Jetzt wird es in der Schweiz konkret: Das
Zeitungssterben geht in die nächste Runde. Tamedia stellt das Solothurner Tagblatt ein, die EBIT-Marge von Tamedia fällt auf 0,9 %, die Markenrechte von “.ch ” gehen an Moneycab.
Bedenkliche Margen
Tamedia hat im ersten Halbjar zwar seine Kosten um 47,8 Millionen gesenkt, die EBIT-Marge ist trotzdem von 15,5% auf beängstigende 0,9 % gefallen. Der Umsatz ist um 15,9 % zurück gegangen und Tamedia rechnet mit weiter fallenden Umsätzen.
Fixkosten sorgen für Zeitungssterben
Im Verlagsgeschäft sind die Fixkosten zu hoch und wenig flexibel. Es ist klar dass mit den sinkenden Umsätzen immer mehr unrentable Printtitel aus dem Rennen genommen werden müssen. Das Solothurner Tagblatt ist ein Kopfblatt der «Berner Zeitung». Geht damit nicht einmal mehr die Kopfblattstrategie auf? Wird demnächst die der «Berner Zeitung» und der «Der Bund» zusammen gelegt? Wann wird diese zusammengelegte Zeitung ein Kopfblatt des Tages Anzeigers?
Print ist nicht mehr die Primärquelle für Newsbezug
Eine Tatsache sind sich die Verleger noch nicht bewusst. Ein Mitglied schreibt mir
“Wir glauben weiterhin und immer mehr gestärkt durch den Markt, dass News kostenlos sein müssen für die Leser und Online (vor allem dank iPhones) die Primärquelle für Newsbezug sein wird.”
Bezahlte News ist alte News. Es braucht ein griffiges Konzept, wieso ein Leser für solche Inhalte etwas bezahlen sollte. News sind sie nicht mehr. Was ist es dann? Es kann nur Recherche sein. Diese füllt täglich keine 110 Seiten mehr. Die andere Frage ist: Muss dann auch die Rechere unbedingt auf Papier daherkommen? Ist nicht auch das zu teuer?
ePaper Hardware kommt zu spät
So muss die Verlagsbranche geduldig auf die ePaper Hardware warten um etwa das zu machen, was sie bis anhin gemacht hat. Ich fürchte, die ePaper-Hardware kommt zu spät. Das Mitglied schreibt weiter:
“Mir fehlt nur schon die Phantasie, wie all die Verleger, die jetzt plötzlich online entdecken, weil ihnen das Geld für die Investitionen in Print-Projekte fehlt, ihre überteuerte Infrastruktur im Onlinebereich bezahlen möchten. Nur weil Verleger Geld benötigen, wird die Online-Leserschaft nicht schlagartig verzehnfacht.”
Verlage arbeiten auch online zu teuer
Moneycab.com schnappt sich die Markenrechte von ‘.ch” zusammen mit fünf weiteren Markenrechten der ehemaligen Gratiszeitung.
Der Moneycab CEO Helmuth Fuchs dazu :
“Neben dem Internet haben Gratiszeitungen wie .ch stark dazu beigetragen, dass die Leserinnen und Leser heute von den Medienanbietern interessanten und qualitativ verlässlichen Content erwarten, ohne dafür bezahlen zu müssen. Wir sind überzeugt, dass sich dieser Trend weiter verstärken wird. Seit bald 10 Jahren bietet Moneycab.com Premium-Content und Themen-Dossiers aus dem Bereich ‘Wirtschaft & Börsen’ kostenlos an. Die Nutzung unseres Angebots und die Zahl der Werbekunden wachsen kontinuierlich. Es ist für uns daher naheliegend, dass wir diese langjährige Online-Erfahrung zusammen mit unseren Partnern für ein weiteres und auf schweizerische Bedürfnisse ausgerichtetes Medienangebot verwenden.
Erste dedizierte Pendler-Onlinezeitung der Schweiz
Moneycab will damit die erste dedizierte Pendler-Onlinezeitung der Schweiz machen. Als Device steht das iPhone im Vordergrund. Der Gedanke dabei ist, dass es in den öffentlichen Verkehrsmitteln immer schwierieger ist, eine Zeitung auszubreiten und auch Pendlerzeitungen nicht wirklich aktuell sind. Das neue Produkt zapft 300 deutschsprachige Quellen an und bereitet sie iPhonelesbar auf und zeigt an, wenn sich in einem Artikel in den letzen Minuten oder Stunden etwas geändert hat.
Helmuth Fuchs:
Wir haben mit Moneycab in den letzten fast 10 Jahren gezeigt, dass wir mit einer ähnlichen Ausgangslage einen guten Brand und ein profitables Produkt im Markt plazieren können und sind bereit, hier eine weitere erfolgreiche Geschichte schreiben.
Wann sind auch Gratiszeitungen Auslaufmodelle?
Die Gratiszeitungen sind noch der Gewinnbringer der Verlage. Wird der auch noch angegriffen? Lesen wir inskünftig nicht mehr das Papier? Bei 300 000 iPhonebesitzern könnte das Produkt ankommen. Zurzeit sind sie noch keine Konkurrenz zu den Gratiszeitungen, weil die iPhonenutzer in einem höheren Segment angesiedelt sind und davon wohl auch die wenigsten im Öffentlichen Verkehr unterwegs sind. Aber das ist ja erst der Beginn. Die Verleger haben wegem dieser Argumente noch genügend Zeit um auch
diesen Zug zu verschlafen.