Wer erinnert sich noch an den New Economy Crash?
Nachdem wir für kurze Zeit die Stars der Wirtschaft waren, wurden wir zu den “geprügelten”. Geld haben wir sinnlos verblasen, unrealistische Projekte angepackt und sowieso hätte man uns Turnschuhträgern NIE die Wirtschaft anvertrauen dürfen.
Mit etwas Abstand und mitten in der nächsten Wirtschaftskrise lohnt sich ein Blick zurück. Vor dem Crash 2001/02 surften in der Schweiz knapp 2 Millionen Leute im Internet. Heute sind es über 4.6 Millionen. Tickets, Reisen und Bücher werden über das Internet gebucht. Wohnungen im Internet gefunden, Krankenkassenprämien im Netz verglichen. Das Telefonbuch? tel.search.ch & Co. haben gewonnen. Traditionellen Zeitungen bricht der Umsatz weg und Zeitschriften verschwinden am Kiosk. Die schlimmsten Alpträume der Old Economy werden war. Im Vorzeigeland USA verdienen Firmen wie Google und Microsoft massig Geld, während GM und Ford ums nackte Überleben kämpfen.
Wo war der Crash 2001?
Ja genau, an den Finanzmärkten. Ich meine, wer hat in unserer Branche gewusst, was damals Fantastic für ein Produkt anbot? Der Börse war’s eine Milliarde Wert. Und wie intelligent die dort sind, sehen wir heute täglich. Jeder Statistiker darf mir das untere Bild um die Ohren hauen. Aber ich legte mal kurz Retos Statistik zu den Onlinewerbeumsätzen in den USA über den Chart von Googles Kursentwicklung seit 2004.

Ich startete 1993 mitten in der Rezession in die Selbständigkeit. Damals verspekulierten sich die Banken in der Schweiz und mussten zwischen 40-50 Milliarden im CH-Immobiliensektor abschreiben. Was lernen wir daraus?
- Die Zocker an der Börse lernens nie.
- Trends wie das Internet (oder 3D-Welten) werden kurzfristig überschätzt und langfristig unterschätzt
- Lasst uns die Ärmel hochkremplen, deren Puff aufräumen und die Wirtschaft in Gang halten
Die digitale Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen.
Wir sind immer noch am Drücker ;-)



Reto Hartinger schrieb:
Wie wahr Dani. Heute prophezeien sich doch die Prognosen von 1998, wo man GM verspottete und als Auslaufmodell handelte. Zuviel Manpower, Businessmodell skaliert nicht etc.
Ja und das mit der Börse. Ein Businessplan will nun einmal dass man aufzeigt, wie man das Geld verbratet und wenn die Börse spinnt, gibt sie zuviel Geld und dieses “musste” von den Start-ups ausgegeben werden.
Ich erinnere mich noch an den Börsengang von Crealogix. Sie waren die einzigen die das blöde Geld nicht ausgegeben haben, einfach auf die hohe Kante gelegt und vom Ertrag der 60 Mio gelebt. Allein mit dem Finanzertrag hätte Crealogix aber mehr Gewinn erzielen sollen, also war das Kerngeschäft verlustbringend. Ich habe mich gewundert über den Weitblick der Gründer und wie cool die Börse damit umgegangen ist. Später hat Crea dann erst Firmen dazugekauft.
Es wird Google und die E-Commerce-Firmen sein, die Gewinner sein. Die Börse untertreibt mal wieder total. Sieh da:
P/E Ratio von Microsoft 9.84, Apple 14.94, Google 15.74, yahoo 13.98 (überbewertet vor allem gegenüber Google), Dell 6.63, IBM 8.21 !!! kauf
Dell hat übrigens ja mehr Gewinn gemacht, bei kleinerem Umsatz. Es wird also mal auf Vorrat abgebaut bzw. Kosten gespart.
Die negative Stimmung treibt dann halt immer verrücktere Blüten und wird zur selbsterfüllenden Prophezeiung
Kommentiert am 22-Nov-08 um 8:55 pm | Permalink
Michael schrieb:
Hier ein aehnlicher Post der die in beiden Phasen geschaffenen Werte vergleicht
Kommentiert am 24-Nov-08 um 8:59 am | Permalink
ThomasK schrieb:
Wer erinnert sich noch? Auch ich.
