystem dominiert, könnte Google die Browser beherrschen. Das ist aber eigentlich nicht nötig, Google muss nur sicherstellen, dass die Browser das können, was Google-Applikationen brauchen.  Damit sich die Technologie auch entsprechend verbreitet, sind sie OpenSource, können also von allen Browsern verwendet werden. Ich bin ziemlich sicher, dass der Google Browser auch Serverpushs kennt, so dass der Browser nicht ständig unnötig abfragen muss, ob es gerade ein Event für ihn gibt. Spekulation, davon habe ich noch nichts gelesen. Und viele solche Features mehr, die den Browser so stark machen, dass Online-Applikationen mit Offlinesoftware mithalten kann. Google Gears ist selbstverständlich eingebaut.

Was haltet ihr von Chrome?

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