Suchen:

Erfahrungsbericht: Google wave der erste Eindruck

von Daniel Niklaus

Wow! Etwa so waren die Reaktionen auf die Vorstellung von Google wave. Der E-Mail Killer, das nächste grosse Ding – die ultimative Waffe von Google um endgültig die Herrschaft im Internet zu übernehmen. Aber wie ist der erste Eindruck, wenn man wave selbst ausprobiert? Wow! Es könnte wirklich das nächste grosse Ding werden. Aber vorher, hat es noch einige Klippen zu umschiffen.

Der Reihe nach
Google wave macht wirklich Spass. Nach dem einloggen fühlt es sich wie auf dem Präsentations-Video an. Neues Wave eröffnen, Text scheiben und Antworten abwarten. Weil man aber in der aktuellen Beta-Phase (noch) niemanden kennt, sind die Frage etwa dieselben, wie wenn man mit 16 Jahre ohne Englischkenntnisse in London steht: “hat’s hier auch Schweizer?”. Tatsächlich, die meisten Fragen der Beta-Tester erinnern an die ersten IRC-Chat Gespräche. “Testing”, “Hi there” oder “Nederlandse wave”. Noch weiss keiner recht, wie er wave nutzen soll. Aber das Potential sieht jeder.

Wie funktioniert Google wave?

Es ist wie ein E-Mail
Ich habe meine Kontakte, eine Inbox und versende ein wave mit CC an mehrere Personen. Zum Beispiel mit einer Einladung für einen Kinoabend.

Es ist wie ein Doodle
Meine Freunde können gleich darauf antworten. Weil ich eine Umfrage einbaute, sehen auch gleich alle, wer kommt.

Es ist wie ein Skypechat
Weil man nicht nur anhacken kann, wer wann kommt, sondern in Realtime sieht, was die anderen sagen, chattet man 1:1 und bestimmt, welches der Film der Wahl ist.

Es ist wie ein Twitter
Hat der Film gefallen, gebe ich in meinem eigens angelegten Twitter-wave ein Statement ab und alle meine anderen Freunde sehen dieses.

Es ist wie ein Blog
Sobald ich etwas mehr Zeit habe, schreibe ich in meinem wave-blog, der den alten Blog ablöste, einen Beitrag dazu.

Es ist wie ein Forum
Die Antworten funktionieren ebenfalls über ein wave. Sogar noch besser, weil es eine Mischung aus Realtimechat und Forum ist.

Es ist wie ein delicious
Weil ich hier alle guten Kinolinks wie tch.ch speichere ;-)

Ist Google wave auch etwas Eigenes?
Nerds und Journalisten fallen gerne auf die Konvergenzfalle herein. Also ein Gerät das alles in einem kann. So wie das iPhone; Telefonieren, Fotografieren, TV, Surfstation, E-Mail, Routenplaner und vieles mehr. Das fasziniert und ist eine Story wert. Tatsache aber bleibt, die Konsumenten bevorzugen spezialisierte Programme und Geräte. Sie ziehen den eigenen Fotoapparat der Handykamera vor, behalten den TomTom und gespielt wird doch lieber mit dem Handheld, so wie ein E-Mail auch später am Computer geschrieben werden kann. Darum muss Google wave ebenfalls etwas eigenes sein. Ist es das? Ohh JA!

Google-wave für die Projektabwicklung
Was haben wir nicht schon alles ausprobiert, um Kundenanfragen und -wünsche in Webprojekten Meister zu werden. Die Anfragen kommen per E-Mail, am Telefon oder wenn man vor Ort eine Besprechung hat. Also rein in Checklisten oder ins Extranet oder ins Ticketsystem oder per Google Sheet die Task aufgelistet oder mit Confluence also Wiki, E-Mail & Co. Irgendwie ist nichts davon befriedigend. Weil alles mit viel Aufwand verbunden ist, Inhalte müssen kopiert, sortiert und priorisiert sein und meistens ist dann doch die gute alte Kopfarbeit gefragt. Google wave könnte die Erleichterung sein. Ich sehe grosses Potential, dass wir aus dieser Mischung von E-Mail, Forum und Wiki die Zusammenarbeit mit dem Kunden und innerhalb der eigenen Firma massiv erleichtern. Dies wird eine der ersten Funktionen sein, wo wir Google wave integrieren.

Unternehmens-Wiki? Google-wave
Ich finde Wikipedia toll, aber Unternehmenswiki haben mich noch nicht allzu sehr begeistert. Wie bei der Projektarbeit finde ich die Einstiegshürden zu hoch und für die User sind sie zu umständlich. Die wave Vereinfachung könnte auch die Unternehmens-Wikis ablösen. Dasselbe mit Bedienungsanleitungen. Vor einiger Zeit erstellte ich für unsere Software DEMANDIT ein Wiki. Gepflegt wird es wenig. Weil es umständlich ist, sind immer noch viele Tipps, Hinweise und Anleitungen in Worddokumenten abgelegt. Auch hier sehe ich in Google wave eine echte Alternative.

