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#iranelection oder wie das Internet die Macht aushebelt

von Reto Hartinger

Alle 10 Sekunden erscheinen 100 – 200 neue Tweets mit #iranelection. Es wird live berichtet was passiert, Verabredungen für Demos gemacht

More #IranElection protests planned for Wednesday; Guardian Council to begin recounting ballots. http://bit.ly/jRo3p #Mousavi #Ahmadinejad From Iran Confirmed: Shirin Ebadi, Nobel Prize winner calls for new election #gr88 #iranelection

und sich geholfen, wie man Zensurversuche umgehen kann.

http://is.gd/14nxw BBC Persian TV streaming from Scandinavia #gr88 #iranelection NO NEED TO download anything! help protect identity of Twitter users updating from Iran, change your location to Iran, timezone GMT+3.30 hrs #Iranelection

What To Do And Not Do On Twitter by misterarasmus.

Es werden Videos auf youtube gepostet und

Bilder in Flickr gestellt

Opposition Protests in Esfehan, Iran June 16 by misterarasmus.

sowie links von Presseberichten herumgericht. Bis gestern hatte die Staatsgewalt dem nichts entgegenzusetzen. Dann haben sie gekontert. Sie haben auf Twitter verbreitet, dass die Opposition ihre Kundgebung abgeblasen hat Doch so einfach geht das nicht. Iraner sind ganz grosse Blogger. Die Regierung musste das Internet und das Handy_Netz quasi abstellen und der Presse zu fotografieren und filem zu verbieten – einzig Interviews mit Korrespondenten waren erlaubt. Protestmärsch von Hussein Mussawis Anhänger konnten dennoch nicht verhindert werden. Die Regierung hat mit dem Stören von Internet und des Mobilnetz die wirtschaftliche Leistung des Landes aufs Spiel gesetzt. Aber das ist der Regierung egal, wenn sie und ihr System gleichzeitig auf dem Spiel stehen. Was aber passiert, wenn sie beides zwangsläufig wieder in Kraft gang setzen müssen?

In 1 1/2 Stunden wird die nächste Demo stattfinden – egal mit oder ohne Kommunikationsmittel. Militärleaders sagen heute, dass sie nicht mehr auf die Masse schiessen werden.

Iran Twitter Protests Image

221,744 Tweets pro Stunde beim Peek

und die Proteste gingen weiter


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8 Kommentare zu “#iranelection oder wie das Internet die Macht aushebelt”

  1. Hans-Dieter Zimmermann schrieb:

    Smart Mobs – enabled by Twitter!

    Die aktuellen Ereignisse zeigen die Macht der neune Kommunikatiionsmittel, aber auch die Herausforderungen: Wie viele der #iranelection tweets kommen wohl vom iranischen Geheimdienst …?

  2. Reto Hartinger schrieb:

    Damit ist die interessante Frage aufgeworfen – was glauben wir im Internet. Glauben wir was wir glauben wollen? Dann wäre das auch nur ein Verstärker des vielleicht Falschen.

    Gibt es Untersuchungen zu diesem Thema?

  3. Hans-Dieter Zimmermann schrieb:

    >Damit ist die interessante Frage aufgeworfen – was glauben wir im Internet.

    Die Frage muss IMHO lauten: Was glauben wir den Medien, Off- oder Online?

  4. ThomasK schrieb:

    Passend dazu musste ich eben feststellen, dass ich schweizer Online-Medien ansteuern musste, um zu erfahren, dass die aktuelle Infrastruktur zur Netzzensur von einem Konsortium aus Siemens und Nokia geliefert wurde.

    Ob sich mit Zensur, Manipulation, Einschüchterung und nackter Gewalt allerdings ein Volk von seinem Bestreben nach Machtwechsel beeindrucken lässt, wage ich ernsthaft zu bezweifeln.

    Der Ausspruch “Wir sind das Volk” hat damals ja auch die Runde gemacht — ohne Twitter und Co — aber dafür mit historisch bekanntem Resultat.

  5. Reto Hartinger schrieb:

    ich hoffe dass die Iraner “wir sind das Volk” als Vorbild nehmen. Die DDR-Obern waren aber nie so brutal wie es die Ayathollas sind. Gestern war es anscheinend ruhig.

