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Finanzkrise – ein Company 1.0 Problem

von Reto Hartinger

Es wurde mir im Vortrag von Jürg Stucker zum Thema Intranet; Wiki in Unternehmen klar: Dass es zu einer derart grossen Fehleinschätzung der Subprime Titel kommen konnte war und ist ein Problem der 1.0 Firmen. Was meine ich damit und wieso komme ich darauf? Ein Wiki braucht eine ganz andere Unternehmenskultur, wenn plötzlich alle alles einsehen und verändern können. Hierarchie tritt in den Hintergrund – die beste Idee ist gefragt und es braucht eine Streitkultur um zum besten Resultat zu gelangen. Es kann auch der Lehrling eine gute oder die beste Idee haben und Beiträge des Chefs müssen bzw dürfen von allen korrigiert bzw verändert werden.

Genau das ist in der Bankwelt nicht gefragt. Recht hat wer in der Hierarchie höher gestellt ist oder wer den grössten Bonus erhält. Man kann mir nicht sagen, dass es nicht hunderte von Mitarbeitern bei jeder grossen Bank gegeben hat, welche die Subprime-Papiere nicht richtig eingeschätzt hat – nur seine Meinung war nicht gefragt, sie hätte kurzfristig einen hohen Bonus eines Anderen, in der Hierarchie Höhergestellten verhindert. 

Die UBS geriet in die Krise und was hat es geheissen? Ospel sei unersetzbar. Wie bitte? Welches Argument wurde gebraucht, um das zu begründen? Weil es niemanden gibt, der sich in dieser Situation durchsetzen könne. Na also – Hierarchie ist eintscheidend – nicht die Inhalte, nicht die beste Lösung. Die findet in einer solchen Konstellation einfach nicht Gehör.

So lange wir unsere Firmen nicht entsprechend umbauen, werden wir diese Kolosse langfristig nicht aus der …. reiten und vor allem werden wir wieder in die nächste Krise schlittern.

Kann die Informatik bzw das Web dazu einen Beitrag leisten? Vielleicht. Aber es hat noch nie ein Instrument eine Veränderung gebracht – Veränderung findet in Köpfen statt, nicht in PCs. Sie ermöglichen aber den Prozess, sofern die Köpfe folgen. 

Transformieren wir unsere Firmen zu Company 2.0 Organisationen. Lasst uns diese definieren.


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10 Kommentare zu “Finanzkrise – ein Company 1.0 Problem”

  1. Daniel Niklaus schrieb:

    Company 1.0 Problem? Wie wäre es mit Mensch Version 2008? Der erstmals aufgetretene Bug in der Version 1637 wurde bis heute nicht behoben.

    Was wäre passiert, wenn die UBS nicht mitgemacht hätte. Durch sichere Papiere wäre sie mit einer Nettorendite von 7% die grösste Vermögensverwalterin der Welt geworden. Da hätte doch jede kleinere und besser bewertete Bank ein Übernahmeangebot gemacht und mit wenigen Handkniffs den Deal finanziert…UBS geschluckt von einem “mutigeren”, weil das Ospel-Management mit ihrer Strategie auf Sicherheit versagte.

  2. Pierre Rappazzo schrieb:

    Lieber Dani, falsch. Die UBS wäre die erfolgreichste und somit best bewertetste Firma. Denn die Demokratie zahlt sich kurz- wie langfristig aus. Ich schreibe mir darüber im Zusammenhang mit der Migros (die eine demokratische Organisation hätte) seit Jahren die Finger wund. Ich habe sogar ein kleines Buch darüber geschrieben: http://www.sorgim.ch/pdf/SORGIM-Buch-v2-6.pdf

  3. Daniel Niklaus schrieb:

    Falsch ist es nur, wenn es schon eine demokratische Revolution in der UBS gegeben hätte. Hat es aber nicht. Und die UBS ist an der Börse gelistet im Gegensatz zur Migros. Somit hätte die UBS Aktie 2004 eine deutlich niedrigere Bewertung aufgewiesen und wäre ein perfektes Übernahmeopfer gewesen – ohne die Chance sich zu wehren.

