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Schlägt Microsoft Windows 8 das Apple User-Interface?

von Reto Hartinger

Apple ist der Inbegriff von Einfachheit und Microsoft jener von Behäbigkeit. Das Apple User-Interface ist elegant und einfach.Stimmt. Mit Windows 8 könnte sich das ändern. Schon seit Jahren prangere ich an, dass sich die User-Interface-Metapher eines Schreibtisches mit Werkzeugen und Dokumenten überholt hat und plädiere dafür, Projekte und Menschen in den Vordergrund zu stellen. Das macht zwar Windows 8 auch nicht, aber es erfüllt einen neuen Design-Ansatz: Mobile First. Wer heute eine Website baut, sollte eigentlich zuerst die Mobile Site bauen. Diese ist dann die Grundlage für die Website, weil man sich beim kleinen Mobile Bildschirm bei jeder Aktion aufs Wesentliche konzentrieren muss. Das gibt ein einfaches, fluides Benutzererlebnis und zudem kann am Handy Erlerntes übernommen werden. Nicht ganz unerheblich da es mehr Mobile-Telefone gibt als PCs und das Tablets bald beliebter sein könnte als Notebooks.Damit hätte einzig Microsoft eine durchgehend einheitliche User Experience auf allen Produkten. Die Windows Mobile Oberfläche ist auch durchdachter als die des iOS. Reicht es für Apple einfach Elemente des iOS ins MacOS zu übertragen? Apple und Microsoft haben ihre liebe Mühe mit ihren Social Media Projekten, dabei hätten genau sie die Besten Chancen. Hier der Tipp: Einfach die Personen-Beziehung auf Folders und Dokumente anwenden und zwar radikal. Eine Sicht auf Inhalte via Personen ermöglichen.Menschen und ihre Beziehungen gehören ins Betriebssystem! Google bringts auch nicht auf die Reihe – die haben auch zwei Betriebssysteme: Android und Chrome. Aber wenigstens haben sie mit Google+ die Personenmetapher begriffen und sie verlangen nun für alle ihre Produkte ein Google Profil. Wo sie dieses noch nicht haben, setzen sie die Daten einfach zu einem möglichst umfassenden Profil zusammen. Google kann also via Profil allen Dokumenten und den Betriebssystemen die Personenmetapher zuweisen. Bei Google existiert die Grundlage Filesystem und Filehierarchie nicht. Files werden nicht gebrowst sondern gesucht (auch nicht über alle Zweifel erhaben) und deshalb brauchen sie keine rigide Struktur. So lautet meine Frage: ist Apple in der Lage ein Paradigmawechsel vorzunehmen? Kann Apple eine neue Vision entwickeln? Zentraler Punkt bei Apple ist zurzeit iTunes. iTunes ist das Bindeglied des Geschäftsmodells über alle Produkte und nicht das Betriebssystem.


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2 Kommentare zu “Schlägt Microsoft Windows 8 das Apple User-Interface?”

  1. Michael1145 schrieb:

    Lieber Herr Hartinger,
    ich weiß nicht wie es andern geht, aber ich kann mir unter der von Ihnen propagierten These:
    “Projekte und Menschen” bei Betriebssystemen und Webseiten in den Vordergrund stellen
    relativ wenig vorstellen.

    Schauen wir uns mal Webseiten an:
    Nicht Facebook oder Google+ denn diese Seiten sind was für pubertierende Mädchen/Jungs, die mit ihrer Zeit nichts anzufangen wissen und sich über die Tragweite ihrer Herumtratscherei nicht im Klaren sind. Wie kann man so blöd sein, einer amerikanischen Firma dass Wertvollste das man hat, die Informationen über seine eigene Persönlichkeit in Form eines Tagebuches und von eigenen Bildern, auch noch kostenlos zu dem einzigen Zweck , dem scheffeln von Geld, zur Verfügung zu stellen. Und darüber hinaus auch noch sämtliche Rechte an diesen Informationen rechtlich bindend für alle Zeiten abzutreten. Einstein hat schon recht: Die Dummheit der Menschen ist unendlich.

