Alain Martinet: Wave ist eine weitere Kommunikationsmöglichkeit aber kein E-Mail Ersatz
7. Januar 2010
Alain, gib uns Stichworte zu Deiner Person
Gesprächsfreudiger, unkomplizierter und weltoffener Typ mit Vorliebe fürs Reisen und die Internet-Technologien, Hockey- und Rappi-Fan, in der glücklichen Lage, eines meiner Hobbies im Beruf durch meine Tätigkeit bei webstyle wieder zu finden. Jemand, der gerne interessanten Gesprächen zuhört und dabei am liebsten ein Glas Wein trinkt.
An was arbeitest Du gerade?
Am Marketingkonzept für das kommende Jahr. Und ein Geheimnis gebe ich hier zum ersten Mal preis: Ich arbeite auch am neuen Internet Auftritt unserer Firma.
Wer heute einen neuen Internet Auftritt plant, muss doch grundsätzlich
etwas Neues im Petto haben – was ist das in Eurem Fall?
Bei einer Corporate-Site nicht unbedingt, Deine Aussage trifft für mich
auf Kampagnenseiten zu. Ein Firmenauftritt muss Unterstützung bei der
schnelleren Abwicklungen im Daily-Business bieten. Und das wird auch bei
unserem Auftritt verbessert.
Welche Technologien behältst Du im Auge?
Grundsätzlich bin ich für die Marktentwicklungen zuständig, insbesondere im Bereich E-Mail (inkl. Groupware), Online Marketing Massnahmen, Cloud Computing, Server Betriebssysteme. Persönliche Vorlieben sind Social Media, Mac, mobile Geräte und Online Marketing.
Weiter beobachten wir als Infrastruktur-Anbieter die Technologieentwicklungen bei der Hardware (zum Beispiel SSD).
Was ist an SSD spannend?
Die Frage, ob sich die Technologie für den Einsatz in Rechenzentren durchsetzen kann. Erste Ansätze sind vielversprechend. Nachteile existieren derzeit noch. Server-Festplatten erzielen aufgrund der höheren
Rotationsgeschwindigkeit ein weitaus besseres Ergebnis in Bezug auf die eingehenden und ausgehenden Operationen. SSDs sind somit derzeit für den Einsatz in Web- oder Datenbank-Servern, welche viele Anfragen pro Sekunde verarbeiten müssen, nicht geeignet.
Wird die Cloud nicht ein Problem für euch kleine Hoster?
Nein. Der Gedanke der Cloud ist für Mail- und Webdienste überhaupt nicht neu, im Gegenteil. Web- und Mailservices werden schon lange mehrheitlich nicht im lokalen Rechenzentrum sondern in der Cloud, sprich im „Internet“, bezogen.
Im Bereich von Webapplikationen, seien diese mit PHP oder .NET realisiert, braucht es für deren Betrieb ein spezifisches System Know-how. Das wird auch mittelfristig so bleiben. Grosse Anbieter werden diese Nische aus Gründen der Rentabilität nicht abdecken wollen.
Was sind Eure grössten Herausforderungen in nächster Zeit?
Im Bereich E-Mail ist eine Verschiebung weg vom klassischen POP-Service zu verschiedenen Lösungen im Gang. Dazu zählt die Nutzung von Groupwarelösungen und da machen wir mit. Es gibt auch Projekte, welche E-Mail ganz grundsätzlich hinterfragen, da die Technologie sehr alt ist.
Meinst Du mit hinterfragen der E-Mail Technologie Wave oder gibt es noch
andere Ansätze?
Derzeit ist mir nur Wave bekannt, andere Ansätze sind zumindest nicht bis zu mir gedrungen. Man ist grundsätzlich nicht zufrieden. Ich persönlich finde Mails mit grossen Attachements eine Katastrophe.
Was hältst Du von Wave?
Eine weitere Kommunikationsmöglichkeit aber nicht ein E-Mail Ersatz. Aus meiner Sicht sollte man E-Mail soweit entwickeln, dass man die Technologie für verbindliche Kommunikation (Fax- und Brief-Ersatz) – und nur dafür -
genutzt kann. Für andere Arten von Dokumenten, die eine temporäre „Gültigkeitsdauer“ haben, müsste man andere Wege wählen, so wie es auch Wave in seinen Ansätzen sieht.
Wie wird sich der Markt entwickeln. E-Commerce, Investitionen, Innovationen, Start-UPs?
Man kann den technologischen Graben verwünschen oder begrüssen – er wird tiefer und tiefer. Wer in der Online-Welt lebt, wird dies verstärkt tun. Gerade im Bereich E-Commerce liegt ein grosses Potential brach. Kriegt man hier die Sicherheitsfrage (Verhinderung von Cyber-Kriminalität) geklärt, wird sich dieser Bereich stark entwickeln.
Innovationen werden nur noch durchsetzen, wenn sie sich auch durch hohe Professionalität auszeichnen. Den Einsatz von Technologien in Beta-Versionen kann man sich im hart umkämpften Markt kaum mehr leisten. Viele werden es versuchen, an Start-UPs wird es nicht fehlen, doch wie schon in der Vergangenheit werden die meisten wie eine Sternschnuppe irgendwann – eher über kurz als lang – erlöschen.








