Renato vom ApfelBlog meinte zum letzten Artikel: ziemlich reisserischer Titel. Schliesslich wird dann keine der Strategien auf Beispiele von Jobs oder Apple aufgezeigt. Nur IBM, Nintendo und Co. Schade.
Dann holen wir das nach und führen näher aus
In erster Linie geht es beim Geschäfte machen immer um Macht. Kauft man in den Ferien einen Teppich, fängt das handeln an. Mit gespielter Gleichgültigkeit signalisiert man: Nö, nicht wirklich, ich muss diesen Teppich nicht haben und die Chancen stehen gut, dass man nochmals 20% Rabatt raus holt. Die Macht liegt beim Käufer, weil er den Teppich nicht kaufen muss. Ganz anders, wenn die Freundin im nächsten Schmuckladen mit glänzenden Augen ruft: „Schatz, dieser Ring ist wunderschön“. Sind die Worte gefallen, ist der Ring gleich 20% teurer, weil der Verkäufer weiss: Jetzt bin ich am längeren Hebel – du lieber Mann – willst ja noch weiter schöne Ferien geniessen.
Beispiel Notebook Kauf
Genauso wird auch im Computer-Geschäft Macht verteilt. Nehmen wir einen Käufer, der sich ein Notebook kaufen will. Entscheidet er sich für einen Apple, gibt er ungleich mehr Macht ab, als wenn er einen PC kauft. Bei Apple hat er genau EINEN Lieferanten. Beim PC kämpfen Dell, HP, Lenevo, Toshiba, Asus und viele mehr um den Kunden. Das führt zu massiv unterschiedlichen Preisen. So schlägt der 17“ 2.53 GHz Apple Rechner mit 2‘899 zu buche (starke Verkäufermacht). Ein vergleichbarer HP Rechner gibt es beim Steg für 1‘199 (starke Käufermacht).
Macht zugunsten Apple
Dieses Spiel versucht Apple auf allen Ebenen zu spielen. Stellen wir uns vor, was passiert wäre, wenn auf dem iPhone Flash funktioniert hätte. Warum hätte man ein App in der eigenen Programmiersprache für das iPhone entwickeln sollen, wenn man es gleich auf Flash entwickeln kann? Es gibt keinen ernsthaften Grund dafür. Zumal ein App in Flash nicht nur auf dem iPhone funktioniert, sondern auch auf dem Android, Windows Mobile und im Internet. Mit dem Zugeständnis von Flash, wäre die Macht bei den Entwicklern gelegen und nicht bei Apple. Mit dem Schachzug Flash auf dem iPhone zu verbannen, hat Apple die Möglichkeit ein Powerspiel aufzuziehen. Entwickler begeben sich in Apples Abhängigkeit. Sie programmieren ein App für das iPhone und nur für das iPhone. Möchten sie es portieren, müssen sie den Aufwand gleich nochmals auf sich nehmen und dazu eine weitere Programmiersprache lernen. Stattdessen „empfiehlt“ Apple auf die sanfte Tour: nutze dein Wissen und entwickle gleich ein weiteres App für das iPhone.
Eine Spirale beginnt zu drehen
Die Verbannung von Flash führt nicht nur zu einer Abhängigkeit des Entwicklers, sondern erhöht auch den Wert des iPhone für den Kunden. Warum? Weil es „exklusive“ Apps gibt. Auf Flash könnte man auch gleich mit einem Android darauf zugreifen. Dazu kann Apple wie Nintendo bei den Apps den Qualitätsstandard „erhöhen“. Durch die Sichtung vor der Veröffentlichung sendet Apple ein deutliches Signal an die Entwicklergemeinde und erhöht dadurch die Qualität der einzelnen Apps. Die Macht bleibt auf Apples Seite und schafft somit für den Kunden hochwertige Apps.
Was passiert, wenn man Entwicklungsumgebungen nicht „sichert“?
Flash wurde oft für nervige Werbung eingesetzt. Es entstanden schwache Websites, die nicht von Google durchsucht werden und es gibt einen Haufen mieser Flash-Spiele. Ist Flash daran Schuld? Überhaupt nicht. Was kann Flash dafür, wenn es viele Entwickler nicht beherrschen? Nichts. Und dennoch hat Flash einen schlechten Ruf. Das kann Apple mit ihrer Strategie nicht passieren. Die Apps erreichen alle einen Minimum-Level. Ist die Programmiersprache von Apple Flash überlegen? Mitnichten. Flash ist gut genug – es ist die Auswahl der Apps, die den Anschein machen, dass Flash unterlegen ist.
Apple setzt wie Nintendo alles daran, alle Partner in eine schwache Verhandlungsposition zu bringen.
- Weg mit Flash, damit die Entwickler sich in die Macht von Apple begeben
- Nix mit MP3 und freiem Fileverkehr, damit die Kunden iTunes nutzen (müssen)
- Einheitspreis für Songs, damit die Musikindustrie schwierig mit Apple verhandeln kann. Apple bleibt immer ein harter Verhandler. Warum? Senken sie bei einem Musikverlag den Preis, müssten sie dies auch bei den Anderen machen und das kostet Apple sehr, sehr viel Geld.
Und jetzt der Chip
IBM hatte all die Jahre ein Preisproblem. Wer einen IBM Rechner kaufte, verglich umgehend die Preise mit den anderen Teilnehmern. Wie im obigen Beispiel ist es richtig Mühsam, wenn die Preise vergleichbar werden. Wie kann Apple den hohen Preis rechtfertigen? Am Besten indem niemand mehr vergleichen kann. Man stelle sich vor, es kommt ein Mac Book mit neuem Apple Chip heraus, dann sieht man nicht sofort auf den ersten Blick, dass es massiv überteuert ist.
Apple TV
Dazu erhält Apple mit dem neuen Chip eine weitere Möglichkeit. Ich gehe davon aus, dass Apple demnächst einen TV bringen wird. Die Versuchung würde nahe liegen, dass Apple gerne ihre Technologie anfängt an andere TV Produzenten zu lizenzieren. Etwas mit dem Apple immer wieder liebäugelte aber nie richtig wagte (Kontrollverlust). Wenn sie jetzt den Chip besitzen, könnten sie dies zum ersten Mal machen, ohne zu grosse Macht zu verlieren. Denn jeder Clone müsste OS X lizenzieren und die Chips bei Apple beziehen. Damit verdient Apple eine schöne Stange Geld, weil die wichtigsten Komponenten in Apples Händen liegen. Die Macht würde bei Apple bleiben, weil sie Intel (Chip) und Microsoft (OS X) in einem vereinen. Jedem Clone wäre in dieser Konstellation klar, ich müsste mich so verhalten, wie es Apple wünscht. Mit den Preisen, mit der Produktqualität und was Apple sonst noch verlangt. Denn wenn Apple einmal sauer auf mich ist, gibt’s keine Chips und kein Betriebssystem…