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Microsoft und das Nr. 2 Problem

von Daniel Niklaus

Microsoft war gefürchtet. Was der Software-Riese aus Redmond machte, konnte Schockwellen im Markt auslösen. Nachdem sie IBM vom Thron stürzten, regierte Microsoft die IT-Welt nach Belieben. Word Perfekt? Weggefegt. Netscape? Vom Markt ausradiert. Apple? Den lieben Leuten helfen wir mit einem Notgroschen. Microsoft diktierte den Hardwareherstellern die Preise, zeigte, wo es in der Softwareentwicklung lang geht und sie bauten eine unglaubliche Geldmaschine. Ein Tier das frass, was ihm ihn den Weg kam. Und heute? Microsoft verdient zwar massig Geld, aber Angst hat niemand mehr vor dem Riesen aus Redmond. Den Takt geben heute Apple, Google und Facebook an.

Was ist passiert? Microsoft fehlt ein Visionär.

Es gibt Branchen, in denen wollen wir keine Visionäre. Innovative Finanzprodukte machen Angst, Verwaltungen brauchen nicht alle zwei Jahre eine Reorganisation und im Detailhandel zählt die Optimierung bestehender Abläufe mehr, als der grosse Wurf. Aber in der IT-Welt braucht es Innovationen und da hat Microsoft ein echtes Problem. Weil Steve Ballmer eine klassische Nr. 2 ist, die man zur Nr. 1 beförderte.

Bevor ich weiter schreibe, zur Veranschaulichung zwei Grafiken. Im Jahr 2000 wurde Steve Ballmer zum CEO gekrönt und dies ist die Kursentwicklung der Microsoft-Aktie im Vergleich zu Apple und zu Google.

Microsoft/Apple
microsoft_apple

Microsoft/Google
microsoft_google_chart

Nr. 2 sind keine Visionäre

Provokativ schrieb ich vor Kurzem, dass Steve Jobs Software nicht versteht. Bei Ballmer muss ich sagen, er versteht die heutige IT-Welt nicht. Während Microsoft in seiner Ära den Tisch-PC präsentierte, erfand Apple das iPad. Während Ballmer das iPhone lächerlich machte, rollte dieses den Markt auf. Nicht genug. In derselben Zeit schnappte Google sich auf Kosten von Microsoft einen grossen Teil des Handymarkts. Und das mit einem Betriebssystem, notabene der Kernkompetenz von Microsoft. Google Docs hat bei ersten Firmen Excel ganz verdrängt und Word steht auch schon auf der Abschussliste. Microsoft wurde bei Hotmail überrundet und konnte den Vorsprung beim Messenger nicht nutzen. Der Messenger ist weder Facebook-Konkurrenz noch ein Skype Ersatz. Tolle Produkte fanden nie ihren Weg in den Markt. Von der Cloud reden sie zwar die ganze Zeit, aber es ist immer irgendwie: ein wenig Nass werden ja, aber nicht ganz. Und so werden sie von ihren Mitbewerbern abgetrocknet. Weil Steve Ballmer eine klassische Nr. 2 ohne Visionen ist.

IT-Firmen brauchen Visionäre an der Spitze

Die IT-Welt ist immer noch eine junge Branche, die sich in Sprüngen entwickelt. Wenn da keiner an der Spitze steht, der versteht, wohin die Reise geht, übernehmen die Mitbewerber das Zepter. Dabei muss man nicht immer allein an vorderster Stelle sein, aber wenigstens verstehen, wann es Zeit ist, einen Markt zu entern. Bill Gates wehrte sich anfangs gegen das Internet. Er wollte sein MSN durchsetzen. Als Microsoft dann aber merkte, dass das Internet die Zukunft ist, positionierten sie die NT-Server als Internetserver. Sie machten Netscape platt und brachten interessante Produkte. Heute mühen sie sich mit einer fehlgeschlagenen Yahoo! Übernahme ab, verschliefen den mobile Markt und sie können nicht einmal ein anständiges Pad präsentieren. Dies kommt einer Bankrotterklärung gleich.

Es war nicht dumm von Microsoft Ballmer an die Spitze zu stellen, aber es ist dumm von Microsoft, ihn so lange dort zu belassen. Denn es müsste auch dem Letzten aufgefallen sein, der Mann sieht nicht, wohin sich der Markt bewegt und wie er davon profitiert. Er ist ein Umsetzer, aber kein Visonär. Seine Leistung in der Vergangenheit ist offensichtlich. Ob er nun Entwickler motivierte, jedem ein Windows aufdrückte oder dafür sorgte, dass der Laden läuft, er war die richtige Ergänzung zu Bill Gates.

