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Wieso wir keine Flieger brauchen

von Reto Hartinger

Spätestens wenn die ersten Gripen geliefert werden, wird Ueli Maurer merken, dass die Gefahr die der Schweiz droht gar nicht sichtbar ist. Die Flieger werden sie nicht sehen, nicht zur Landung zwingen und auch nicht abschiessen können. Noch blöder, es werden gar keine militärischen Anlagen angegriffen. Hat man einen Angriff entdeckt, ist der Feind schon weg. Man weiss nicht einmal wer der Feind ist. Aber Ueli ist trotzdem zufrieden. Er hat getan was zu tun war. Er hat bewiesen, dass die Schweiz für mehrere Milliarden ihre Wehrtüchtigkeit unter Beweis stellt. Mehr kann man nicht machen.

Zurzeit ist ein Krieg im Gange den man so gar nicht wahrnimmt. Soldaten werden durch Drohnen und Roboter ersetzt. Ok, das ist der sichtbare Teil des Problems. Der Cyberkrieg der sich zurzeit abspielt, schafft es ab und zu in die Schlagzeilen der Medien aber nicht in Köpfe bzw. ins Bewusstsein der Bevölkerung. Die Schlagzeilen die stutzig machen:

– USA verfünffacht Cyber-Streitmacht

– Iranische Atomanlage wird durch einen Virus beschädigt

– Geheimdienste überwachen die Kommunikation aller Bürger der Welt

Ein gefährliches Spiel das viele Staaten zwingt, eine Cyberarmee aufzubauen. Das ist wesentlich einfacher als eine Atombombe zu bauen und könnte sogar effektiver sein.

Für ein Team von 10 bis 20 Softwareingenieuren ist es einfacher eine Sicherheitslücke zu finden, als für 10 000 alle Löcher zu stopfen. So könnte ein Virus den Reaktor eines US Atomkraftwerks zum schmelzen bringen, oder ein Staudamm lässt plötzlich das Wasser ablaufen.

Die Amerikaner haben längst begriffen, dass es für einzelne Firmen unmöglich ist, sich vor Spionage und Sabotage zu schützen und hat begonnen, Teams zu bilden, welche schützenswerte Anlagen (auch von Privaten) abdichten. Sie tun das auch ohne Wissen dieser Firmen.

In China arbeiten aber 20 000 Softwareingenieure alleine in einer Abteilung die für Wirtschaftsspionage zuständig ist. Es gibt aber mehrere solcher Abteilungen. Sie interessieren sich zum Beispiel für die Transaktionen (z.B. Geldüberweisungen der Kunden) von Banken oder den Inhalt von Mailserver spannender Firmen.

Es muss nicht der böse Feind sein, der einen ausspioniert. Die NSA bespitzelt auch befreundete Regierungen. Oh, was für ein Wunder. Das haben Geheimdienste schon immer getan. Heute geschieht das einfach flächendeckender und automatisierter.

Jeder Staat hat eine Armee, wenn nicht seine eigene, dann halt eine fremde.Hab ich mal in der Armee gelernt. So ist es auch mit der Überwachung seiner Bürger. Die NSA (der Geheimdienst der US Armee) grast flächendeckend die weltweite Kommunikation nach Stichworten und Auffälligkeiten ab. Dass die Entrüstung der befreundeten Regierungen nicht grösser war, liegt im Umstand begründet, dass sich z.B. der Deutsche Geheimdienst mit der NSA die sensiblen Daten teilt. Heisst, findet der Bundesnachrichtendienst für die USA Spannendes, wird dieses weitergeleitet und umgekehrt. Ein freundliches geben und nehmen, auch mit unserem Geheimdienst.

Die Annahme, man könne sich durch verschlüsselte Kommunikation vor Beschnüffelung schützen, ist naiv. Die Informationen werden längst bevor sie abgeschickt sind abgegriffen. Von der NSA durch Trojaner die z.B. via Anti-Spamsoftware verteilt werden. Ja, man liest richtig. Die Software die einen schützen soll, macht genau das Gegenteil. Das ist aktenkundig, denn der Symantec CEO hat es vor Jahren selbst zugegeben. Nichts Anderes macht der deutsche Bundestrojaner. Böse Buben gibt es nicht nur in ausländischen Regierungen, die Schweiz will auch seinen Bundestrojaner. Nur hier muss so etwas durch ein Vernehmlassungsverfahren und dann in ein entsprechendes Gesetz. Deshalb wissen wir auch schon lange davon. Es interessiert halt einfach niemanden. Snowden sei Dank, ist das Thema wieder aktueller geworden.

Wir haben als Schweiz keine Chance bei diesem Game mitzumischen. Wir würden gar nicht genügend Softwareingenieure haben. Unsere AKWs bleiben bis sie abgeschaltet werden ein permanentes Cyberwar-Risiko.

Der Ueli verkauft nun massenweise Bunker die nicht mehr gebraucht werden. Vielleicht könnte man in diesen Bunkern auch Mailserver einrichten, die ganz sicher nicht abgehört werden, die keinen Trojaner geladen haben und die Nachrichten nur verschlüsselt versenden. Vielleicht sollten wir aber auch nicht alle in der Schweiz lebenden Personen unter Generalverdacht stellen und auf unseren Bundestrojaner verzichten.

Vielleicht sollten wir doch versuchen, unsere Infrastruktur gegen Cyberattacken zu schützen. Aber das Militär hatte nicht die beste Hand bei Informatikprojekten.

Meine Frage lautet, sollen wir, statt das Geld in die Luft schleudern eine eigene Cyberabwehr aufbauen oder uns entgegen dem Neutralitätsprinzip, dem Ausland diese Feld überlassen? Welche Meinung habt ihr?

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