Der Softwaremarkt ist ein Beispiel eines “natürlichen Monopols”. Das Spezielle an diesem Markt ist ja, dass die Produktkosten praktisch nur aus fixen Kosten bestehen: Was wir bezahlen sind die Entwicklungs- und die Marketingkosten – Eine einzelne Lizenz zu “produzieren” ist nur ein Kopiervorgang und kostet nichts. Deswegen sind die Gesamtkosten etwa dieselben, ob die Software nun 1000 mal verkauft wird, 1 Million mal oder gar nicht.
Wie würde zum Beispiel der Automobilmarkt aussehen, wenn er nach den gleichen Regeln funktionierte wie der Softwaremarkt? Das hiesse dann also, dass ein Autoproduzent alles Geld in die Entwicklung und das Marketing eines Modells investiert. Und wenn der Produzent ein erstes Modell entwickelt hat, könnte dieses ohne Kosten identisch “kopiert” werden. Was wäre das für ein Markt? Und was wären da die erfolgreichsten Strategien der Autoproduzenten?
Ein Produzent, ein Modell
Um die Kosten zu minimieren würde erst mal jeder Produzent die Anzahl der Modelle minimierne, welche er entwickelt – dafür aber für eine möglichst breite Käufergruppe, indem er möglichst viele Extras in das Modell reinpackt: Schnell und sportlich wie ein Ferrari, Sicher wie ein Mercedes und bequem wie ein Rolls-Royce. Und mit allen denkbaren Zusätzen: Minibar, top Musikanlage, TV, Boardcomputer, Traktionskontrolle, rundum Airbags etc etc
Und der Markt würde in einem Monopol enden: Denn die eine Firma mit dem besten und günstigsten Modell (nennen wir sie “MacroCar”) wird den besten Absatz haben, und wiederum mehr in Forschung & Marketing investieren können, und noch besser werden … oder vieleicht doch nicht? Firmen ohne Konkurrenz entwickeln ja nicht mehr weiter. Dann wahrscheinlich langfristig eher in einem Markt mit 2 Konkurrenten: MacroCar mit etwa 90% Marktanteil (denn für die Masse ist das billigste mit allen Features gut genug), und einem kleineren Challenger mit vieleicht 10% Marktanteil (für die “Elite”) -
Aber wie kriegt man das Monopol?
Software hat ja, im Gegensatz zum Auto, eine hohe Einstiegsbarriere: Es braucht oft viel Übung um sie gut & effizient zu bedienen. Und wenn man eine gut bedienen kann, heist das noch lange nicht, dass man andere auch bedienen kann. Also muss man die Leute an seine Software gewöhnen. MacroCar kann natürlich Autos (um wieder auf das Beispiel zurückzukommen) gratis verschenken, zum Beispiel an Studenten und hoffen, dass diese später die selben Autos kaufen. Dann macht MacroCar sich aber ev den eigenen Markt kaput: Was nichts kostet ist nichts wert. Und die Studenten könnten ja ihre gratis Kopien auch weiterverkaufen oder verschenken.
Eine erfolgreichere Strategie wäre zum Beispiel die Folgende: MakroCar produziert Autos, und lässt diese offen auf dem Fabrikareal stehen – mit Zündschlüssel, und ohne abzuschliessen. In der Nacht würden dann junge Leute vorbeikommen und Autos “mitnehmen”. MacroCar würde dann Pressemitteilungen machen, dass dies nicht erlaubt sei (man will ja glaubwürdig bleiben), und Schilder anbringen mit der Aufschrift, dass das stehlen von Autos strengstens verboten sei. Einen Zaun oder so würde MacroCar natürlich nicht montieren, und rechtliche Schritte nur “gegen unbekannt” einleiten.
“Stehlen lassen” als erfolgreichste Strategie?
Das “Stehlen” der Autos würde dann weitergehen und MacroCar hätte bald eine gute Verbreitung im Zielsegment erreicht. Ein paar wenige “ehrliche” würden natürlich bezahlen, und so hätte man auch einen gewissen Umsatz.
Wenn Dann Firmen vorbeikommen, um Autos für ihre Angestellten in grossem Stil mitzunehmen, macht MacroCar erst mal auch nichts. Erst später, wenn das Auto fast ein Monopol ist, und Alternativen fehlen, beginnt MacroCar dann, den Umsatz zu steigern: Firmen, welche gestohlene Autos einsetzen, werden “sehr nett” kontaktiert. MacroCar macht die Firmen darauf aufmerksam, dass die Autos gestohlen sind. Wenn sie alle diese nun bezahlen, wird MacroCar jedoch auf strafrechtliche Schritte verzichten …
In Zukunft alles gratis?
Wird dieser Markt nun zusammenbrechen mit dem Web 2.0, und alle Software gratis sein? – oder wird es eine neue Welle von bezahlter Software geben, sobald grosse Firmen voll auf das Web setzen?