Mehr Leser – bei Zeitungen
Die Presse ist gefragt wie nie zuvor: 92,4% der Schweizer lesen regelmässig eine Zeitung – so viele wie noch nie. Ob Sonntags- oder Tagespresse, ausser dem Blick legen beinahe alle zu. Wie geht das, wenn doch alle Internetianer die Zeitungen für eine sterbende Spezies erklären?
Der Abgesang auf die Printwelt ist in der Bloger-Welt laut.
Zeitungssterben nächste Runde
In 10 Jahren gibt es keine Tageszeitungen mehr
Warum Zeitungen sterben und Zeitschriften überleben werden
Wenn in den USA das Zeitungssterben auch drastisch ist. So scheinen wir in der Schweiz eine andere Situation zu haben. Bitte behaftet mich nicht auf die genauen Zahlen*. In der Schweiz haben wir ca. 700 Journalisten auf eine Million Einwohner. In den USA sind es knapp 200 auf eine Million. Vielleicht gehen unsere Verleger mit dieser Manpower erfolgreicher vor als ihre Freunde in den USA. Ich bin durchaus der Meinung, dass die Verleger längst im Onlinegeschäft angekommen sind. Dazu verteidigen sie ihr angestammtes Geschäft ebenfalls erfolgreich. Statt Ewig über die unfähige Printwelt zu motzen, sollten wir uns besser darauf konzentrieren, wie wir ebenfalls zu 92.4% Nutzung kommen oder den bestehenden Internet-Usern ein noch besseres Angebot bieten.
Ich bin nämlich unsicher, welches Sprichwort besser passt: Hochmut kommt vor dem Fall oder totgesagte leben länger.
* Die Journalisten-Zahlen hatte ich von einer DRS 2 Sendung. Ich erinnere mich aber nur noch an die Grössenordnung. Ein Journalist hätte für eine Zeitungsbericht die DRS 2 Sendung nachgehört, damit er die richtigen Zahlen publiziert. Ein Bloger nimmt sich diese Zeit womöglich nicht. Recherche gehört zum Qualitätsjournalismus und unterscheidet das private Schreiben vom Profi-Schreiben.



Patrick Stähler schrieb:
Lieber Daniel
Das hatte ich mir schon gedacht, dass jetzt diese Blogs kommen. Es ja alles nicht so schlimm. Es ist viel schlimmer als die WEMF Zahlen es sagen.
Montags- und Dienstagsausgaben verkaufen sich ganz schlecht. Mittwoch ist noch mässig und ab Donnerstag wird die Zeitung wieder richtig gelesen. So was steht nicht in den Studien. Samstag und Sonntag sind dann die wirklichen Zeitungstage. Da wird gelesen.
Und im Online sind die Verlage angekommen? Stimmt. Sie haben einfach ihr klassisches Inhaltsmodell auf die neuen Medien übertragen, freuen sich über grosse Reichweite, stellen aber entsetzt fest, dass sich Reichweite nicht montitarisieren lässt, wenn man für jeden alle Inhalte anbietet.
Das kostet und man hat nur Leser, die kein vermarktbares Interesse haben ausser dass sie gerade einen Artikel lesen. Blöd ist auch, dass die Rubriken sich komplett von den Online Zeitungen verabschiedet haben. Man muss keine Zeitungsseite betreiben, um im Rubrikengeschäft dabei zu sein. So was verwässert nur die Marge. Und leider zahlt der User nicht.
Die Lösung: Die Zeitungen konzentrieren sich wieder auf das, was auf Papier am besten geht. Das kann bedeuten, dass wir fast keine News mehr in den Zeitungen haben, sondern nur Einordnungen/Analysen. Der Economist hat seine Auflage um 100% in den letzten 10 Jahren gesteigert. Warum wohl? Bestimmt nicht wegen der News.
Auch wird die “Tages”zeitung nicht mehr täglich erscheinen. Vielleicht Dienstag, Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag. Andere Modelle wie die Gratiszeitungen haben gesehen, wann die Leser Zeit haben zum Lesen. Und so sind die Pendlerzeitungen entstanden, die kostenlos sein mussten, da sonst die Distribution nicht funktioniert hätte. Das alte Geschäftsmodell der Zeitungen ist tot, aber wenn sie schauen, was das Medium Papier besser macht als Online, dann werden sie ihren Markt finden. Aber Tradition ist kein Geschäftsmodell.
Gleiches gilt aber auch für die Online-Presse. Für alles zu stehen wird sich nicht durchsetzen. Die beste Lokalberichterstattung, die besten Kommentare über Bundes-Bern Ja, aber von allem etwas Nein.
Kommentiert am 09-Sep-09 um 10:31 am | Permalink
Internet Briefing Blog / Vom Verlags- zum Medienhaus schrieb:
[...] antworte Dani Niklaus Replik auf mein Zeitungssterben Post nicht ein einem Kommentar sondern mit diesem [...]
Kommentiert am 09-Sep-09 um 12:22 pm | Permalink
Daniel Niklaus schrieb:
Was meine ich, wenn ich sage: die Verleger sind längst im Onlinegeschäft angekommen
100 Millionen investierte die Verlagsgruppe Holtzbrinck vor zwei Jahren, um sich in das reichweitenstarke StudiVZ zu kaufen. Weniger – dafür strategisch cleverer – investierte die RTL Gruppe in wer-kennt-wen.de.
Auch in der Schweiz investieren Verleger Millionen in viel versprechende Angebote. Wer nicht schnell genug auf den Bäumen ist, wird vom Tagi gekauft: search.ch, tillate.com, homegate.ch, zattoo, jobsuchmaschine.ch…Ringier kaufte sich bei Scout und Mediaswiss ein (wir haben beide dieselbe Meinung zu Gate)
Damit sind die Verleger als Gruppe massiv stärker aufgestellt, als irgendeine andere Branche und starke Internetmarken finden wir auch fast keine mehr.
Den Zeitungsmarkt so lange wie möglich zu melken, womöglich mit Ansprüchen an Google zu verteidigen, mag keine schöne Taktik sein, aber sicher eine verhältnismässig Erfolgreiche. Porter hat da bestimmt dem einen oder anderen zugewunken.
Kommentiert am 09-Sep-09 um 2:15 pm | Permalink
Patrick Stähler schrieb:
Stimme dir überein, dass sie sich viel eingekauft haben, aber ihr Kerngeschäft haben sie nicht mehr im Griff, weder im Print noch online.
Hier fehlt die Anpassung der Inhalts-/Geschäftsmodelle. Die Investitionen könnten genauso gut in einen Venture Fonds erfolgen. Dies ist übrigens die Aussage von einem deutschen Medienhaus, nicht von mir.
Und sehr interessant ist zu sehen, was mit den Perlen passiert, wenn Sie zu grossen Medienhäusern gehören. Sie verdienen gut Geld und werden gemolken, aber Innovationen gibt es nicht mehr.
Kommentiert am 09-Sep-09 um 4:57 pm | Permalink
Daniel Niklaus schrieb:
Die Frage ist, kümmert uns das? Warum halten wir uns mit endlosen Post zum Thema Print verliert, Print gewinnt auf und arbeiten nicht an unseren eigenen Geschäftsmodellen.
Ist es, weil die Printwelt eben Auftraggeber für uns ist und wir hoffen, dass wir unsere Produkte denen verkaufen können?
Selbsterwischt, jetzt halte ich mich auch noch mit dieser Diskussion auf. Der nächste Blog-Post geht wieder um uns – versprochen ;-)
Kommentiert am 09-Sep-09 um 5:28 pm | Permalink