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Internet-Firmen im Einkaufskorb der Pensionskassen

von Daniel Niklaus

Am Wochenende ist es so weit, wir stimmen über den neuen Umwandlungssatz ab. Sowohl die Gegner wie auch die Befürworter haben es geschafft, dass wir einen Null-Argumentations-Wahlkampf geführt haben. Rentenklau riefen die einen, zu hohe Boni der PK-Verwalter die anderen. Das eigentliche Thema wurde erfolgreich umgangen. Es ging darum, ob Pensionskassen ab dem Jahr 2015 mit mindestens 4.9% Verzinsung (Umwandlungssatz 6.8%) oder 4.3% Verzinsung (Umwandlungssatz 6.4%) rechnen müssen. Die Lebenserwartung war und ist kein Thema, die hat man schon bei der vorhergehenden Reform auf 24 Jahre gesetzt.

Die gesamte Abstimmung war für mich der nackte Horror. Ernsthaft wurde nicht über das Thema diskutiert und Fundiertes fand man leider viel zu wenig – mit Ausnahmen wie hier und hier. Oft fehlt uns Schweizer die Vorstellung, von wie viel Geld wir hier überhaupt reden. Machen wir dazu doch ein kleines Zahlenspiel und stellen die Frage:

Wie viele Internet-Firmen kann man mit 800 Milliarden Franken kaufen?

800 Milliarden in Zahlen 800′000′000′000 Franken wird von 2′500 Pensionskassen verwaltet. 2′500 Pensionskassen sind in etwa die Anzahl Gemeinden und Städte in der Schweiz. Also jedes Dorf, von Corippos im Tessin mit 17 Einwohnern bis zur Grossstadt Zürich steht für eine Pensionskasse. Das nennt man Effizienz. Wie viele Grossfirmen gibt es, die in jedem Dorf eine Filiale haben? Aber das ist nicht mein Thema, ich möchte viel lieber auf Einkaufstour gehen…

Finden wir heraus, wie viele Dollar wir für unsere 800 Milliarden Franken erhalten. Dazu fragen wir in Google 800 CHF in Dollar. Wir reden aktuell von 750 Milliarden Dollar. Ein hübsches Sümmchen. Damit lässt sich Microsoft für 256 Milliarden und Google für 189 Milliarden locker im Vorbeigehen bezahlen. In den Warenkorb können wir auch Apple für 131 Milliarden packen und legen Yahoo (16 M), ebay (31 M) und Amazon für 54 Milliarden auch noch dazu. Es bleiben immer noch 68 Milliarden Dollar übrig, also rund 73 Milliarden Franken.

Was kaufen wir mit den restlichen 73 Milliarden Franken?
Mit Firmen wie Xing für 144 Millionen dauert es lange, bis das Geld verbraucht ist. Da müssen wir schon mehr rauf packen. Zum Beispiel die grösste IT-Firma der Schweiz: die Swisscom für 19 Milliarden.

Ups – Bleiben immer noch 54 Milliarden übrig
Richtig, die UBS! Die UBS ist heute an der Börse etwa 54 Milliarden Wert. Und damit sind die rund 800 Milliarden Franken investiert. Über so viel Geld sprechen wir.

Firma Wert in Milliarden*
Microsoft 256
Apple 189
Google 131
Amazon 54
ebay 31
Yahoo 16
Swisscom 19
Xing 0.144
und die UBS 54

Mit unseren Pensionskassengeldern könnte sich die Schweiz das halbe Silicon Valley kaufen…

* Wert vom 03.03.2010 nachgefragt bei http://www.boerse-go.de/

ps: pro Kopf bei 7.2 Millionen Einwohner sind dies 111′111 Franken…


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4 Kommentare zu “Internet-Firmen im Einkaufskorb der Pensionskassen”

  1. Reto Hartinger schrieb:

    Ich war versucht, einen Blogpost zum Thema zu machen, doch er passt einfach nicht hier herein. Danke Dani, dass Du mir so die Gelegenheit gibst.

