Vor 6 Monaten habe ich ein Twitter-Account eingerichtet und unter http://twitter.com/RetoHartinger zu twittern begonnen.
Was sind meine Erfahrungen damit und wie hat sich meine Beziehung zu anderen Social Network Aktivitäten verändert?
1. Endlich kann ich mal Gedanken jenseits der Internetthemen loswerden. Z.B. einfach kurz etwas Wirtschaftliches oder Politisches loswerden. Oft einfach nur ein Link auf das was mir aufgefallen ist. Ich hüte mich, zu kommentieren was ich gegessen habe und wo ich mich gerade aufhalte und wie das Wetter ist. Man schlage mich – genau das habe ich in den letzten Tagen (Ferien) aber gemacht.
2. Ich kann sofort mit vielen kommunizieren. Ein Satz geht an knapp 200 Personen und wird manchmal kommentiert. Auch wenn ich etwas an eine bestimmte Person schreibe oder auf etwas was diese geschrieben hat, lesen Andere mit und greifen es vielleicht auf. Finde ich angenehm. Oft ist was ich sage für mehr als eine Person bestimmt.
3. Es hat sich ein Kreis gebildet von Personen die ich aus dem Internet Briefing oder aus meinen früheren Tätigkeiten kenne. Ich lerne diese privater kennen – das ist spannend, auch wenn mich Belangloses in Häufigkeit nervt. Drum versuche ich genau dies nicht zu tun (bin aber wie gesagt der Versuchung unterlegen). Twittern ist of ein Befindlichkeitsgelabber.
4. Oft bekomme ich wertvolle gedankliche Inputs oder Links die mich zu einem Blogpost inspirieren. Nachrichten und Hintergrundwissen erreicht mich schneller als meine RSS Feeds dies tun können. Ich lerne kennen, wer über was nachbrütet und wie die Leute denken.
5. Twittern ist genauso ein Zeitfresser wie er auch ein Zeitsparer ist. Kann ich eine Nachricht in 140 Zeichen mehreren Insidern mitteilen, so erspart mir das unter Umständen ein Massenmail. Zeit frisst es aber alleweil, da ich mindestens jede Stunde einmal reinschaue und nachlese was abgeht. Die News habe ich von 20min (nzz habe ich über den RSS-Feed und würde mich nerven die Quelle 2x zu haben).
6. Der Aufbau der Community ging für meine Begriffe langsam von statten. In Zürich bin ich mit 164 Followern der 7. wichtigste Twitterer. In XING habe ich 1548 Kontakte und auf Facebook bringe ich es auf 438 Freunde. und in Linkedin.com sind es 297. Friendster benutze ich gar nicht – habe zwar auch ein Account eingerichtet. Wegen Twitter habe ich die Lust an Facebook verloren – gehe fast nie mehr hin. Meine Tweets erscheinen auch nicht automatisch in Facebook – ich weiss nicht wie das geht und ob ich das wirklich will, ich will irgendwie die Netze eher trennen als alle verbinden. XING bleibt mein favorit network, Linkedin beachte ich praktisch nicht mehr obwohl es mein erstes network war.
7. Ich selber verfolge 144 Personen auf Twitter – fast niemand aus den USA, die meisten aus der Schweiz, meist Internet Briefing Mitglieder. Aber die 144 sind schon fast zu viel. Ich muss vielleicht nochmals abbauen, sonst kann ich die Nachrichten nicht mehr lesen und beantworten.
8. Auf XING habe ich eine Internet Briefing Gruppe eingerichtet – dasselbe auch auf Facebook Die XING-Gruppe bearbeite ich regelmässig. Wer drin ist bekommt jede Einladung an die Internet Briefings und Techtalks. Einen Newsletter schreibe ich nicht. Auf Facebook bin ich mit Eventeinladungen sehr zurückhaltend. Beide Gruppen sind klein Facebook bingt es auf 182 Mitglieder. Ich habe erwartet, dass sich das irgendwie schneeballmässig verbreitet – nix da. Wahrscheinlich komme ich einfach zuwenig drus um diesen Effekt erzielen zu können. Auf XING hat die Gruppe immerhin 413 Mitglieder – es sind aber bei weitem nicht alle 600 Internet Briefing Mitglieder drin – weil ja auch nicht 100 % der Mitglieder ein XING Profil haben und einige die eins haben sind nicht mit mir verbunden.
9. Reaktionen provoziere ich rein über die Masse am meisten bei XING – ändere ich dort etwas in “ich suche” oder “ich biete” – habe ich innerhalb von Sekunden Antworten. Bei Twitter dauert es zwar auch nicht viel länger, aber es sind wesentlich weniger. Facebook bringt noch weniger Reaktionen auf Aenderungen in der Statuszeile. Wahrscheinlich hat jeder auf Facebook so viele solche Meldungen aus dem Netzwerk, dass sie nicht mehr gelesen werden. Ich lese die Statusänderungen in XING.
Web 2.0 hat mich erreicht – aber ich bin noch lange kein Virtuose. Sonst hätten meine Gruppen mehr Mitglieder und ich würde virales Marketing auf Facebook beherrschen. Sicher entfalte ich auf Sozialen Netzwerken mehr Wirkung als Andere – das hängt aber eher damit zusammen, dass ich in der realen Welt besser vernetzt bin als manch anderer und nicht damit, dass ich die Tools besser beherrsche.