Der Crash war zwar damals (auch) einer der Finanzmärkte – aber die Schockwellen kamen an bis ins letzte Hinterstübchen der Gewerbetreibenden.
Damals hissten auch mein damaliger Partner und ich als Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung *) im einem Netzwerk mit einer weiteren die Segel der E-Commercler. Sogar als Full-Service-Dienstleister mit angeschlossener Logistik und allem, was Kunde braucht um loszulegen. Sogar ne Shopping-Mall hatten wir am Start — dank mir war da sogar ein Feeling von 3D in (simplem) 2D abgebildet. Etwa im Retro-Gründerzeit-Stil. *sniff* Im Feeling der Cout d’Azur. Nur nicht so aalglatt wie Second-Life sondern von Hand illustriert und duplex-coloriert. Da ging einiges an Zeit drauf — ein paar Minuten mehr als nötig für’s nackte System.
War die Zeit vor dem Crash noch vielversprechend so war es wirklich so, dass die Verunsicherung “quasi über Nacht” (nicht ganz aber recht ähnlich schnell und paranoid wie im Moment) so groß wurde, dass schlichtweg niemand aus der Zielgruppe der Mittelständler das Risiko des E-Commerce wagen wollte.
Im Nachhinein weiss ich nicht, ob ich mich ärgern soll, dass wir zu langsam waren oder froh sein soll, dass es uns noch in der relativen Anfangsphase erwischte…
And now for something completely different:
*) Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung ist ein Therm aus Monty-Python. Die haben jüngst bei YouTube einen eigenen Channel eröffnet.
Wie singt und pfeift es sich so schön:
Allways look on the bright side of live! :-)
oder anders: Don’t Panik!
Denn: Die digitale Entwicklung ist in der Tat noch lange nicht abgeschlossen.
Kommentiert am 24-Nov-08 um 12:50 pm | Permalink
ThomasK schrieb:
Im Nachhinein komm ich nicht umher die 1.0er Blase dann doch auch als eine Menschheits-historisch einmalige Sache zu sehen. Das Netz kam damals ja erstmals so richtig bei der Masse an. Entsprechend far out war die Überreaktion der Märkte.
Ein Stück weit war das schon “Jung-Schnöseln extreme Geld-Hinterherwerfing!”
oder
“Extreme alles was Internet auf den Fahnen stehen hat überbewerting”
um nicht zu sagen
“Extreme-Geld-verbrenning!”
$$-Zeichen in den Augen der Spekulanten und Anleger bei Charts und Wachstumsprognosen jenseits des bis dato bekannten die zum Gier geschwängerten Leichtsinn führten stellen dann doch wieder die Parallele zum heute her.
Aufstieg wie Fall in Hysterie… unterschiedlich schnell.
Mein seltsames -ing-Vokabular kommt im übrigen daher: http://www.youtube.com/watch?v=qxa8FyX9vjY
(ein Schelm wer hier Parallelen sieht).
Kommentiert am 24-Nov-08 um 1:05 pm | Permalink
Reto Hartinger schrieb:
Damit Google den Gewinn hält, sind sie gar nicht so stark auf weiter steigende Werbeeinnahmen angewiesen – sie können ziemlich leicht Kosten eindämmen. Z.B. einfach nicht mehr so rasant einstellen oder gar Personen abbauen. Sie scheinen eine Heerschar von Contractors (Temorärmitarbeiter) angestellt zu haben (für mich ziemlich bedenklich), die werden sie jetzt abbauen in dem sie deren Verträge nicht verländern.
Das drückt einfach auf die Entwicklungsgeschwindigkeit.
Kommentiert am 28-Nov-08 um 1:22 pm | Permalink
Internet Briefing Blog / Wie war das nochmals mit der New Economy? schrieb:
[...] New Economy Crash und dazu die aktuelle Google Chart (klick Historisch). yigg this! — save to [...]
Kommentiert am 08-Feb-10 um 11:17 pm | Permalink