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Gerigate – ein sozialmediales Missverständnis (mit 2 Nachträgen)

von Reto Hartinger

Geri Müller hat etwas getan, was mit den neuen Kommunikationsmedien bzw, den Sozialen Medien öfters vorkommt. Er hat sich in eine Onlinebekanntschaft verliebt oder in etwas verstiegen, was ihn zu Dingen verleiten liess, die er im normalen Leben kaum gemacht hätte. Z.B. hat er Nacktselfies von sich gemacht und versandt. Verwerflich? Wenn die Cyberwelt realer werden soll, dann wird man dazu verleitet. Quasi wie ein Online-Shoppingerlebnis das wir herbeiführen wollen, damit wir online nicht verkümmern, ist ein Nackselfie oder Camsex ein probates Mittel. Wie gefährlich das ist, so solche Beziehungen asymmetrisch empfunden werden oder in die Brüche gehen, musste er selber erleben. Dann kommt schnell einmal die Drohung, dieses Material zu veröffentlichen. Was das für einen Politiker heisst, können wir der heute gezeigten Empörung ablesen. Deshalb tut auch ein Politiker, was bei Normalbürger bei Nötigung oder Erpressung auch tun würde. Er geht zur Polizei. Amtsmissbrauch wird da schnell geschriehen. Aber hallo? Jedem wird geraten sich bei Cyberkriminalität sofort an die Polizei zu wenden. Das darf und kann man einem Politiker nicht absprechen. Und die Empörung über die Nacktselfies kann ich auch nicht verstehen (aber nachvollziehen), der Geri ist Mann und Mensch. Dass Qualitätsmedien hier ein öffentliches Interesse sehen, kann ich auch nicht nachvollziehen aber bei dem Abwärtstrend in dem die Printmedien stecken, verstehen. Es werfe der erste einen Artikel, dem das nicht auch passieren könnte. Praktisch jede bzw. jeder kann in eine solche Situation kommen. Wehe denen, die an einen Betrüger geraten, der dies mit voller Absicht provoziert. Nicht umsonst sind genau diese Nachtbilder bei Jugendlichen das grösste Problem. Den Umgang mit den sozialen Medien/Kommunikationsmitteln muss erst gelernt sein. Der Geri hat nicht viel falsch gemacht, so lange diese Beziehung noch eine Symmetrie hatte. Das Desaster kommt mit dem Einzug der Realität in die Köpfe der Protagonisten.

Nachtrag

Ganz spannend ist, was persönlich.com gemacht hat. Sie hat alle Chefredaktoren der Schweiz befragt, wie sie die Sache beurteilen und ob sie die Story auch gebracht hätten. Nur der Blick hat die Geschichte abgelehnt! Sie wurde ihr bereits Mitte Jun zugespielt. Damit ist klar, dass Geri Müller erpresst wurde. Ihm wird jetzt ein Strick um den Hals gezogen, dass er die Frau nicht strafrechtlich belangt hat. Ich finde einfach peinlich, wie die “Qualitätsmedien” mit dem Fall umgehen. Aber lest die Begründung von

René Lüchinger, Chefredaktor “Blick”
Ich kann dazu folgendes sagen: Wir wissen detailliert von der Geschichte seit Wochen, exakt seit Mitte Juni. Wir haben aus zwei Gründen auf eine Publikation verzichtet:

– ohne in die Details zu gehen: Trotz Chats und Fotos war die Zeugen-Lage und das Verhältnis unter den Beteiligten nicht einwandfrei zu klären.
– es ist ein Grenzfall, was den Persönlichkeitsschutz anbelangt. In den Chats wurde zwar geschrieben, dass die Selfies aus dem Büro des Badener Stadtammanns geschossen wurden. Beweisbar war das aus dem vorhandenen Material nicht einwandfrei.

und natürlich hier noch was die anderen Chefredaktoren geantwortet haben.

Ein spannender Gedanke kommt von Bruno Bucher

Die WeWo via Baur versprach in einem Tweet: “zu gegebener Zeit darüber zu berichten, warum sie die Story nicht gebracht haben.” Bereits im Juni wurde über das Schicksal von Müller wie eine Ware gehandelt. Es gibt also einen Händler. Wie ist er zu dieser Ware gekommen? Hat er sie bestellt? Ich kenne Müller nicht. Aber ist er sexuell hyperaktiv, wie leicht ist es dann, ihn in eine Falle zu locken? War es so, dann ist es eine Social-Media-Geschichte am Ende…

Wenn Brunos Vermutungen richtig sind, dann wird auf GeriGate ein Mediengate und keiner wird sich entschuldigen, dass sie eine Karriere vernichtet haben. Eine andere Frage, ist jetzt nicht die Freundin erst recht suizidgefährdet, wenn alles aus dem Ruder läuft. Es nimmt vielleicht einen ähnlichen Verlauf wie beim Sarasin-Angestellten.

