Wikipedia sagt zu Systems Managment:
In einer immer komplexer werdenden, oft heterogenen IT-Landschaft, wobei ausserdem zunehmend die ständige Verfügbarkeit der produktionswichtigen IT-Systeme gefordert wird, wird es gleichzeitig schwieriger und notwendiger, jederzeit den Überblick über alle Ressourcen zu behalten.
Haben Sie diesen Satz verstanden? Ich musste ihn dreimal lesen und komme zum Schluss: Da ruft wieder jemand nach neuer Software. Man(n) bekämpft Komplexität mit Komplexität. Ich habe einen anderen Vorschlag: Stellen Sie mehr Frauen ein. Gerechnet von meiner Lehre an bis heute, bin ich nach 20 Jahren überzeugt, dass mehr Frauen in die IT-Welt gehören, weil sie mehrheitlich nach dem Petra-Prinzip funktionieren.
Sie kennen die männliche Form, das Peter-Prinzip: In einer Hierarchie neigt jeder Beschäftigte dazu, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen. In der Praxis erinnere ich mich daran, wie in meinem 3. Lehrjahr als Detailhandelsangestellter (Verkäufer) mein Lehrmeister zu mir kam, eine Novell-Netzwerk Schachtel auf den Tisch stellte und fragte: “Wir haben einen neuen Kunden, der eine Netzwerkinstallation für 20 CAD-Systeme bestellt hat. Hast du schon einmal ein Netzwerk installiert?”. Das WWW wurde in jenem Jahr erst erfunden und alles was ich bis dahin machte, war per Akustikkoppler mit 300 Baud in Mailboxen einzu…logen und ein paar Atari-Rechner für Gamer-Nächte zusammen zu schliessen. Meine Antwort war trotzdem: “Klar, mache ich.” Und so funktioniere ich, wie die meisten Männer, die ich in vielleicht über 500 IT-Projekten kennengelernt habe. Keine Ahnung von Botanik – aber überzeugt, dass man mit seinen Wochenendkumpanen in zwei Wochen bereit ist, den Mount Everst zu besteigen. Frauen sind da ganz anders.
Das Petra-Prinzip
Bevor eine Frau freiwillig den nächsten Karriereschritt macht oder für ein Projekt die Verantwortung trägt, will sie sicher sein, dass sie schon für die übernächste Position bereit ist. Anstatt frech hinzustehen und zu sagen: “kann ich!” übt sie vorher noch weitere fünf Jahre an der bestehenden Stelle – und nervt sich über unfähige Männer, die dem Peter-Prinzip folgen und befördert werden.
Wenn wir in unserer Firma ein neues Kundenprojekt starten, suche ich beim Kunden immer nach einer Frau, die schon lange im Unternehmen arbeitet und die mir einen kompetenten Eindruck macht. Meist weiss sie am besten Bescheid über Abläufe, die verantwortlichen Personen und vor allem über die Fehler, Gefahren und Unzulänglichkeiten in der Firma. Diese Frauen sind wahre Goldgruben für wichtige Informationen und hervorragende Mitstreiterinnnen, wenn es um die erfolgreiche Umsetzung von Projekten geht. Genau das ist es, was das System Management braucht: Ein Verständnis davon, wie der eigene IT-Betrieb tatsächlich funktioniert – welche Ablauffehler müssen eliminiert werden? Wo erzielt man mit wenig Aufwand massive Verbesserungen? –, und die Sachen dann auch anpackt.
Wird mit Frauen in der IT alles besser?
Nicht alles wird besser. Nehmen Sie Frauen in die Verantwortung, können diese richtig penetrant werden. Sie haben ein Elefantengedächtnis, wenn es darum geht, was sie sich bei Projektstart wünschten. Während Männer durchaus im Projektverlauf die Ziele ändern, wollen Frauen nicht nur die neuen Ziele realisieren, sondern auch noch die alten Ziele eingehalten sehen. Sie bestehen auf die Erledigung kleiner Details, wo Mann auch einmal eine Fünf gerade stehen lässt. Mit ihrer Art bringen sie MitarbeiterInnen dazu, Dinge zu erledigen, nur damit man(n) endlich Ruhe hat. Dabei verwenden Frauen für die Erreichung ihre Ziele völlig unterschiedliche Methoden. Die einen ziehen bei Unzufriedenheit eine Schnute, so dass man unwillkürlich daran erinnert wird, wie sie in ihrer Kindheit dafür sorgten, dass Papa auch bestimmt die neueste Barbie Puppe zu Weihnachten kauft. Andere Frauen hingegen strahlen die MitarbeiterInnen entwaffnend an und fragen mit einem charmant Lächeln: “Das können Sie doch bis Freitag erledigen – oder?”. Klar kann er – und sie hat gewonnen.
Sie wollen eine aufgeräumte und funktionierende IT?
Genau das ist es, was Sie wollen. Eine aufgeräumte und funktionierende IT. Mein Vorschlag ist: Stellen Sie mehr Frauen ein.
Alles was ich in diesem Artikel über Frauen in Projekten schrieb, kann ich nicht wissenschaftlich belegen. Ich habe keine Forschung betrieben, und ob der Unterschied genetisch bedingt ist, eine Erziehungsfrage ist oder schlicht daherkommt, weil Frauen statistisch untervertreten sind – keine Ahnung. Und wenn auch nicht alle Frauen so funktionieren, wie beschrieben, kann ich aus 20 Jahren Erfahrung in der IT mit gutem Gewissen sagen: Frauen beherrschen meist ihren Job. Sie stellen sich oft hinten an und wissen doch besser über die Firmeninternen Abläufe Bescheid, kennen die Fehler, Gefahren und Unzulänglichkeiten in der Firma. Wenn Sie Frauen in die Verantwortung nehmen, haben Sie mit grosser Wahrscheinlichkeit Ihr Projektteam verstärkt. Nutzen Sie Frauenpower.
In diesem Sinn möchte ich diese Kolumne mit einem herzlichen Willkommen abschliessen. Diesen Monat fängt bei uns eine neue Mitarbeiterin an: herzlich Willkommen Tina Holliger und viel Erfolg!
Aus der aktuellen swissitmagazine-Ausgabe.