Verlegerische Suche nach der richtigen Strategie
30. Juni 2009
Die Verlage haben zu kämpfen, mit Anzeigenkunden, Redaktionen, Bundessubventionen, aber vor allem mit sich selber. Sie müssen eine Strategie finden, eine Ueberlebensstrategie. Irgendwie will das Businessmodell nicht mehr wie früher. Haben sie begriffen, dass verlegen und Papier keine Synonyme sind? Kaum, so lange die Investitionen in Druckmaschinen so hoch und die Einnahmen aus Onlinewerbung so klein sind. Haben sie begriffen, dass die Distribution der Inhalte auch anders als über Personen gehen kann? Kaum so lange sie eine teure eigene Frühzustellung diskutieren.
Gleich zwei Ereignisse haben mich zum Nachdenken über die Verlage und deren Futurereadyness gebracht

Der ex Verlagsleiter von cash, Christoph Bauer, wird CEO der AZ Medien. Er hat versucht, mit Cash das Produkt der Zukunft zu machen. Seine Visionen waren durchaus richtig und haben die oben gestellten Fragen beantwortet. Gescheitert ist Cash trotzdem. In der Theorie hat da zwar alles gestimmt, die praktische Umsetzung war aber mangelhaft. So basierte die Onlineversion auf einem ePaper das keine Links erlaubte und von Suchmaschinen keinen Traffic erhielt. Papier war immer noch das Lead Medium – online nur der Abklatsch davon. Trotzdem – es ging darum Verlag und Redaktion schon einmal richtig zu beüben – es ist nicht einfach wenn eine Zeitung plötzlich multimedial wird und der Vertriebskanal oder die Verbreitungsform nicht mehr im Vordergrund steht. Jounalsiten mussten einmal lernen statt nur zu schreiben auch zu fotografieren. Neu mussten sie lernen, welches Medium sie in die Hand nehmen sollten um die Story umzusetzen: Video, Podcast, Bild, Text oder gar eine und welche Mischung daraus?

Eine Antwort scheint der wirblige Urs Gossweiler hat “als erster Verlag eine Antwort auf Google gefunden“, wie persoenlich.com titelt. Er war 21 (glaub ich) als er durch den plötzlichen Tod seines Vaters den Verlag und damit die “Jungfrau Zeitung” übernehmen musste. Seither ist er ein unaufhörlicher Innovator. Ok, nicht immer mit Erfolg gesegnet, das hängt aber vor allem auch mit der Lage und seiner Jugendlichkeit zusammen. Die etablierten Medien(bosse) wollen (können) weder das Einzugsgebiet noch den “Jüngling” Gossweiler richtig ernst nehmen.
Auch Gossweiler lanciert seine Zeitung als multimediale Plattform (Papier, online und mobile), bezieht aber gleich die Werbung noch mit ein. Wer bei der “Jungfrau Zeitung” online nach Themen sucht, bekommt nicht nur einen entsprechenden Artikel sondern dazu auch was noch passt z. B. Gratulationen, Leserkommentare, Immobilienangebote oder aktuelle Gebrauchtwagenangebote und die suchrelevante Werbung.
Ich zitiere ihn aus dem persoenlich.com Interview:
Statt mit nervigen Bannern, werben wir auch Online mit den Inseraten, die in der Printversion der “Jungfrau Zeitung” erscheinen. Die Print-Anzeigen werden in einem selbst entwickelten System erfasst und mit den Web-Sites der jeweiligen Anbietern verlinkt. Online bleiben die Anzeigen dann jeweils drei Tage. Wir haben so alle drei Tage mehr Wechsel der Werbeflächen als das “Newsnetz” der Tamedia in einem Monat.
Das sieht dann so aus

So bleibt auch Gossweiler auf halbem Wege stehen. Die Werbung im Internet soll die Werbung im Print sützen. Zu kurz gedacht? Wie soll ein User wissen, dass eine solche Anzeige angeklickt werden kann. Wo bleibt die Multimedialität des Mediums? Die Anzeige bleibt 3 Tage online – wird also kein Traffic erhalten.
Wir haben weder die Zeitung noch den Verlag der Zukunft gefunden. Verleger, denkt weiter nach. Es geht nicht um eine Onlinestrategie, es geht um die Ueberlebensstrategie




Für Städter mag dies seltsam klingen, aber hier bedeutet das soziale Netz Gemeinschaft. In schweren Zeiten hält man zueinander und wenn es darauf ankommt, setzt man sich für einander ein. Die Geschicke des Kantons, werden noch von Hand an der Landsgemeinde bestimmt. So wie es sich gehört – für viele leider mit den Frauen.
