27′000 Franken für richtige Rechtschreibung
Heute erhielt ich ein Mail: “währe toll, wenn du mir asap die mail bestätigen kannst”. Den Einen sticht das h in währe in die Augen und stören sich ab dem kleinen m in Mail. Andere werden beides übersehen, weil sie mit der Rechtschreibung und der Grammatik auf Kriegsfuss stehen. So wie ich auch. Und das ausgerechnet in einer Zeit, wo man wahrscheinlich mehr schreibt als je zuvor.
Kurz ein Tweet, ein SMS, ein Blogeintrag oder eine Mail. Ums Schreiben kommt man heute fast nicht mehr herum. Meine Grossmutter behielt Recht: “eines Tages wirst du dir wünschen, in Deutsch besser aufgepasst zu haben”. Wie Recht sie hatte, durfte sie nicht mehr erleben. Vor einigen Jahren verlor ich einen Auftrag über 27′000 Franken, weil der Auftraggeber mich zu einer schnellen Offerte drängte und das Angebot nicht mehr durch die externe Rechtschreibekontrolle lief. So besprach die GL beim Kunden zwei gleichwertige Angebote und entschied sich für den Mitbewerber. Der Einwand eines GL-Mitgliedes: “Wenn die beim Umsetzen so viele Fehler machen, wie im Angebot…”. Für mich der Auftakt ein paar Kurse in der Klubschule zu buchen, mir ein Word-File mit Rechtschreiberegeln zuzulegen und Leute zu bitten, mir meine Fehler zu sagen.
Wisdom of Crowds / die Weisheit der Vielen
Eigentlich müsste heute jeder gut schreiben können. Denn wer einen Text schreibt, hat meistens einen oder mehrere Empfänger. Dieser Eintrag wird bestimmt von mehr Leuten gelesen, die besser schreiben können als ich oder zumindest den einen oder anderen Fehler finden, welchen* ich nicht sehe. Es wäre ein leichtes mich darauf aufmerksam zu machen. Jedes Mal würde ich etwas dazu lernen und irgendwann könnte ich es besser. Nur macht das niemand. Das (mit einem oder zwei s?) ist einem unangenehm. Genauso unangenehm wie es mir war, den Kollegen auf seinen wä(h)re Fehler aufmerksam zu machen. Dabei hätte ich 27′000 Franken mehr verdient, wenn ich besser hätte schreiben können. Wäre es nicht toll, einem Freund oder einer Freundin zu 27′000 Franken zu verhelfen? Tun Sie das!
Verhelfen Sie Ihren Freunden zu 27′000 Franken
Vergessen wir doch einmal die Peinlichkeit, jemanden auf einen Fehler aufmerksam zu machen und sehen wir es als eine gute Tat an. Wenn Sie die nächste Woche Fehler in Mails, Tweets, Blogs oder sonst wo sehen. Senden Sie ein diskretes E-Mail:
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Lieber XY
Ich möchte dir 27′000 Franken schenken. Mir ist ein Rechtschreibefehler bei dir aufgefallen. _________. Üblicherweise hätte ich geschwiegen, aber auf diesem Blogbeitrag lernte ich, wie teuer solche Kleinigkeiten sein können. Weil ich dir die 27′000 Franken gönnen mag, mein kleiner Tipp: schreibt in Zukunft _________.
Liebe Grüsse
Das mir der Fehler mit wä(h)re aufgefallen ist, verdanke ich Reto. Er schrieb mir vor ein paar Jahren: “Dani, wäre schreibt man ohne h”. Ich bin im heute noch Dankbar. Seien Sie ein(e) Pfadfinder(in), jeden Tag eine gute Tat.
* kleiner Trick, eigentlich wollte ich den schreiben, war mir aber nicht sicher ob mit einem oder zwei n, deswegen wählte ich welchen.



Reto Hartinger schrieb:
Dani jetzt bringst du mich aber echt in Verlegenheit. Meine Blogpost und Mails haben mehr Fehler als Buchstaben. Ich hacke das schnell rein und so ergeben sich neben den vielen Fehlern die ich sonst mache auch noch viele Flüchtigkeitsfehler. Das Durchlesen würde mich genau so viel Zeit kosten wie das Schreiben selber und ich hätte dann erst die Hälfte der Fehler korrigiert.
