Lange bevor Apple das iPad herausbrachte und Google mit Android nachzog, verkaufte Microsoft Tablet PCs. Auch Handy Betriebssystemen hatte Microsoft vor den beiden Rivalen erfolgreich im Angebot. Heute scheint es dagegen so, als ob Microsoft abgehängt wird und schon bald, wie IBM zum “alten” Eisen gehört. Um zu verstehen, was abgeht, hilft ein Blick wie und bei wem diese Firmen ihr Geld verdienen. Sie sind in derselben Branche, verdienen aber auf unterschiedlichste Art und mit einem unterschiedlichen Zielpublikum ihr Geld.
Microsoft: Kauft unsere Produkte und macht Geschäfte damit
Interessanter als Ihrer und mein Kaufentscheid für ein Betriebssystem ist für Microsoft, wie sich die Einkäufer von HP, Acer und Dell verhalten. Diese Drei verkauften im ersten Quartal 2011 über 33 Millionen PC’s mit Windowslizenzen. Damit sind sie die wichtigsten Hebelkunden für Microsoft. Auch ist für Microsoft nicht entscheidend, ob Sie für Ihren Privatgebrauch ein Office lizenzieren, wichtiger ist, dass Novartis, GE und die UBS Microsoft Produkte lizenzieren. Microsoft-Kunden machen in erster Linie Geschäfte mit den Produkten von Microsoft. HP verkauft Computer, weil die HP-Kunden Windows-PCs wollen und die Novartis setzt auf Sharepoint, weil sie damit ihre Projekte besser verwalten können. Dafür möchte Microsoft Geld sehen.
Apple: Habt Spass mit unseren Spielzeugen – und bezahlt uns dafür
Mit Legos können wir Männer als Erwachsene nicht mehr spielen, mit iPhones schon. Apple ist längst kein Computerhersteller mehr. Im zweiten Quartal verkaufte Apple 3,76 Millionen Computer. Viel? Im selben Zeitraum verkauften sie 18,65 Millionen iPhones, 4.7 Millionen iPads und beim iPod mag die Talfahrt anhalten, dennoch verkaufte Apple immer noch 9 Millionen Stück des Musikplayers. Dazu verkauft Apple Apps von Fremdanbietern und Musik sowie Filme.
Apple schaltet gleichzeitig den Zwischenhandel aus. Als Jobs 1997 zurückkam, war einer seiner ersten Handlungen einen Onlineshop aufzuschalten. Er wollte direkt zum Kunden. Danach kam iTunes (kein Laden mehr für CD’s) und dann die Apple Stores. Heute arbeiten 40% der Apple Mitarbeiter im Verkauf. Der Verkauf hat nur eine Aufgabe, den Kunden beizubringen, dass sie Apple Produkte kaufen und damit Spass haben.
Google: Nutzt unsere Produkte – wir schauen dann schon, wie wir damit Geld verdienen
Google war nicht die erste Suchmaschine und Google hat auch die Ad-Words nicht erfunden. Aber keine andere Firma hat so zielsicher verstanden, wie man mit Websurfern Geld verdient. Mit Werbung. Und wie sie den Dreh raus haben. Google setzte im Jahr 2010 knapp 30 Milliarden Dollar um und verdiente dabei 8.5 Milliarden. Wann haben Sie je für ein Google Produkt Geld bezahlt? Die Nutzung der Suchmaschine ist gratis, Analytics geschenkt, gmail sowieso, maps, translate, picasa, youtube und das Android Betriebssystem – alles kostenlos.
Nicht die Produkte von Google sind für Microsoft gefährlich, es ist das Geschäftsmodell. Was denken Sie geschieht, wenn die Leute von Microsoft bei HTC vorstellig werden und all die tollen, schönen und grossartigen Funktionen von Windows 8 für Tablets vorstellen und sagen, es kostet sie nur $50 pro Maschine und nachher die Google Vertreter dieselbe Präsentation machen und sagen, unser Betriebssystem ist gratis?
IBM: Wir lösen dir deine Geschäftsprobleme
IBM hatte einst dieselben Sorgen, mit denen sich Microsoft heute herumschlägt. Newcomer haben nicht die besseren Produkte, aber die besseren Geschäftsmodelle und keine Altlasten. Für IBM war der Erfolg des PC’s eine Tragödie. Sie haben ihn zwar erfunden, aber nie damit Geld verdient. Im Gegenteil, sie verloren den Markt für Grosscomputer. Jeder verkaufte PC machte potenziell eine AS/400 überflüssig. Genauso kann jedes Google-Mail einen Exchangeserver potenziell in die ewigen Jagdgründe schicken.
Big Blue musste reagieren. CEO Louis V. Gerstner fragte: Wer sagt, Elefanten können nicht tanzen? Und erfand IBM neu. Heute löst IBM auf der ganzen Welt IT Probleme für Grossfirmen und wird für diese Dienstleistung bezahlt.
Apple verdient Geld mit den Konsumenten. Google holt die Umsätze bei Firmen, die Werbung schalten wollen. IBM lässt sich von den Firmenkunden für das Lösen von Problemen bezahlen und Microsoft bedient sich bei Firmen, die mit Microsoft-Produkten Geld verdienen wollen und/oder Geschäfte machen. Dumm für Microsoft ist, dass der Erfolg von Google mit Google Docs und Apps die Gewinnquelle von Microsoft trocken legt. Wer Google Office nutzt, braucht keines von Microsoft und wer seinen Firmenmailserver von Google betreiben lässt, braucht auch keinen Windowsserver auf dem Exchange installiert ist.
Ob Microsoft sich neu erfinden kann? IBM und Apple machten es vor. Beide mussten aber dafür vorher durch das Tal der Tränen.