    Beispiel Webseite Amazon: Bei Amazon will ich Medien und Waren kaufen und Amazon will sie verkaufen und Geld verdienen. Alles was dabei stört sollte unterdrückt werden. D. h. ich möchte eine File Hierarchie: Zuerst muss ich sehr schnell das gewünschte finden und der Bezahlvorgang muss möglich reibungslos ablaufen. Zu meiner Auswahl wäre es hilfreich wenn die Produktbeschreibung möglichst neutral, detailliert und aussagekräftig ist. Die Möglichkeit bei Büchern einige Seiten zu lesen wäre hervorragend. Wo da Platz für Projekte und Menschen ist entzieht sich meiner Kenntnis. Die Besprechungen der Leser sind für Amazon ein billiger Ersatz für eine fundierte, sachkundige Kritik. Schön für Amazon, viel Geld gespart.
    Und nun “Mobile First”. Das würde ja wohl bedeuten man geht auf das Zweisatzklappentextsurrogat der früheren Buchprospekte zurück, um ein “einfaches, fluides (was soll das übrigens bedeuten?) Benutzererlebnis anstatt solider hilfreicher Information zurück. Es lebe der Fortschritt!

    Beispiel Daimler-Benz Webseite: Der Hauptanziehungspunkt sind da nicht die “einfachen und fluiden Bilder” sondern der Fahrzeugkonfigurator. Wie wenden Sie dafür die “Personenbeziehung” an oder weisen die “Personenmetapher” zu? Auch hier ist die Grundlage ein Fielestem mit entsprechender Hierarchie.

    Ich hoffe, dass Apple in der “Lage ist einen Paradigmenwechsel” vorzunehmen: nämlich in Richtung besserer Qualität der Produkte und der Software. Dann wäre mein 1800 € iMac nicht so laut, hätte funktionierende USB2 Schnittstellen und eine Maus, die nicht spätestens nach 1,5 Jahren ausgetauscht werden müsste. Dann würde das “zentrale Wunderprogramm” iTunes in der Lage sein solche Kleinigkeiten wie das Herunterladen von mehr als 3 Podcasts pro Mausklick zu handeln und nicht beim Absturz auch noch das Betriebssystem mitzureissen und den gesamten Rechner lahmzulegen. (nur einige der Beanstandungen, die ich mit meinen EDV Produkten habe).

    Fazit: Was wir brauchen sind keine “Profile bei Google”, keine Facebookabzockereien, kein einfaches und fluides Benutzererlebnis sondern schlicht und einfach FUNKTIONIERENDE PRODUKTE. Aber vielleicht kommt die schöne neue Welt auch ohne Funktionen aus, weil man nur noch labert. Für mich als Trost: das neue Auto, das ich habe wird wahrscheinlich bis an mein Lebensende funktionieren, auch ohne einfaches fluides Benutzererlebnis.

    Mit freundlichen Grüssen

  2. Reto Hartinger schrieb:

    Danke Michael für Deinen ausführlichen Kommentar. Du gehst bei Deinen Überlegungen von Exisgtierenden aus. Wer ein Betriebssystem entwickelt werkelt da so 2 – 4 Jahre dran herum und es sollte dann nochmals für 2- 4 Jahre halten bis ein neues kommt.

    Bei Deiner Arbeit sind doch nicht die Werkzeuge wichtig – nicht mehr. Das ist austauschbar. Sobald Du etwas anpackst hast Du diese Probleme

    1. Ein Thema
    2. Involvierte Personen
    3. Zugriff, Bearbeitung, Organisation, Auffindbarkeit, Verfügbarkeit und Aktualität des Dokumentes
    4. Kommunikation mit den involvierten Personen

    Wir arbeiten fast nicht mehr Isoliert – der Personal Computer gibt es nicht mehr. Bis heute deckt das Betriebssystem den Punkt 1 ab und versagt bei allen anderen ganz oder teilweise. 1 – 4 kann mit verschiedenen Programmen oder mittels Cloud gemacht werden – aber wieso nicht direkt aus dem Device und Dokument heraus? Wenn das die Betriebssysteme nicht erledigen, werden sie obsolet. Das ist vor allem schlecht für Microsoft, weniger problematisch für Apple, die verdienen an der Hardware.

    Aber auch die Cloudanbieter sind noch nicht so weit. Zurzeit streiten sich alle darum, wer der Identitätsstifter ist (Punkt 2) mit dem man eingeloggt ist und über den die Punkte 3 und 4 macht. Noch besser könnte das ein Betriebssystem, welches gleich alle Identitätsstifter neu zusammenfasst so ist es egal ob man sich bei Google, Apple-Device, Facebook, Twitter oder Skype eingeloggt hat oder mit was die involvierten Personen eingeleoggt sind, man kann 3 und 4 mit ihnen machen. D.h. ich kann ein Dokument mit ihnen gemeinsam in Echtzeit bearbeiten und ich kann mit ihnen kommunizieren Text, Voice oder Video. Die Konversationen können einem Thema, Dokument und den involvierten Personen zugeordnet werden – etc. etc.

    Das sollte ein Betriebssystem künftig können, sonst machen wir das einfach mit Chrome OS.

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