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Übung für das Systemdenken in Projekten

von Daniel Niklaus

Warum ist am Ende der Projektzeit oft noch so viel Projekt übrig? Was machen? Manche kommen auf die glorreiche Idee: „Wir stellen mehr Leute für das Projekt zur Verfügung“. Doch damit richten sie oft den grösseren Schaden an. Die bestehenden Projektteilnehmer müssen neue Mitarbeiter einarbeiten. Es geht Zeit mit Kennenlernen, Sitzungen und Abstimmungsdiskussionen verloren. Bis die neuen Mitarbeiter effektiv im Projekt mitarbeiten, ist der Termin längst durch und es brennt an einem anderen Ort, weil dort die Leute fehlen…

Es ist ein wenig wie in der Dusche. Eine Dusche benötigt etwas Zeit, bis das Wasser heiss ist. Der Heisswasserhahn wird immer weiter aufgedreht, weil das Wasser am Anfang kalt ist. Schliesslich kommt kochend heisses Wasser aus der Dusche. Hier fand eine zeitliche Verzögerung statt, die dann oft zur Überreaktion führt. Auch im oben beschriebenen Projekt gibt es die zeitliche Verzögerung. Bis die neuen Mitarbeiter im Projekt drin sind, vergeht wertvolle Zeit. Ressourcenplanung ist darum eine besondere Herausforderung für Projektleiter. In der Softwareentwicklung kann man nicht beliebig neue Leute hinzufügen und erwarten, dass es einen unmittelbar positiven Effekt hat. Im Gegenteil, sie verlangsamen kurzfristig die Projektfortschritte und bringen das gesamte Projekt ins Schwanken.

Ein Logistik-Problem

Systemarchetyp01 Vor ein paar Jahren hatten wir intern intensive Diskussionen zum Thema Projektmanagement. Es entstand ein Graben zwischen der Entwicklung und dem Verkauf/Projektleitung. Die Entwicklung beklagte sich über unrealistische Termine und der Verkauf nervte sich, dass manche Dinge dauerten und dauerten. Irgendwo kamen auch noch die Kunden ins Spiel, welche oft ihre Informationen zu spät oder gar nicht abgaben… eine vertrackte Situation. Zumal sich langsam Vorurteile einschlichen, die von vornherein den Projekterfolg gefährdeten.

Spielend zur Lösung

So verrückt es sich anhörte, das Problem lösten wir mit dem Bierspiel. Beim Bierspiel wird der Warenfluss von der Produktion bis zum Einzelhändler simuliert. Dabei zeigt sich, wie schwer es ist, Produktions-, Einkauf und Verkaufsmengen abzustimmen. Es ist nicht das Ziel gegeneinander zu spielen, sondern gemeinsam möglichst wenige Fehlkäufe zu generieren. Es gab unserem Team ein Verständnis dafür, dass eine einzelne Verzögerung beim Anderen zu riesigen „Folgekosten“ führen kann und nachher das gesamte System dafür büsst. Dass auch von der Programmierung Rückmeldungen nötig sind und die Kunden etwas mehr „getreten„ werden müssen, wenn sie nicht liefern. Oder das die Entwicklung durch eine ungenügende Fehlerkorrektur die ganze Planung über den Haufen wirft. Auch der Verkauf zog anschliessend vermehrt die Entwickler für Zeitschätzungen ein. Die positiven Auswirkungen des Bierspiels sind heute noch zu spüren. Zwischendurch nimmt immer wieder einmal jemand auf das Spiel Bezug.

Wer selbst spielen möchte, klickt hier. Wenn genügend Interessenten einen Kommentar absetzen, können wir das Bierspiel auch einmal mit dem Internet Briefing machen.

Teil 1: Der Kunde ist König und warum Projekte scheitern
Teil 2: Alphatiere bringen noch jedes Projekt zu Fall
Teil 3: Frauen im Projekt – warum nicht?
Teil 4: Projektanfänger: Wir müssen mehr kommunizieren
Teil 5: Wann Sie im Projekt (doch) besser mehr Kommunizieren
Teil 6: Akademisches Gesülze ohne praktischen Mehrwert


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