Ja ich kann mich sogar noch sehr gut an dieses ominöse Mail erinnern. Inzwischen schreibst du viel besser als ich. Gratuliere. Auch dein Schreibstil ist super. Ich konnte früher nie verstehen, dass jemand der so gut sprechen kann keine besseren Texte schreiben kann. Ich schätze deine Posts sehr – inhaltlich, im Aufbau und im Stil.
Kommentiert am 22-Aug-09 um 2:29 am | Permalink
ThomasK schrieb:
Bei so viel Selbst-Erkenntnis darf ich nicht fehlen. Ich hab ne Sauklaue, ne Sautippe und ich mal mich fast immer versehentlich an, sobald ich einen Stift in den Pfoten hab.
Fehlerquellen (speziell bei Posts):
* Ich schreibe den Beitrag nicht in einem Zug sondern nebenher. Dann fange ich an mit Copy-Paste und Umformulierungen – am Ende stehen dann Sätze, die so keinen Sinn machen und grammatisch Falsch sind –> kaputt-editiert.
* Ich schreibe zu schnell und lese nicht gründlich genug drüber.
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Für mich sind Kommentare eher REDEN als SCHREIBEN!
Ich denke dass gerade viel-Schreiber oft davon betroffen sind, dass die Finger irgendwie nicht mehr nachkommen und dann sehr gerne auch Buchstabendreher drin sind. Am leibsten bie den Diphthongen :-)
Man sollte sich eine Korrektur-Instanz einrichten, wenn es drauf ankommt.
Wenn ich z.B. Texte für Printanzeigen erfasse, die ich setze, dann markiere ich sogar den Teil, den ich getippt habe auf dem Ausdruck. Für denjenigen, der das korrigiert (darf auf ne Praktikantin sein).
Überhaupt habe ich festgestellt, dass viele Frauen da ein regelrechtes Adlerauge für Rechtschreibfehler haben. Man selbst liest seinen Kram mehrfach und sieht nichts – und die Ladies sehen den Vertipper in einer Textwüste im Vorbeigehen… (sollte mir jemand hieraus Sexismus ableiten wollen, dann bitte einen sehr wertschätzenden :-)
Die Versalien am Anfang eines Substantives hat mit die Xing-Gemeinde forsch und besserwisserisch wieder angewöhnt … die gab es bei mir davor so gut wie nicht.
Diverse andere grundlegend die Lesefreundlichkeit fördernde Maßnahmen versuchen diverse User mir auch seit geraumer Zeit beizubringen.
Hachja: einer noch speziell für die Schweizer: ich bekomme wirklich nicht selten Texte, die ins Web sollen, die ich dann mit ßen anreichere. Es gibt nicht wenige (KMU-Chefs) die meinen, es gäbe kein ß mehr im Deutschen seit der Rechtschreibreform. Und der Dativ ist ja sowieso dem Genitiv sein Tod!
Für mich sind Posts / Kommentare eher REDEN als SCHREIBEN!
Viel Schlimmer als Vertipper ist chronisches Denglisch und überzogene Selbstdarstellung!
Wenn ein Vortrag nur die Message hat, dass man ehrfürchtig anerkennen soll, dass der Speaker seine Leadership-Position inne hat und mächtig viele Akronyme und -ing-Worte kennt und somit angsterregend kompetent ist, dann kann man sich den Vortrag auch schenken!
Auf die Absicht kommt es an und den Inhalt.
Und DESWEGEN schätze ich dieses Blog hier und fast alle seine Beiträge und Kommentare. Hier ist weder Besserwisser-Kindergarten noch die komplette “Fütter-mein-Ego”-Selbstdarstellung angesagt. Wobei viele Sachen mehr Kommentare verdienen :-)
Wer Rechtschreibfehler findet darf sie behalten und in die Sammlung kleben!
Kommentiert am 22-Aug-09 um 1:09 pm | Permalink
Reto Hartinger schrieb:
:-)
übrigens – ich habe mit der Druckerei Schellenberg gearbeitet, weil diese ein Lektorat hat – im Preis inbegriffen. Wir haben unsere Prospekte sicher 5 Mal gegenlesen lassen und dann hat Schellenberg Druck im Lektorat immer noch 20 Fehler gefunden. Z.B. auch inkonsistente Schreibweise.