Noch viele Möglichkeiten mehr
Onlinegames mit einem Bot oder Bots die mit Fragen von wave zu wave surfen und dann die Antwort zurück bringen (ja, ja, ein alter Traum…). Ein wave kann auch gut in die eigene Software eingebettet werden, damit die User untereinander kommunizieren und sich gegenseitig helfen. Google wave gilt es zu entdecken. Es ist keine DB, aber auch kein losses E-Mail. Es ist ein neues, gutes Zwischending.

Und ein Ökosystem?
Jede erfolgreiche Technologie benötigt ein Ökosystem. Der Erfolg des iPhones beruht darauf, dass viele Leute Geld verdienen oder einen Prestige-Gewinn haben. Sei dies nun der Telefonprovider, der sich höhere Einnahmen verspricht und das iPhone intensiv vermarktet, der Programmierer, welcher sein App bei 100’000 Kunden installiert sehen will oder die Zeitung, die mit einem eigenen App User gewinnt. Genauso braucht auch wave ein Ökosystem. Mit der offenen Plattform legte Google die Grundlage dazu. Zum Beispiel den wave-Dienst selber als Serverversion anzubieten. Wave läuft nicht nur bei Goolge. Bluewin, ein speziallisierter Provider oder Amazon webservices können in die Hose steigen und wave vermarkten. Anwendungsschreiber integrieren kleine Applikationen für Google wave, welche alle Nutzer einsetzen können oder so wie wir das machen werden, wave in das eigene Intranet einzubauen, damit die Kunden und wir die Anfragen und Wünsche in Zukunft dort platzieren.

Wie ausgereift ist wave?

Noch ist es buggy. Abstürze sind an der Tagesordnung und alles verhält sich ein wenig Zähflüssig. So wie es sich für eine ordentliche Beta gehört – beruhigend zu sehen, dass auch Google diese Probleme hat. Wenn Google im Herbst mit wave auf den Markt will, können sie entweder zaubern oder sie haben im Hintergrund eine Version, die schon viel weiter ist. Egal was die wahre Antwort ist, die grosse Herausforderung für Google wird im Erfolg von Google wave selbst liegen. Sie sind keine kleine Firma mehr, die mit wenigen Usern startet und dann Schritt für Schritt wächst. Wenn sie loslegen, werden Millionen Google wave stürmen und Traffik verursachen. Diesen Ansturm in den Griff zu bekommen, benötigt aus meiner Sicht eine Meisterleistung.

Wo Licht ist, ist auch Schatten
Ist wave ein Erfolg, erhält Google noch mehr Macht im Internet. Google weiss noch mehr über uns und die User. Der Erfolg könnte Google dereinst gefährlich werden. Mit wave betritt Google ein neues Zeitalter. Wie einst IBM und Microsoft wird der grösste Konkurrent nicht mehr ein Mitbewerber sein, sondern das Kartellamt.


yigg this! yigg this!save to del.icio.us save to del.icio.us

5 Kommentare zu “Erfahrungsbericht: Google wave der erste Eindruck”

  1. Google Wave – "Everything’s shiny, Cap’n. Not to fret!" Ein kurzer Preview schrieb:

    [...] berichte nicht über das, was Wave vermutlich sein könnte, sondern über das, was es derzeit ist und gerade (ohne Fehlermeldung) klickbar ist. Eine sehr [...]

  2. Google Wave – der erste Eindruck der Preview » Gel B Log schrieb:

    [...] Einen weiteren ersten Eindruck gibt es hier. [...]

  3. Erste Eindrücke zu Google Wave « gravima >> Agentur für Gravitationsmarketing schrieb:

    [...] Erfahrungsbericht: Google wave der erste Eindruck von Daniel Niklaus [...]

  4. Rudolf Bösiger schrieb:

    gehört zu den bemerkenswerten erlebnissen des internet-alltags. da spült es mir diesen wirklich guten bericht über wave in den reader – immerhin etwa zwei jahre zu spät und nachdem wave schon lange geschichte ist – und nach der lektüre fragt man sich, warum es so gute dinger wie wave es einfach nicht schaffen – selbst wenn sie vom absoluten marktdominator abstammen.

  5. Reto hartinger schrieb:

    Die antwort findest du auch hier im blog wir baben einige posts zu wave

Schreibe einen Kommentar

*Required
*Required (Never published)
 

Recent Artikel

Recent Kommentare

Letzte Trackbacks