Suchen:

Die eigenwillige Dynamik in Projekten

von Daniel Niklaus

Sie will Kinder, er möchte das gemeinsame Leben so weiterführen, wie bis anhin. 5 Jahre waren sie ein glückliches Paar, doch am Jahresende kommt es zur intensiven Aussprache. Obwohl beide finden, sie gehören zusammen, stimmt die Konstellation der beiden nicht mehr. Das “Projekt Beziehung” wird abgebrochen und beide gehen getrennte Wege. Michael Mary beschreibt in der Kontext-Sendung die eigenwillige Dynamik von Paarbeziehungen. Auch Projekte folgen manchmal einer eigenwilligen Dynamik. Die Konstellation kann manchmal stärker sein, als die Teilnehmer es sind und ein Projekt scheitert, obwohl es erfolgreich hätte ausgehen können.

Von den etwa 500 Projekten, die wir in den letzten 16 Jahren umsetzten, gab es eine Handvoll, die abgebrochen wurden, weil die Konstellation nicht stimmte. Die Schuldfrage musste man gar nicht stellen, weil wie im obigen Beispiel es keine Schuldigen gibt.

Von der Website, die in 4 Tagen fertig sein musste – aber nie online ging

Uns rief ein Kunde an, er benötige in 4 Tagen für eine Messe ein Re-Design seiner Website. Verrückt, wie wir sind, nahmen wir die Herausforderung an. Zwei Stunden später sass ich mit einem Projektmitarbeiter beim Kunden, wir nahmen die Bedürfnisse auf, schlugen am nächsten Tag ein Grafikdesign vor und am vierten Tag füllte der Kunde den Inhalt der Homepage ab. Doch online ging die Website nie.

Warum? Uns gab der Sohn des Inhabers den Auftrag. Der Inhaber war auf dem “Rückzug”. Er wollte seine Firma seinem Sohn übergeben und sich langsam in Rente verabschieden – meinte er. Nur, er war noch lange nicht so weit. Sein Feuer für das Tagesgeschäft loderte immer noch in ihm und so fand er ein kleines Detail bei der Umsetzung Website, welches er seinem Sohn vorwarf und für ihn Grund genug war, die Website nicht online zu schalten. Sein Sohn änderte dieses Detail selbstständig innerhalb von 5 Minuten. Noch ein Jahr später war die alte Website online.

Die Konstellation lies einen Projekterfolg nicht zu. Der Vater war noch nicht so weit, die Zügel aus der Hand zu geben.

Vom Marketing-Chef und seinem Onlineshop
Eine befreundete Firma hat drei starke Inhaber. Jeder mit einem klar definierten Betätigungsfeld. Der Marketingchef wollte unbedingt einen Onlineshop, den er aber von seinem IT-Verantwortlichen nicht bekam. So machte er sich auf die Suche nach einem Dienstleister, der ihm seinen Wunsch erfüllte. In diesem Fall waren wir das und setzten sein gewünschtes System um. Eine tolle Sache, richtig gut war er.

Der IT-Verantwortliche wurde am Rande vom Marketingchef informiert. Er wusste davon, aber beteiligte sich nicht. Als es um die Onlineschaltung ging, bekam ich vom IT-Verantwortlichen ein Mail: “Ich muss noch etwas überprüfen”. Danach hörte ich nichts mehr zu diesem Projekt. Auch der Marketingverantwortliche zuckte nur die Schultern, wenn ich etwas fragte.

Die Konstellation lies einen Projekterfolg nicht zu. Der Marketingverantwortliche verletzte ein “heiliges” Gesetz in jener Firma, keiner redet dem anderen in seinen Bereich herein.

Vom Führungswechsel und Machiavelli
Für ein grosses Medienunternehmen in der Schweiz setzten wir eine Anwendung um. Mitten im Projekt wurde der Abteilungsleiter ausgewechselt und dem Unternehmen eine neue Strategie verordnet. “Der Neue” hat wahrscheinlich zu viel Machiavelli gelesen. Innerhalb von zwei Monaten ersetzte er die gesamte Führungsspitze seiner Abteilung durch eigene Leute. In kurzer Folge wurden Lieferanten ausgewechselt und Projekte gekillt – auch unseres. Die Begründung für den Abbruch war an den Haaren herangezogen, aber ein Kampf um das Projekt wäre nur mit untertänigem “geschlecke” aussichtsreich gewesen. Bei mir undenkbar ;-) und so schlug ich einen Abgangsdeal vor, der sofort angenommen wurde.

Die Konstellation lies einen Projekterfolg nicht zu. “Der Neue” hatte die feste Vorstellung, den Laden zu entrümpeln. Meist endet ein solcher Kahlschlag im Desaster. In diesem Fall muss ich ihm aber gratulieren, heute hat das Medienunternehmen eine vorbildliche Website.

Der richtige Umgang mit einer falschen Konstellation

Sie können eine solche Geschichte persönlich nehmen, als Kritik an ihrer Arbeit auffassen und sich die Wunden lecken. Nur bringt dies überhaupt nichts. Manchmal ist die Welt, wie sie ist. Nehmen Sie es sportlich. Die Welt dreht sich weiter und das nächste Projekt kommt bestimmt.

Teil 1: Der Kunde ist König und warum Projekte scheitern
Teil 2: Alphatiere bringen noch jedes Projekt zu Fall
Teil 3: Frauen im Projekt – warum nicht?
Teil 4: Projektanfänger: Wir müssen mehr kommunizieren
Teil 5: Wann Sie im Projekt (doch) besser mehr Kommunizieren
Teil 6: Akademisches Gesülze ohne praktischen Mehrwert
Teil 7: Übung für das Systemdenken in Projekten
Teil 8: Haben Sie ein Team oder wursteln Sie noch?
Teil 9: Spiele in Projekten


yigg this! yigg this!save to del.icio.us save to del.icio.us

Schreibe einen Kommentar

*Required
*Required (Never published)
 

Recent Artikel

Recent Kommentare

Letzte Trackbacks