  6. ThomasK schrieb:

    Ja, das stimmt. Ich kenne die Verhältnisse im Iran zu wenig, um einen Vergleich zu wagen. Man kann nur hoffen.

    Der ZEITGEIST hat ein sehr technisches Gesicht. Und wird durch die gigantische Aufmerksamkeit weltweit zur WELLE.
    “Welle” nicht im Sinne von “politischer Bewegung” oder so, sondern im Sinne der Ereignisse und der Reaktionen darauf:

    1. Facebook steht nun auch auf Persisch zur Verfügung

    2. Google übersetzt nun auch ins Persische (noch als Alpha-Version)

    3. Google-Earth hat die Satellitenbilder von Teheran aktualisiert – Stand 18. Juni. Zitat: “Normalerweise dauert die Bereitstellung neuer Aufnahmen sehr viel länger.”

    (Via G.-News-Suche gefunden)

  7. ThomasK schrieb:

    Sorry für’s Doppelpost aber ich hab da nochmal nachgedacht — angeregt von Euch und leide an “Definitionitis” (welche für mich was von “es versuchen zu verstehen” hat und womöglich klugsch..erischer klingt als sie gemeint ist, denn Widerspruch und Ergänzung ist sehr willkommen!):

    * Flashmob ist ne eher kleine und Randgruppige Aktion einer (wie auch immer) Fangemeinde oder Gruppierung, die sonst keine Rolle spielt und auch keine Aufmerksamkeit bekäme. Nicht immer politisch und selten radikal — dafür eher exzentrisch und spontan mit Hang zum Community-Treffen ist Party.

    *Massenprotest im mindestens 100′000er Bereich und branheisses politisches Thema für Millionen Bürger ist erstes historisches Zeitgeschehen.

    *das wie derzeit ganze im Iran ist das ultimative Zeitenwend-Ding.. Da spielt so viel Geo-Strategie, Geheimdienst-Dunst und Machtpolitik mit hinein dass man den besten Agenten-Thriller mit dem Stoff drehen könnte.

    Man kann da nur aufmerksam die Kinnlade runterklappen lassen, welche Rolle das Internet und konkrete Portale spielen… DAS IST ECHTE CYBER-GESCHICHTE und gleichzeitig “konventionelle Geschichte” !!

    Vermutlich ist das wirklich das Zeichen der Zeit…
    (spätestens seit Obama)

    Cyber- ist aber immer leider auch:

    * Was glauben wir im Internet.
    - Glauben wir was wir glauben wollen?
    - Dann wäre das auch nur ein Verstärker des vielleicht Falschen.
    und
    * Wahrheitsgehalt und Verifizierbarkeit von Information
    und
    * mögliche Interessenlage hinter dem Verbreiten von Information und den damit ausgelösten Emotionen

  8. Hans-Dieter Zimmermann schrieb:

    @ThomasK:

    Cyber- ist aber immer leider auch:

    * Was glauben wir im Internet.

    Die Frage ist IMHO nicht ganz korrekt, sie müsste heissen: Was glaubern wir den Medien an sich?

    Ist es zuverlässiger, wenn ein CNN- oder N24-Reporter an genau einem Ort zu einem Zeitpunkt (am besten zur primetime) seine Kamera laufen lässt und eine einzige Wahrnehmung der ‘Realität’ zeigt bzw. ein Journalist seine punktuelle Wahrnehmung als die ‘Wahrheit’ einer Zeitung verkauft oder wenn zig 100′000 Tweets pro Tag uns erreichen? Sicher, es wird wesentlich komplexer, aber auch die Möglichkeit, sich ein differenzierters Bild zu machen, steigt. Nachprüfen können wir weder die ‘Wahrheit’ des einen noch des anderen, egal ob Holzmedium oder Online. Aber wir neigen gerne dazu, einem uns bekannten Medium, ggf. einem bekannten Reportergesicht, zu glauben, weil es schlichtweg einfacher und bequemer ist. Die Online-Medien verlangen von uns ein erheblich höheres Mass an Medienkompetenz! Das ist der Knackpunkt, insbesondere in der Ausbildung an den Schulen!!!

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