Neun (9!) Lehrpersonen für 22 Schüler
31. Oktober 2009
Letzten Mittwoch organisierte mein Lehrer aus der vierten Klasse einen Elternabend. Als er erzählte, dass heute 9 Lehrpersonen für 22 Schüler zuständig sind, musste ich 3x leer schlucken. Logopädie-, Religion-, Sport-, Sonderwasweissichauchimmerpersonal. Verrückt. Beim Nachzählen fiel ihm sogar ein, dass es 10 sind. Denn für den Schwimmunterricht muss er eine weitere Person mitnehmen, weil pro 10 Schüler eine Aufsichtsperson nötig ist. Verrückt. Da frage ich mich ernsthaft, wie konnte unsere Klasse (26 Schüler) damals mit ihm und dem Religionslehrer alleine auskommen?
Offenbar schlugen Experten, Ämter und Politiker zu. Ich befürchte, wenn das so weiter geht, werden wir in der Schweiz schon bald ein Solariumverbot haben, weil man sich einen Sonnenbrand holen könnte. Tanten benötigen eine Bewilligung, wenn sie die Kinder hüten wollen und Eltern schickt man in einen Erziehungskurs, wenn ihre Kinder über die Stränge schlagen. Verrückt!
Verrückt? Halt da ist doch was
Tatsächlich droht ein Solariumverbot, Bewilligungspflicht für Tanten und Erziehungskurse für Eltern. Bundesbern produziert pro Jahr 5′000 Seiten Gesetze und Verordnungen, um uns zu sagen, wie wir unser Leben zu leben haben. Fürsorgerischer Freiheitsentzug lautet ein Artikel der Zeit, wie die Schweiz zur Gebots- und Verbotsgesellschaft wird. Wir glauben offenbar, alles wird schlimmer. Mehr Jungendkriminalität, mehr Stadionausschreitungen, mehr Autounfälle. Aber das Gegenteil ist wahr. Die Statistiken fallen, nur die öffentliche Wahrnehmung scheint dies nicht zu interessieren. Und das schon eine lange Zeit:
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Die Welt macht schlimme Zeiten durch, die jungen Leute von heute denken an nichts anderes mehr, als an sich selbst. Sie haben keine Ehrfurcht vor Ihren Eltern oder dem Alter. Sie sind ungeduldig und unbeherrscht. Was wir für weise halten, empfinden sie als Torheit. Und was die Mädchen betrifft, sie sind unweiblich in ihrer Ausdrucksweise, in ihrem Benehmen und ihrer Kleidung.
Mönch Peter 13. Jahrhundert
Was hat das jetzt alles mit dem Internet-Briefing zu tun?
Interessiert mich ein Solariumverbot? Oder interessiert es mich, wenn in Thurgauer Wäldern kein Paintball gespielt werden darf, auch nicht in einem privaten Wald? Sicher nicht. Mich betrifft nicht einmal mehr eine Kinderbetreuungsverordnung, “Junior” hat die 18 überschritten…
Es interessiert sich aber auch keiner für “uns”
Wem die Vorratsdatenspeicherung egal ist, wird diese akzeptieren. Wer keine Killerspiele spielt, wird nicht für Killerspiele aufstehen. Und weil sich niemand für die Interessen der anderen “Minderheiten” interessiert, spielen Experten, Beamte und Politiker Gebot und Verordnung munter weiter.
Ausschreibungen für Schulinformatik muss geregelt werden!
So verlangt es die Parlamentarische Gruppe für digitale Nachhaltigkeit.
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Es tauchen immer wieder öffentliche Ausschreibungen auf, die von vornherein nur Angebote auf Microsoft Windows zulassen.
Die Frage wird gestellt, warum nur Windows? Vielleicht, weil die Lehrer damit einigermassen klarkommen und mit anderen Betriebsystemen überfordert sind? Für Beamte mag es toll sein, wenn sie komplizierte Ausschreibungen durchführen dürfen, vielleicht hat sogar der Informatiker Freude, wenn er auf Kosten der Allgemeinheit Neues lernen darf. Aber macht dass Sinn? Bei meinem ehemaligen Lehrer werden heute Mac’s eingesetzt und ich finde das gut. Es ist mir egal, ob Mac, Windows oder Linux. Hauptsache ist, dass die Schule wählt, was sie am Besten im Griff hat. Der Informatiker soll sein Netzwerk unter Kontrolle haben und die Lehrer sollen mit ihren Kenntnissen etwas anfangen können. Wenn sie Gimp kennen, super. Wenn sie lieber Photoshop einsetzen, auch gut. Aber lasst die Schulen doch Bitte selbst entscheiden.
Selbstverantwortung statt Regeln
Denn sonst sind im Klassenzimmer meines ehemaligen Lehrers beim nächsten Elternabend nicht 9, sondern 12 Lehrpersonen im Raum. Ein weiterer für Windows, einer für Mac und einer für OpenSource…










