
Google hat 1 Milliarde Nutzer, rund die Hälfte sämtlicher (geschätzten) 2 Milliarden Internet-Nutzer, die es weltweit gibt. Facebook wird hier mit rund 700 Millionen Usern noch eine Weile zurück liegen. Ein Blick auf eine andere Grafik zeigt aber ein empfindliches Problem des Suchmaschinen-Giganten: Die durchschnittliche Verweildauer der Google-Nutzer liegt deutlich hinter derer der Facebook-Nutzer zurück. Soziale Netzwerke trumpfen mit längerer Verweildauer der User. Das ist nicht nur wichtig fürs Werbegeschäft.
Google hat ein Social Media-Problem
Und das ist Google alles andere als egal. Jüngst musste der frühere Google-Chef Eric Schmidt in einem Interview zugeben, dass er mit google im Bereich Social Media keine überzeugende Value Proposition für seine Kunden hat: “Ich wusste, ich muss etwas tun — doch ich habe es nicht hingekriegt.” Und auch Steve Ballmer von Microsoft bekommt sein Fett weg. Jüngst wurden fehlende Initiativen u.a. im Bereich der sozialen Netzwerken von einem Investor auf Steves “Charlie-Brown-Management”-Stil zurückgeführt.
Aber wieso Vertrauen so viele Leute ihre Daten Facebook an undwollen nicht mit Google zusammenarbeiten?
Blicken wir auf die klassische Ökonomie und lehnen uns an den Homo oeconimiucs, der nur zu seinem eigenen Nutzen handelt, finden wir keine Antworten. Weiter helfen die Erkenntnisse aus der Verhaltensökonomie, die nachweisen konnten, dass ein Grossteil der Menschen sehr wohl auch die Auswirkungen auf andere in ihr Handeln miteinbeziehen: Sie sorgen sich um das Wohl anderer, reagieren auf Unfairness äusserst stark und sind bereit, viele Aufgaben und Verantwortungen zu übernehmen, ohne unmittelbar eine Gegenleistung dafür zu erwarten. Menschen kooperieren auch dann, wenn dies kurzfristig einen Verzicht auf eigene Vorteile mit sich bringt.
Gegenseitige Kooperation macht die Musik
Scheint uns die Bereitschaft zu kooperieren unter Freunden über Plattformen wie Facebook naheliegend, ist diese Aufgabe für Unternehmen eine Herausforderung. Denn oft erwidern die User die Einladung zur Kooperation nicht. Dies bedeutet bereits in einem frühen Stadium, dass hoffnungsvolle Social Media-Pläne scheitern, ehe sie begonnen haben (siehe Google Wave).
Am meisten profitieren können Unternehmen von sozialen Netzwerken, wenn die Bereitschaft miteinander zu kooperieren, gegenseitig ist. Der Aufbau dieser so genannten „Kooperationsräume“ bedeutet viel Arbeit; trotzdem handelt es sich um ein zerbrechliches Gleichgewicht, das durch unbedarfte Managemententscheidungen schnell wieder in sich zusammenbrechen kann. Es braucht die Überzeugung der Kunden, dass Unternehmen ihren Kooperationswillen auch erwidern. Nur diese Überzeugung ermöglicht es, dass Kunden den Firmen im Social Web den Zugang zum persönlichen Netzwerk öffnen.
Erwartungen erfüllen
Die Überzeugung, dass das Unternehmen die Kooperation längerfristig erwidert, darf auf keinen Fall enttäuscht werden. Hinzu kommt natürlich noch, dass der User einen Sinn hinter der Kooperation sehen will. Der Nutzer gibt nur dann von seinen Daten etwas preis, wenn er glaubt, dass er damit, nicht heute, aber möglicherweise in der Zukunft, etwas Sinnvolles zurückbekommt.
Wenn Kunden prinzipiell mit einem Unternehmen kooperieren, ist bei ihnen bereits die Überzeugung gereift, dass das Unternehmen kooperationsbereit ist. Nur dannwerden User unter anderem “liken”, weiterempfehlen und ihren digitalen Freunden von ihrer positiven Erfahrung erzählen. Und dies, ohne zusätzliche monetären Anreize zu setzen oder zusätzlichem kommunikativenAufwand betreiben zu müssen.
Wenn Du mehr zum Thema wissen möchtest, besuche das nächste Internet Briefing. Sandro spricht über Verhaltensökonomie und Social Media