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Dr. Michael Marth: No SQL please

von Reto Hartinger

Dr. Michael Marth, ich arbeite als freiberuflich als Software Architekt und technischer Projektleiter (marth.software.services, www.marth.ch). Vorher habe ich in diversen kleinen Software Firmen und Startups Development Teams geleitet. Private verfolge ich das Projekt, alle Simpsons Folgen gesehen zu haben und dilletiere in Badminton.

An was arbeitet Du gerade?

Momentan erstelle ich einen Software Store ala iTunes Store für einen weltweit aktiven Schweizer Software-Hersteller. Kunden und Partner werden dort Applikationen, Packages und Komponenten austauschen und später auch verkaufen können. Ich bin als Business Owner und Delivery Manager für Konzeption und Entwicklung verantwortlich.

Welche Technologien behälst Du im Auge?

Spannend finde ich zur Zeit im Datenbank-Bereich die Entwicklung von Alternativen zum relationellen Modell, die sich den Namen “NoSQL” gegeben hat. Dies sind zum Beispiel Modelle wie Key/Value oder Dokumenten-basiert. Hohe Skalierbarkeit ist auch ein Thema in diesem Zusammenhang. Mittelfristig kann NoSQL dazu führen, dass die Infrastruktur, auf der wir all unsere Applikationen bauen, sich sehr von der heutigen unterscheidet.

Ein zweites Thema dass mich interessiert ist das Thema Concurrency in Programmiersprachen. Nach dem Push der dynamischen Sprachen wie Ruby und Python der letzten 3-4 Jahre werden derzeit Sprachen diskutiert, in denen sich Parallelität gut abbilden lässt (z.B. Erlang, Clojure oder Scala). Die Verwendung solcher Sprachen könnte eine Möglichkeit sein, Multicore Prozessoren vernünftig zu nutzen, wenn wir erst mal bei 10, 50 oder 100 Cores angelangt sind.

Gewissermassen als Hobby beschäftige ich mich mit natural language processing, also Techniken, als natürlicher Sprache Informationen zu extrahieren. Automatisches Tagging von Texten ist eine Anwendung dafür. Ich benutze das auf meinen Sideproject minimeme.org .

NoSQL tönt spannend. Kannst Du dessen Vorteile noch genauer
spezifizieren und wo man das einsetzen könnte?

NoSQL ist ja ein Überbegriff, der verschiedenste Technologien umfasst. Aber typisch ist, dass die Data Stores kein oder kein sehr starres Schema haben. Das hat in agiler Softwareentwicklung Vorteile, weil DB Migrationen hinfällig werden. Man meint ja zu Beginn einer Softwareentwicklung gelegentlich, man habe die Requirements jetzt voll verstanden und im Griff. Das ist aber nie so. Schemafreie Datenstrukturen stehen einem dann nicht mehr im Weg, wenn man die Applikation anpassen will.

Was sind Eure grössten Herausforderungen in nächster Zeit?

Die nächste Zeit erwarte ich, dass die IT und Software Welt eher heterogener werden, statt sich zu konsolidieren. Die Herausforderung besteht darin, den Überblick zu behalten und auf die richtigen Pferde zu setzen.

Inwiefern wird die IT und Software Welt eher heterogener? Welches
sind die Winner und Looser?

Die Plattformen werden diversifizierter, es gibt weniger allumfassende Platzhirsche. Bisher waren dies Java, .net und PHP bei den Application Servern. Bei DBs waren es Oracle und MySQL und bei Mobile Devices war es Nokia. Dann tauchten Rails und Python (Django) auf, nun kommen die NoSQL DBs dazu, bei den Mobile Devices Android, iPhone und neue Devices wie der Kindle. Dies sind nur Beispiele. Ich glaube, der Softwareentwicklungsbereich ist in dieser Hinsicht in einer explorativen Phase. Die nächsten Gewinner stehen noch nicht fest.

Wie wird sich der Markt entwickeln. E-Commerce, Investtionen, Innovationen, Start-ups?

Die kurzfristig interessanteste Entwicklung sehe ich in Amazons Cloud Computing, die einen Teil dazu beiträgt, die initialen Kosten für ein Startup gegen Null zu drücken.

Mittelfristig ist Mobile Computing eine Riesensache. Mit dem iPhone ist das Internet endlich wirklich mobil geworden. Diese Entwicklung steht noch am Anfang. Neue Devices werden neue Use Cases erschliessen. Man denke nur an den Kindle.

Als langfristigen Mega-Trend im Internet Bereich sehe ich, dass alle Business- und Consumer-Applikationen als SaaS ins Web wandern. In 10-15 Jahren werden nur noch sehr grosse Firmen Business Software lokal installieren wollen. Dies wird die gesamte Markt-Mechnik im Software-Business ändern.

Ist SaaS schon bei den Kunden angekommen?

Sieh Dir an, wie Google Docs und GMail in Unternehmen verwendet wird. Ich meine, SaaS ist hat einen Brückenkopf zu den Kunden errichtet. Dies ist ein sehr langfristiger Trend, man darf sich hier nicht von kurzfristigen Schwankungen ablenken lassen.


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