Ist es der Erfolg von Apple, dass die Leute anfangen Apple zu misstrauen? Apples Einstieg in das Thema soziale Netzwerke wurde verhalten bis ablehnend kommentiert. Die meisten sehen in Ping “nur” eine Konkurrenz zu Facebook. Dieser Blick ist aber falsch. Soziale Netzwerke werden Teil des eigenen Geschäftes. Unternehmen werden in Zukunft erkennen, dass sie soziale Netzwerke als Funktion in ihr eigenes Webangebot einbauen. Damit meine ich nicht Facebook zu integrieren, sondern das eigene soziale Netzwerk rund um das Unternehmen abzubilden und die Vorteile des Internets zu nutzen.
Aus der Praxis: soziales Netzwerk bei ifj.ch
Das Institut für Jungunternehmen hilft beim Sprung in die Selbstständigkeit. Mit Gratis-Infos und Abendworkshops bis zu kostenpflichtigen Unternehmenskursen. Dazu unterstützen sie im Auftrag des Bundes mit venturelab.ch vielversprechende Jungunternehmen. Rund um das IFJ bildete sich ein Ökosystem von Jung- und gestandenen Unternehmern, von Referenten und Experten zu den verschiedensten Geschäftsthemen. Was liegt da näher, als dieses soziale Netzwerk auch im Internet abzubilden?
Vom “real life” ins soziale Internet Netzwerk
An 11 Standorten von Basel bis Zug und von Bern bis Chur treffen sich regelmässig ca. 80 Leute zu den gratis venture apéros. Es referieren Experten darüber, wie Sie zu Ihrem Geld kommen, wie sie den Umsatz verdoppeln oder warum es bei Doodle beinahe nicht zur Firmen-Gründung kam. Ein regelmässiger sozialer Treffpunkt. Das Publikum ist meist begeistert und interessiert sich für Referatsunterlagen und die Experten. Klassisch würde das IFJ auf der eigenen Website Porträts ihrer Experten anzeigen, ein Foto, ein Text, und wenn es hoch kommt, das Referat dazu. Doch beim IFJ entschied man sich, daraus ein soziales Netzwerk zu machen. Unter www.ifj.ch/experten erstellen und pflegen die Experten das eigene Profil selbst. Auf meinem Expertenprofil sehen die Surfer, wann ich an einem Apéro präsentiere, was ich über Twitter von mir gebe, sie sehen meine Kontaktdaten, und wenn ich einmal an einem Event eine Frage nicht beantwortet habe, können sie diese auf dem Profil direkt stellen. Meine Eventpräsentation geht also auf dem Internet weiter. Sie finden Experten zum Rechnungswesen, zur PR, zum Businessplan…ein gesamtes Wissens-Netzwerk.
Statt “folgen” – automatisch verbunden
Klassisch müsste es einen “folgen” oder “Freund” Button geben. Hier entschieden wir uns, im ersten Schritt anders vorzugehen und die Leute über die Eventteilnahme zu verbinden. Wer in den Mitgliedbereich des IFJ einloggt, sieht seine besuchten Events. Zusätzlich zum Referenten werden alle Teilnehmer aufgelistet. Die Teilnehmer können ebenfalls ihr eigenes Profil publizieren und untereinander kommunizieren. Ein soziales Netzwerk – und doch kein Facebook Konkurrent.

Themen folgen
In sozialen Netzwerken wie Facebook und Xing folge ich in erster Linie Freunden. Bei der “neuen” Art von sozialen Netzwerken wie Ping oder eben dem IFJ sind die Themen für mich viel wichtiger. Mit meinem Musikgeschmack von Elvis über Primal Scream zu Züri West (U2 war ein cooles Konzert) will ich bei Ping nicht Bekannte, sondern Leute finden, die mir neue Musik zeigen. Genauso beim IFJ. Jemand der sich selbständig macht, sucht nicht nach “Daniel Niklaus”, viel wichtiger ist ihm, dass er Leute findet, die sein Internetproblem lösen, ihm helfen, die Finanzierung auf die Beine zu stellen oder er sucht eine Ansprechperson, die die richtigen Antworten auf die richtige Geschäftsform hat. Darum gibt es zum persönlichen Widget-Generatoren auch Themenspezifische Widgets. Zum Beispiel zeigt dieses Widget die Kurse zu Finanzthemen an. Und so werden Informationen des Institut für Jungunternehmen über das eigene Portal hinweg getragen.
Widget mit Events zu Finanzthemen:
Öffentliches Data Mining
Die hohe Kunst des Data Mining ist es, aus Daten Muster zu erkennen, um beispielsweise gezielte Werbemassnahmen zu schalten, Angebote zu platzieren und Preise zu optimieren. Der Einsatz von sozialen Netzwerken für Firmen geht einen Schritt weiter, er macht das Data Mining öffentlich. Hervorragend beherrscht Amazon die Kunst des öffentlichen Data Mining oder eben den Einsatz von sozialen Netzwerken ihrer Kunden. Kunden wollen, dass ihnen ein Freund sagt: Kauf dieses Buch, es ist gut. Sie wollen, dass ein Verkäufer sagt: Schau, dieses Musikstück könnte dir gefallen. Das macht Amazon, indem sie bei jedem Produkt die Käufer zu Wort kommen lassen. Da lobt zum Beispiel die Sehbehinderte Marion NaturallySpeaking. Gibt es für sehbehinderte Menschen eine bessere Fürsprecherin? Amazon hätte keine bessere Produktbeschreibung platzieren können.
Wer seine Kunden sprechen lässt, seine Lieferanten und die eigenen Mitarbeiter vernetzt, erhält in Zukunft einen deutlichen Wettbewerbsvorteil. So ist nicht jede soziale Funktion wie Apples Ping der neue Facebook Konkurrent, sondern mehr ein cleverer Schritt die Lieferanten, die eigenen Mitarbeiter und die Kunden zu einem grossen Ganzen zu vernetzen.