    Als das BVG im Parlament beraten wurde, hatte ich den Auftrag, eine Kurzfassung des Gesetzes zu schreiben. Als das Gesetz dann verabschiedet wurde, lud mein Arbeitgeber, die VITA Lebensversicherung, alle relevanten Mitarbeiter (ich war auf der untersten eingeladenen Hierarchiestufe) zu einem Test ein. Ich war von den über 100 Mitarbeitern der beste. Nur um meine Legitimation zum Thema zu unterstreichen.

    Das Gesetz sah folgende Metrik der Gegenseitigen Beeinflussung der Parameter vor.

    Das Geld wird ja im Voraus angespart, weshalb es von der Inflation aufgefressen werden könnte. Das Gesetz geht aber davon aus, dass die Zinsätze so sind, dass sie mindestens die Inflation decken. Mindestens über die gesamte Laufzeit. Sind die Zinssätze höher gibt es eine Über, darunter eine Unterdeckung. Dasselbe gilt auch bei den Renten, die vom angespahrten Kapital alimentiert werden und auch diesem Mechanismus unterliegen. Leider wurde diese Metrik bereits druchbrochen weil den Rentern eine Realrentenerhöhung gemacht wurde. D.h. die Renten über die Infaltion angehoben wurde (schliesslich hat es ja auch immer eine Überdeckung gegeben). Da hat als die Politik ein erstes Mal in die Metrik falsch eingegriffen.

    Das Argument Zinssatz und Umwandlungssatz hat als nichts miteinaner zu tun.

    Der Umwandlungssatz spiegelt die Lebenserwartung ab. Steigt diese, muss der Umwandlungssatz herunter, fällt sie, muss er heraufgesetzt werden. So und das ist die einzige Metrik die der Umwandlungssatz hat. Punkt. Wen wir an dem drehen ohne im Verhältniss mit der Lebenserwartung zu sein, packen wir das Problem der Unterdeckung der Pensionskassen nicht am richtigen Ort an – die Metrik verfällt total – das Gesetz gerät ausser Kontrolle. Wenn das der Fall wird, werden wir früher oder später wieder zum Umlageverfahren zurückkehren müssen d.h. die AHV stärken. Wenn wir so weiter machen, verliert das Gesetz seinen ursprünglichen Sinn, den dass jeder selber für seinen ersparten Lebensabend verantwortlich ist und nicht die politische und wirtschaftliche Lage zum Zeitpunkt seiner Pensionierung.

    Wenn wir eine Unterdeckung haben, dann deshalb weil die Anlagekriterien nicht mehr mit der Zinsmetrik überein stimmen. Man könnte auch da ansetzen um die Chose wieder ins Lot zu bringen. Dann Dani, dürften die Pensionskassen aber keine Aktien aus dem Silicon Valley kaufen. Aber egal – das wäre dann wieder ein anderes Thema.

    Ich stimme deshalb nein

  2. Daniel Niklaus schrieb:

    Ebenfalls ein Nein von mir. Es geht um das Geld nach meiner Pensionierung. Dafür sollte ins Gesetz, dass jeder Pensionär 100% des Kapitals bei Rente sich ausbezahlen lassen darf und dann kann er selbst entscheiden, wo, wie und zu welchem Zinssatz er dieses Geld anlegen will. Aktuell sind die Kassen je nach Reglement nur für 30% verpflichtet, so entsteht kein Markt, sondern ein dicker, fetter, unkontrollierbarer Honigtopf.

  3. Reto Hartinger schrieb:

    ganz genau dani – die dürfen mit dem umwandlungssatz machen was sie wollen wenn man 100 % kohle haben kann – so wäre es egal

    das führt aber auch wieder zu sozialen problemen, denn es könnte sein, dass die leute ihr geld verjubeln bevor sie sterben

  4. Daniel Niklaus schrieb:

    Schon heute musst du bei einer zugelassenen PK sein, in ein selbstbewohntes Eigenheim investieren oder Selbständig werden (doppeltdummesrisiko). Auch dieses “Problem” kann man über zugelassene Anbieter abfedern.

    Auf alle Fälle haben es die PK’s wie die IV in der vorherigen Abstimmung nicht verstanden, dem Volk zu sagen, für was sie überhaupt da sind und wie sie funktionieren.

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