Faules Geschacher um Werbegelder
19. Juni 2011
Verlegerpräsident Lebrument haut heute im Sonntagsblick auf die Pauke. Dabei ist offensichtlich, entweder er versteht nichts vom Onlinemarkt oder er kämpft für die Pfründe seiner Klientel. Dass der erfolgreiche Lebrument nichts von online versteht, glaube ich nicht…im Gegenteil, hier geht es um die Verteilung von Milliarden.
Ausgangslage
Der Reihe nach. Auf sf.tv und drs.ch gibt es heute keine Werbung, weil sie per Gesetz verboten ist. Die SRG möchte dies aus verständlichen Gründen ändern. Davon halten aber die Verleger nichts – ebenfalls verständlich. Denn wenn heute – geschätzt von Herr Lebrument – Ringier, Tamedia und die NZZ pro Jahr 100 Millionen Franken einnehmen, gibt es keinen Grund, der SRG etwas vom Kuchen zu überlassen. Also wird mit grossen Kanonen gegen die SRG geschossen.
Vom Bund verordnete Übereinkunft
Wie es sich gehört, sucht man in der Schweiz gerne den Kompromiss. Entsprechend will der Bundesrat, dass sich die SRG und die Verleger einig werden, wie alle Parteien in der Zukunft von der Verteilung profitieren. Beide Seiten gehen in Stellung und versuchen die beste Ausgangsposition für die Verhandlungen zu erlangen. Dabei werden durchaus auch schräge Zahlen gehandelt. Lebrument geht davon aus, dass bis 2020 der online Werbemarkt auf 500 Millionen wächst und die SRG die Hälfte davon “abkassiert”. Er kommt zum Schluss:
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“Die SRG kann mit den Gebühren und diesen zusätzlichen Werbemillionen einen wesentlich besseren Internetauftritt als die privaten Medien anbieten. Letztlich würden die Privaten aus dem Markt gedrängt.”
Realitätscheck
Wenn im Jahr 2020 der Onlinewerbekuchen bei 500 Millionen ist, dann hat die Internetwirtschaft versagt. Aktuell werden etwas mehr als 200 Millionen umgesetzt. Eine Verdoppelung bis 2020 wäre ein Armutszeugnis für uns Onliner. Heute noch geben die Werber knapp 50% der 4 Milliarden Werbefranken für Zeitungsinserate aus und nur 5% für Onlinewerbung. Dies, obschon die Menschen mehr Zeit im Internet verbringen, als mit Zeitunglesen.
Kommt dazu, wenn die Privaten sich die Hälfte der Werbeeinnahmen von der SRG wegschnappen lassen, sind sie schlicht unfähig. Das Ringier/Scout24-Netzwerk hat pro Monat knapp 600 Millionen Pageviews. Newsnetz mit 20 Minuten kommt auf 380 Millionen und da ist search.ch & Co. noch nicht eingerechnet. Gegen diese über eine Milliarde Pageviews pro Monat macht sf.tv 75 Millionen und drs.ch schlappe 7 Millionen. Wie sollen die Privaten da die Hälfte an die mickrige SRG verlieren?
Nationaler Verlegerschutz zulasten der Schweizer
Im TV-Bereich gab es ein ähnliches Geschacher um Werbegelder. Die Verleger wollten an die Gebührentöpfe der SRG und sich nicht dem freien Wettbewerb stellen. Dazu einigten sie sich mit dem Staatsbetrieb, dass einzelne Verleger Konzessionen für Regionalfernsehen erhalten. Im Gegenzug erhielt die SRG eine “Garantie”, dass kein Verleger eine grosse TV-Station gegen die SRG stellt. So haben wir heute ein paar mehr oder weniger gute Regionalstationen mit je einem 5-15 Millionen Budget. Zwei/drei nationale TV-Sender, die sich in etwa derselben Grösse über Wasser halten und ausländische TV-Stationen, die mit ihren Schweizer Werbefenster schönes Geld verdienen.
Anstatt einen starken Gegensender zur SRG zu lancieren, leben die Regionalfürste vom Gebührentopf der SRG. In schöner Regelmässigkeit rufen sie zwar lautstark aus, aber das gehört wohl eher zum Spiel. Es scheint, als ob die Schweizer Verleger im Internet dieses Spiel nochmals durchziehen wollen.
Erbärmlich.







