iPad verlagert Kosten vom Verlag zum Konsumenten
Eigentlich müssten Zeitungen auf dem iPad 60 % günstiger sein. Die Kosten einer Tageszeitung lassen sich dritteln 33 % für Druck, 33 % für Distribution, 33 % für Inhalte und Administration. Beim iPad bezahlt der Leser die Distribution und den Druck. Selbstverständlich geht die Rechnung so nicht auf, denn zu Beginn sind die Doppelstrukturen noch teuer und die iPad Inhalte sind teurer zu produzieren, weil multimedialer und animierter. Das muss aber nicht so bleiben. Vielleicht werden iPad-Versionen nicht mehr auf einen Zeitpunkt hin produziert.
Der iPad hat noch entscheidendere Vorteile gegenüber dem Papier. Es gibt keine sprungfixen Kosten mehr. Heute sind die Druckereien auf eine Auflage ausgelegt. Es kann sein, dass ein Druckzentrum nicht mehr genügt aus Kapazitätsgründen oder weil es veraltet ist. Beim iPad ist die Auflage nicht starr und es spielt keine Rolle ob diese plötzlich um 20 % zunimmt. Die Modernisierungskosten übernimmt Apple und der Konsument bezahlt dafür. Die verlustreiche Distribution ins Ausland fällt als Erstes weg und kann spielend skaliert werden. Das wirft die Frage auf, wie lokal Zeitungen eigentlich noch sein werden. Sie können noch lokaler werden, weil es auch hier keine Rolle mehr spielt wie gross die Auflage für die rechte Zürichseeseite ist. Aber der Tagesanzeiger könnte plötzlich den Spiegel als grösseren Konkurrenten wahrnehmen. Der Spiegel bräuchte nur zu einem Drittel tagesaktuell werden und seine regionalen Inhalte aufzumotzen. Plötzlich wird die Marke Spiegel für viel viel mehr Leser interessant.
Ein neuer Verteilkampf entsteht. Firstmover könnten sehr hohe Marktanteile auf dem iPad erlangen. Positionen werden wohl früh vergeben. Wie gut das für die Verlage ausgeht, hängt weitgehend von der Geschwindigkeit der iPad-Verbreitung ab. Es kann also durchaus sein, dass Verlage ein Interesse haben, die iPad-Version günstiger anzubieten.



Adrian schrieb:
Es geht um eBooks und MP3s generell.
Wenn ich 15.- für ein Album via iTunes bezahle, muss ich mich ernsthaft fragen, ob ich nicht auf Torrents zurückgreifen soll. Die Musikindustrie schein nichts gelernt zu haben und zocken zahlende Konsumenten weiterhin ab, anstatt eine preiswerte Alternativen zum “illegalen” Downloaden zu bieten.
Ohne Lager-, Material- und Vertriebskosten sollte ein Album deutlich günstiger sein. Zudem sparen die Plattenfirmen Aufwände in der Koordination und Verhandlung mit Vertriebspartnern. Ob Plattenfirmen in dieser Form noch nötig sind, ist eine weitere Diskussion wert.
Ob das Verlagswesen eine ähnliche Entwicklung durchmachen wird, ist noch offen und nicht zu hoffen. Ansonsten wird es wohl nicht lange dauern, bis ich dieselbe Menge an eBooks wie MP3s illegal angeboten bekomme.
Aus dem Post lese ich noch einen weiteren Diskussionspunkt heraus: Amüsant, wie Apple-Fans krampfhaft versuchen, dem iPad DIE Bedeutung zuzusprechen/-schreiben, die er in dieser Form nicht verdient. Bzw. sie versuchen irgendwelche Key-Values aus dem Ding herauszuziehen und verschweigen dabei lang bestehende Technologien gänzlich.
Ein Vorteil des iPads (im Vergleich zum Kindle) wären zum Beispiel interaktive Bücher oder “Erlbenis-Lesen”. Leider liest man davon nur sehr wenig. Darin sehe ich Potenzial.
Kommentiert am 21-Feb-10 um 5:28 pm | Permalink
Reto Hartinger schrieb:
Genau Adrian – genau von den interaktiven Büchern spreche ich hier http://blog.internet-briefing.ch/2010/02/05/gratis-buecher-verhelfen-dem-ipad-zum-erfolg/) und nicht nur interaktive Bücher, auch die Zeitungen und Zeitschriften werden animiert werden. Und plötzlich muss man sich nicht mehr auf ein Bild auf einer Seite beschränken, sondern bekommt ganze Bildstrecken dazugeliefert. Die NZZ wird zum Paris Match (ob die NZZ diese Potenzial sieht? Ich hoffe es). Es kann durch das iPad eine ganz neue Lesekultur entstehen. Lese den vorangegangenen Post er ist ganz auf Deiner Linie
Kommentiert am 25-Feb-10 um 9:16 pm | Permalink
Julian schrieb:
Recht haben Sie. Ich finde den ökonomischen Hintergrund des Artikel interessant. Ich denke ein weiterer Vorteil für Zeitungen wird sein, dass es einfacher wird Abos zu verkaufen. Man muss bei Online Abos nichtmehr über den Schriftweg gehen und hat keine Wartezeiten.
Kommentiert am 10-Mrz-10 um 11:41 am | Permalink
Reto Hartinger schrieb:
richtig Julian – und es gibt plötzlich auch eine Marktplatz um dieses Abos zu verkaufen – und erst noch gratis
Kommentiert am 13-Mrz-10 um 3:01 pm | Permalink