Kommentiert am 24-Aug-09 um 10:32 am | Permalink
Daniel Niklaus schrieb:
War ja kein Artikel um Komplimente zu fischen, aber danke.
Thomas, ich habe nicht einmal eine Ahnung, wann das ß eingesetzt wird. Bei uns in der Schweiz gibt es dieses Teil gar nicht. Da haben wir uns im Vergleich zum Denglisch durchsetzen können.
Kommentiert am 24-Aug-09 um 10:48 am | Permalink
ThomasK schrieb:
Mit dem ß im Alphabet kann man aber ein paar mehr Unterscheidungen treffen.
“Ich trinke Bier in Maßen” vs. “ich trinke Bier in Massen”
Wenn ich hierzulande Busse bekomme, bin ich froh, dass sie mir nicht vor der Nase weggefahren sind. Wenn ich in der Schweiz Busse bekommen sollte, dann tue ich Buße.
“ß” kommt vereinfacht gesagt nach Dehnlauten wenn man den S-Laut scharf ausspricht. Ein “ss” verleitet den Deutschen dazu, den Vokal sehr kurz auszusprechen.
Diese Ligatur gibt es im übrigen auch seid 2008 auch offiziell als VERSALIE im Deutschen. Das ist alleine deswegen skurril-witzig, weil so gut wie kein Font das Ding kennt — und man es per Tastatur gar nicht tippen kann. Immerhin findet es sich im Unicode wieder.
Sollte also eines Tages mal ein besserwisserischer Landsmann (von mir) einen von Euch beklugshicen, was “ss” und “ß” angeht, so lasst ihn einfach mal das Wort “GROẞBUCHSTABEN” nach aktuell gültiger Rechtschreibung tippen oder schreiben. hehe…
Spätestens hier wird dann klar, dass man eine Schriftsprache mit ausreichend Reformen und Sonder-Regelungen und Ausnahmen von diesen zielgerichtet veranarchisieren kann.
Mir sind Fälle bekannt, wo in der Druckvorstufe das Große “ß” notwendig wurde und der arme Gestalter das Ding selbst als Vektorgrafik bauen musste – anhand des “B” – und dann als Grafik in den Fließtext exakt einpasste.
Konsequent wäre die Rechtschreibreform dann gewesen, wenn sie das Teil abschaffte – aber das wäre dann damals eine Art Konjunkturpaket für die Straßenschilder-Innung gewesen. Die haben aber nicht so ne gute Lobby wie die Investment-Banker also kam heraus was herauskommen musste – ein Kompromiss.
Die FAZ verweigerte sich der “neuen” Rechtschreibung ebenso wie Schleswig Holstein in seinen Schulbüchern.
Macht aber nix:
die kiddies von heute schreiben aber eh klein und ohne punkt und komma und wirken dabei noch hyperaktiver als man es von sich selbst kennt.
dafür können die flink simsen und twittern und sich auf ein paar bytes beschränken und dabei irgendwie cool rüberkommen.
Dem wiederum verweigere ich mich. ß-Verweigerung find ich auch nicht uncool — denn wirklich massiv brauchen tut man das Zeichen nicht. :-)
Kommentiert am 25-Aug-09 um 8:39 pm | Permalink
ThomasK schrieb:
PS: haha – siehe oben – hier fehlt die Vorschaufunktion. Dann eben GROSSBUCHSTABEN statt der Unicode-Entitie.
Reto: Dann war die Druckerei aber gut und hat es gut gemeint. Dieser Service ist keine Selbstverständlichkeit!
Kommentiert am 25-Aug-09 um 8:42 pm | Permalink
Reto Hartinger schrieb:
mich nervt dass man Sie nicht mehr gross schreiben soll. Das kann zu Missverstädnissen führen. Drum verwende ich es auch noch.
Aber sonst hat die neue Rechtschreibung schon was gebracht. Ich allerdings verwende die ganz neuen deutsche rechtschreibung. und das konsequent.
Kommentiert am 25-Aug-09 um 11:04 pm | Permalink
Internet Briefing Blog / Leichtlesbar.ch – der Selbsttest für Texte schrieb:
[...] wird nicht nur die Rechtschreibung überprüft. Nein. Der Blick überarbeitet, optimiert, komprimiert und superlativisiert was ihm die [...]
Kommentiert am 26-Aug-09 um 12:33 am | Permalink