Solche Kombinationen sehen wir immer wieder bei erfolgreichen Firmen. Bei HP waren es zwei Gründer. Bei Dell war es Michael Dell und Kevin Rollins. Zuckerberg brauchte Sean Parker von Napster und eben Bill Gates mit Steve Ballmer. Aber nicht nur in Unternehmen finden wir solche Kombinationen. In der Schweiz (ich mache jetzt kein SVP-Bashing!) ist Christoph Blocher und Ueli Maurer ein solches Power-Duo. Blocher gab die grosse Linie vor, Maurer setzte sie im Detail um. Sobald Maurer aber zur Nummer 1 gemacht wurde, fehlte ihm die Vorstellung, wohin die Reise gehen soll. Umsetzer können keine Visionen entwickeln. Egal, ob sie Maurer oder Ballmer heissen.

Sind Visionäre so viel besser?

Nein. Ein Visionär ohne Umsetzer ist genauso verloren. Blocher ohne Maurer ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Ähnliches sehen wir bei Dell. Die Nummer 1 Michael Dell hatte mit Kevin Rollins als Nr. 2 den perfekten Umsetzer. Michael Dell hatte die Vision, Rollins den Verstand für die Umsetzung. Als man Rollins in den Chefsessel hob und Dell das Unternehmen verlies, stockte der Erfolgsmotor. Heute ist Michael Dell zurück, Rollins weg und es fehlt Michael Dell offensichtlich ein guter Umsetzer (oder Dell hat keine neuen Ideen mehr). Der Aktienvergleich zwischen Dell und HP zeigt, Dell erholte sich bis heute nicht von der Trennung des Erfolgsduos.

dell_hp_chart

Was heisst das für Microsoft?

Microsoft ist auf dem besten Weg dem IBM der frühen 90er zu folgen. IBM verdiente mit Grossrechnern noch massig Geld, obschon der PC längst zu seinem Siegeszug antrat. Jahr für Jahr ging es IBM aber schlechter. Zuerst nur unmerklich, aber dann kam es wie ein Hammer. Mitbewerber hatten auf einmal keine Angst mehr vor IBM. Ehemalige Kunden von IBM fragten sich, warum soll ich einen Grossrechner kaufen, wenn es ein PC auch tut? Und das Unvorstellbare passierte, IBM stand vor einem Scherbenhaufen.

Auch Microsoft verdient heute noch massig Geld mit Windows, Office und Servern. Doch längst hat niemand mehr Angst vor Microsoft. Kunden wechseln vom Exchange Server zu Gmail und von Office zu Google Docs. Apple gräbt am PC-Markt Marktanteile ab und Cloudanbieter dringen in die Domänen von Microsoft ein.

Steve Ballmer sollte sich die Aktienentwicklung von IBM ansehen und sich selbst fragen, was er am besten kann.

ibm_chart

Wichtig
Wer den Eindruck erhielt, dass ich Bill Gates für besser halte als Steve Ballmer oder Steve Ballmer gar ein schlechter Manager sein soll, der hat mich falsch verstanden. Microsoft hätte nie soweit kommen können, wenn das DUO Gates/Ballmer nicht so gut gewesen wäre. Der Wert eines Teams ist keine + Rechnung, sondern eine Multiplikationsrechnung. Und wie im Fussball gehören Abwehrspieler nicht in den Sturm und umgekehrt. Ich habe grössten Respekt vor der Leistung von Steve Ballmer.


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6 Kommentare zu “Microsoft und das Nr. 2 Problem”

  1. Internet Briefing Blog / Mission Accomplished – warum Microsoft abgehängt wird schrieb:

    […] Microsoft hat seine Vision vollendet und kurz darauf schlief die Entwicklung ein. Steve Ballmer war nicht in der Lage, eine neue Vision für Microsoft zu entwickeln und so haben wir heute einen schlafenden Riesen, […]

  2. Cheats For Deer Hunter schrieb:

    Cheats For Deer Hunter

    Internet Briefing Blog / Microsoft und das Nr. 2 Problem

  3. Free Games No Pass schrieb:

    Free Games No Pass

    Internet Briefing Blog / Microsoft und das Nr. 2 Problem

  4. Dorothy schrieb:

    I’m glad yous shaved your head, I did that last spring, and loved it, the new feeling of breeze on your head or rain, I couldn’t spot feeling my head, the shape, temperature the texture. That is when I became a Zen Monk, and the shaved head remind me of this privilege. I continue being myey3f,evsre&#82l0;I love no hair because the eyes become the focus and next, the smile. enjoy, Clea

  5. huong dan dang ky m88 schrieb:

    huong dan dang ky m88

    Internet Briefing Blog / Microsoft und das Nr. 2 Problem

  6. windows virus remover schrieb:

    windows virus remover

    Internet Briefing Blog / Microsoft und das Nr. 2 Problem

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