    Kommentar zu deiner Organisation auf Seite 9
    Ich würde den VR als Vertreter des Kapitals/Besitzer sehen und ihn wie bis anhin wählen lassen (Ständerat)
    Gleichberechtigt daneben würde ich das Mitarbeiterparlament stellen (Nationalrat). Jeder Mitarbeiter hat eine Stimme für seine Vertreter.

    In einem ähnlichen Ausmarchungsverfahren wie in der Schweiz kannst du dann Gesetzte und Vorlagen zwischen VR und Mitarbeiterparlament beschliessen.

    Die Geschäftsleitung wird wie der Bundesrat durch beide Kammern gewählt.

  4. Pierre Rappazzo schrieb:

    Auch ein interessanter Ansatz. In der Praxis ist es in der Migros heute so, das Parlament wird von den Migros Machthabern eingesetzt und es funktioniert nicht. Warum? Weil nur der echte Eigentümer das nötige langfristige Interesse am Unternehmen hat.

    Warum hätte die UBS ein niedrigere Bewertung wenn die Gewinne doppelt so hoch wären, wie sie waren? (versteht man dieses Satzungetüm?)

  5. Daniel Niklaus schrieb:

    Traumrenditen und damit Traumbewertungen an den Aktienmärkten konntest du nur erzielen, wenn du bei den Spekulationen mitgemacht hast. Hätte die UBS auf dieses Spiel verzichtet, wäre ihre Rendite nicht bei 20% und mehr gelegen, sondern irgendwo zwischen 7% und 10%. Fünfer und’s Weggli gibt es nicht. Du musst dich entscheiden; hohe Rendite (hoher Aktienkurs) oder Sicherheit (tiefer Aktienkurs).

    Sicherheit hätte die Börse im Jahr 2005 nicht goutiert und die UBS mit tiefen Kursen bestraft. Somit wäre sie ein perfektes Übernahmeopfer für eine aggressivere Bank gewesen. Zum Beispiel aus Island. Diese hätte nur das Versprechen geben müssen; wir werden nach der Übernahme die UBS auf Spekulationskurs bringen.

    Einverstanden?

  6. Pierre Rappazzo schrieb:

    Meine These lautet anders: Gute Unternehmensführung und -kontrolle gleich hoher Gewinn. Das heisst ein gut geführtes Unternehmen erzielt den höheren Gewinn mit weniger Risiko, als ein schlecht geführtes Unternehmen mit höherem Risiko.

  7. Daniel Niklaus schrieb:

    Langfristig ja.
    Beziehe es aber einzig und alleine auf 2004 bis 2006. Da konntest du mit “guter” Unternehmensführung keine 25% Rendite erwirtschaften.

  8. Pierre Rappazzo schrieb:

    Das stimmt. Meines Erachtens hätte die Diskussion ja gerade diesen Umstand mitberücksichtigt. Und so wäre man dieses Risiko mit den verbrieften Hypo Papieren bewusst eingegangen und hätte über die Dimensionen Bescheid gewusst. Und vielleicht wäre der Aktienkurs dann früher gefallen, gerade weil die Positionen so hoch waren und die UBS hätte noch rechtzeitig verkaufen können.

    Aber du gehst wohl davon aus, dass in einer durch die Eigentümer demokratisch per Wiki und Parlament geführten UBS, diese Positionen nicht eingegangen worden wären.

  9. Daniel Niklaus schrieb:

    Kernaussage; mit “vernünftigen” Risiko hätte die UBS weniger Geld verdient. Dann wäre auch der Aktienkurs tiefer gewesen und eine andere Bank hätte sich die UBS über einen Aktiendeal einverleibt.

    Das mit dem demokratischen Unternehmen ist eine andere Geschichte. Stellt man die Machtfrage, hätten die Mitarbeiter die grösste Macht in einer Firma. Es fragt sich; warum holen sie sich diese nicht? Ludwig XVI hätte auch nie geglaubt, dass sich das Volk die Macht holt.

  10. Pierre Rappazzo schrieb:

    Dein Wort in Gottes Ohr

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