Das Auge liest mit
30. August 2009
Was der Koch weiss, kennt die Werbung schon lange. Richtig angerichtet, schmeckt das Essen gleich doppelt gut. So sieht das Geschnetzeltes Zürcher Art richtig fein aus – auf den ersten Blick. Wenn auch bei diesem Link das Resultat zu wünschen übrig lässt, ein leicht lesbarer Text, der mit den besten Tipps vom Schreibcoach geschrieben wurde, muss richtig angerichtet werden, damit der Text sein gesamtes Bouquet entfaltet.
Mit einfachen Gestaltungs-Regeln helfen wir dem Leser unseren Text aufzunehmen und machen in “gluschtig” auf mehr. Die Gestaltungs-Regeln schaut man sich am Besten bei Zeitungen und Zeitschriften ab. Mehrere Jahrhundert Erfahrung mit Papier nützt auch im Web. So leite ich meine Blog-Beiträge mit einem Einleitungstext in Fett ein. Für den Leser ist dies das Zeichen: “Wenn ich nur das lese, weiss ich, um was es geht”. Wie bei einem Blinde-Date kann er sich auf einen kurzen “Testlauf” einlassen und entscheidet erst dann, ob er weiterlesen möchte.
Titel und Absätze erleichtern das Scannen
Setzen Sie regelmässig Überschriften und Absätze. Dass ist wie ein Salat mit mundgerecht geschnittene Blättern. Worte wirken leichter und das Sättigungsgefühl setzt erst später ein. Diese Leichtigkeit unterstützen Sie auch mit einem erhöhtem “Durchschuss” also der Zeilenhöhe. Die Abstände jeder Zeile nach oben und unten, sollte mindestens 150% der Schriftgrösse betragen, weil Weissräume das Lesen erleichtern.

Verwenden können Sie dazu line-height: 150%; em, pt oder auch px. Warum der Einsatz von em empfehlenswert ist, erfahren Sie hier. Die Titel helfen dem Leser auch zu verstehen, was er gleich lesen wird. Achten Sie darauf, wie Sie der nächste Titel darauf vorbereitet, was Sie im folgenden Abschnitt lesen werden.
40-60 Buchstaben und dann: neue Zeile
Ist Ihnen schon aufgefallen, dass sämtliche Zeitungen ihr Layout in mehrere Spalten aufteilen? Machen Sie einmal den Selbsttest. Maximieren Sie ihr Browserfenster und lesen Sie diesen Text über die Typografie. Etwa in der Mitte stoppen Sie und verkürzen das Fenster in der Breite. Der Leseteil soll etwa so breit wie der bei der NZZ oder dem Blick sein (das sind ca. 50 Zeichen pro Zeile). Fällt Ihnen auf, um wie viel einfacher Sie jetzt den Text lesen? Ihr Auge findet die nächste Zeile schneller, ihr Hirn bekommt die Wörter in freundlich, kurzen Happen präsentiert. Ein einfacher Trick – der wirkt.
Für Ü40
Alterssichtigkeit ist eine Sehschwäche, die sich bei den meisten Menschen ab dem 40. Lebensjahr einstellt und eine Folge der natürlichen Alterung ist. Diese führt dazu, dass die Linse des Auges die für das Scharfstellen der Bilder erforderliche Flexibilität verliert. Die Symptome sind ähnlich wie bei Kurzsichtigkeit: Bücher, Zeitungen und andere Texte sind verschwommen und nicht mehr ohne Sehhilfe zu lesen – das ist der Moment, wo die Arme immer länger werden, damit die Zeitung gelesen werden kann. Weil Monitore aber nicht an den Armen gehalten werden, sollten wir beim Design darauf achten, grössere Schriften zu wählen – auch wenn kleinere Schriften edler wirken.
Kontrast – aber das ist doch Gelb
Hellgrau auf Weiss…Weinrot auf Schwarz…Vielleicht sieht das auf dem gedruckten Papier toll aus. Womöglich hat der Designer auf seinem Bildschirm eine Farbkombination gewählt, die fantastisch wirkt. Doch dann ruft der Kunde an: “Hallo, dieses Orange ist hässlich”. Dabei hat man doch ein Gelb gewählt?! Regel Nr. 1 da draussen hat es Millionen Monitore und jeder ist ein Individualist. Die einen sind altersschwach und blass, die anderen falsch eingestellt und wiederum andere spiegeln wie die Hölle und mit ein wenig Lichteinfall ist gar nichts mehr zu erkenne. Vergessen Sie alles, was Sie an Farbe so schön designen, es sieht auf jedem Monitor anders aus. Was auf Ihrem Monitor noch gut zu lesen ist, kann beim nächsten schon fatal unleserlich sein. Stellen Sie Ihren Notebook neben Ihren Hauptcomputer, öffnen Sie bei beiden dieselbe Website und Sie sehen, was ich meine.
Überprüfen Sie den Farbkontrast
Und wie finden Sie jetzt heraus, ob Sie einen guten Farbkontrast wählten? Auch hier hilft uns wieder einmal der Computer (Computer haben schon immer geholfen, Probleme zu lösen, die wir ohne sie nicht hätten). Snook.ca hält einen Contrast Check bereit. Sie geben die Vorder- und Hintergrundfarbe ein und Sie erhalten die Helligkeit- und Farbdifferenz mit einer Empfehlung was gut und was ungenügend ist.
Wer tiefer in die Wahrnehmungspsychologie und Typografie tauchen will, ein guter Startpunkt ist www.kommdesign.de.




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