Einige Verleger sehen Geri als nicht mehr tragbar, weil er durch sein Verhalten erpressbar wurde. Hallo? Bei Altbundesrat Delamuraz selig war in allen Redaktionsstuben bekannt, dass er alles vögelt was möglich war. War er dadurch erpressbar? Nein, denn die Presse hat seine Privatsphäre geschützt. Dasselbe gilt für Mitterand – immerhin ein Staatschef mit Atombombenköfferchen. Erpressbar wird ein Politiker nur, wenn wir keine Qualitätspresse haben (ohne Anführungszeichen).

2. Nachtrag: Es geht gar nicht um Pimmel sondern um Politik doch auch unter der Gürtellinie

Bruno hatte voll ins Schwarze getroffen, wie der Tagi jetzt enthüllt

 Ein Spindoktor, der die Frau instruierte, welchen Medien sie ihr Material anbieten soll, ihr zeigte, wie man dabei vorgeht. Dies bestätigte die Frau nun gegenüber dem TA. Sie sei von «Leuten einer Organisation» gedrängt worden, ihnen das Material auszuhändigen. «Vor diesen Leuten hatte ich viel mehr Angst als vor Geri Müller. Sie haben mich stark unter Druck gesetzt.»

Sacha Wigdorovits soll mehrmals versucht haben, Chatprotokolle (an die Fotos ist er anscheinend nicht rangekommen), herumgebogen haben. Davon hat wahrscheinlich Geri Müller auch Wind bekommen.

Die Geschichte war dem «Blick», der «Weltwoche» und der «SonntagsZeitung» im Juli angeboten worden, sie publizierten sie aber nicht. Dann enthüllte die «Neue Zürcher Zeitung» die Affäre um die sogenannte Pornosekretärin in der Bundesverwaltung. Kurz darauf war das Chatprotokoll von Geri Müller wieder im Umlauf.

Dass er daraufhin alles versucht hat diese Veröffentlichungen zu verhindern ist verständlich auch wenn er das ungeschickt gemacht hat. Denn,

Die Zeitung «Schweiz am Sonntag» publizierte die Geschichte nach dem Polizeieinsatz vom 13. August, ohne eine ausführliche Stellungnahme Müllers abzuwarten. Die Chatpartnerin gibt an, dass sie zu dem Zeitpunkt nicht mehr an die Medien gelangen wollte, aber dazu gedrängt worden sei. Sie habe das Material – es handelte sich um Screenshots von Chatprotokollen – der «Schweiz am Sonntag» nicht direkt ausgehändigt.

also nachdem er Druck aufgesetzt hatte. Hätte er kühlen Kopf bewahrt, wäre vielleicht gar nix passiert. Aber was hat Sacha damit zu tun? Es geht nicht um Moral, Sacha zielt auf den Mann, nicht auf sein bestes Stück.

Wigdorovits sitzt im Stiftungsrat der Audiatur-Stiftung, die sich gemäss Darstellung auf ihrer Website «in der öffentlichen Debatte um Israel und den Nahostkonflikt als konstruktive Stimme» versteht. «Sie will im Interesse des Dialogs zu einer ausgewogenen Berichterstattung beitragen.»

Wigdorovits und Müller geraten nicht zum ersten Mal aneinander. In öffentlichen Diskussionssendungen um den Nahostkonflikt traten der Israel-Vertreter und der Palästinenser-Freund wiederholt als Kontrahenten an.

Es geht in Sachen Regionalpolitiker um Weltpolitik, um den Gaza nicht um einen Sexstreifen. Was ziehen wir für einen Schluss? Jeder versuchte für sich etwas herauszuholen und am Ende haben alle verloren. Alle haben sich lächerlich gemacht. Der intrigante kleinliche Strippenzieher, die “Qualitäts”-Medien haben sich wieder instrumentalisieren lassen statt sorgfältiger zu arbeiten.  Die Verleger, weil sie mit vorschnellen Verurteilungen ihre Kompetenz unter Beweis gestellt haben.

Gewonnen haben wir Leser. Endlich blieben wir eine Woche von Blocher und Israel verschont. Israel kommt aber doch wieder mit dieser Story in die Schlagzeilen und Blocher droht mit einem Nacktselfie nachzudoppeln sollten die Medien sich nicht wieder den Ausländernthemen zuwenden

 

 

 


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22 Kommentare zu “Gerigate – ein sozialmediales Missverständnis (mit 2 Nachträgen)”

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