Videos in Websites: Storytelling, wie aufnehmen und schneiden

Dienstag 6. Oktober, Brasserie Lipp und die Frage: was macht einen guten Video aus?. Statt einer Powerpointpräsentation zum Download, gibt es diesen Blogeintrag der die wichtigsten Punkte nochmals zusammen fasst.

Die Essenz eines guten Videos
Markus Gabriel bringt es in der Diskussion auf den Punkt: “Film ist das anspruchsvollste Medium, für das wir produzieren können”. So dachte ich im Vorfeld auch intensiv darüber nach, was ist die wichtigste Botschaft des Abends. Wie verdeutliche ich, was ein gutes Video ausmacht? Egal ob wir vom 20 Sekunden Werbespot reden, vom 3 Minuten Firmenportrait oder vom 54 Minuten Vortrag über Gerechtigkeit an der Harvard University dozieren. Schlussendlich fand ich die richtige Antwort: Cillit Bang.

Welt im Ungleichgewicht
Cillit Bang steht für eine Kategorie von Putzmitteln, die (fast) alle auf dieselbe Art Werbung machen. Eine heile Welt gerät ins Wanken und wird schmutzig. Cillit Bang verspricht darauf, die Welt wieder in Ordnung zu bringen. Diesem Prinzip folgen die meisten TV-Spots, Reportagen und Filme.

Die Welt ins Wanken bringt auch dieser Persil Spot, die “Werbung” von Loriot oder das kleine Problem beim im Einkaufszenter.

Das Prinzip des Ungleichgewichts ist so stark, dass es seit Jahren als eigenständiges TV-Format funktioniert. Kassensturz berichtet in jeder Ausgabe von Welten, die ins Ungleichgewicht fallen. Überhöhte Krankenkassenprämien, Drachen die abstürzen, heile Bio-Welten die ins Wanken geraten.

Von der Wirkung wenn Welten ins Wanken geraten oder eben nicht
In der Schweiz gibt es eine Partei, die Abstimmung um Abstimmung um Abstimmung gewinnt. Egal ob auf Bundesebene oder im Kanton oft ist sie Volksnah bei den Leuten und doch gilt sie als abgehobene Verlierer Partei – die FDP. Warum? Weil sie kommunikative Nülpen sind. Sie verstehen es schlicht nicht, Botschaften richtig zu präsentieren. Wer in Youtube nach FDP sucht, findet als erster Schweizer FDP Link Marco Fischer.

Wer sich das Video anschaut, kann sich wohl ein schmunzeln nicht verkneifen. Viel schlimmer aber ist, dass nach dem Video beinahe niemand sagen kann, was hat uns Marco Fischer mitteilen wollen? Warum sollten wir ihn wählen? Ihm fehlt jegliche Botschaft, er bringt keine heile Welt ins Wanken, die er korrigieren möchte. Für uns als Zuschauer bleibt das gesagte langweilig und fad, stattdessen amüsieren wir uns auf seine Kosten.

Besser kommuniziert die SVP (ich spreche nicht vom Inhalt). In dieser Doku sehen wir zuerst eine heile SVP Welt mit noch richtigen Schweizer “Mannen” und “Frauen”, um dann gleich die Welt mit einer Behauptung ins Ungleichgewicht zu stürzen: “wer an den Islam denkt, denkt zuerst an verschleierte Frauen”. Kommunikativ kann diese Botschaft hängen bleiben (Persönlich denke ich zuerst an meinen guten Schulfreund aus der sechsten Klasse).

Wer wie die SVP kommunizieren kann, kann dann auch behaupten, er habe 29% Wähleranteil und nur 1 Bundesrat. Selbst wenn es die 29% nur mit der BDP und Evelyne Widmer-Schlumpf gibt…

Ungleichgewichte müssen danke Helden überwunden werden
Exemplarisch möchte ich Ihnen T. Boone Pickens vorstellen. Ein Ölmann aus Texas, George W. Busch Unterstützer und mehr als 3 Milliarde Dollar schwer. Er glaubt heute, dass die USA mit ihrer Ölabhängigkeit in die falsche Richtung rennen und lancierte den Pickens Plan. Achten Sie, wie er eine Welt aus dem Ungleichgewicht bringt und dann verspricht, ich habe einen Plan, dass alles besser wird.


Geschickt umgeht er das “Grüner” und Al Gore Problem. Die Umwelt interessiert ihn kein bisschen, viel mehr spricht er davon, dass die Amerikaner durch den Ölimport Geld verlieren und Ölimporte unpatriotisch sind…

Die meisten dieser Spots folgen einer simplen Struktur, Sie bringen eine Welt ins Wanken, erzeugen ein Problem und präsentieren eine unerwartete Lösung. 100’000e von TV-Spots, Reportagen und Kinofilmen folgen dieser Struktur. Fesseln damit die Zuschauer gebannt an die Bildschirme der Welt.

So einfach und doch so schwer
Ich hoffe, Ihnen am letzten Dienstag den Einstieg in die Filmwelt etwas leichter gemacht zu haben. Das Sie in Zukunft hinter die Bilder sehen können und ein Auge dafür entwickeln, was ein gutes Video ausmacht. Auf das Sie experimentieren und in eine faszinierende Welt eintauchen. Aber denken Sie daran, je einfacher es aussieht, einen guten Spot zu drehen, desto schwieriger wird er gewesen sein.

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Herzlichen Dank für euer tolles Mitmachen!

2 Kommentare

  1. Es gab eine sehr hitzige Diskussion, wie so oft eher “innovations-abwehrend”, wenn es um Entwicklungen im Internet geht. Es kamen viele Argumente vor, welche die Entwicklung beklagen, dass “Amateure” Videos machen und ins Netz stellen: Geringschätzung, Herunterspielen der Entwicklung, und diese als zerstörerische Kraft für das Expertentum der Profi-Videomacher und deshalb als Bedrohung sehen. Ganz ähnliche Argumente wurden übrigens beim Aufkommen der Fotografie vorgebracht – nachzusehen & hören in der BBC-Serie über die Geschichte der Fotografie: The Genius of Photography (DVD, bzw: http://www.ephotozine.com/article/BBC-Four-The-Genius-of-Photography-6900). Heute erleben wir, wie es rausgekommen ist – und so ähnlich wird es vermutlich mit dem Web-Video werden. Die Foto-Amateure jedenfalls haben neue Stilrichtungen erfunden, haben die Malerei beeinflusst, und durch erschwingliche technische Ausstattung in der Hand der “Amateure” ist ein Massenmarkt und sind viele neue Verwendungen von “Fotografie” entstanden. Das Business der Foto-Profis ist nicht zerstört, sondern nach wie vor existen und gefragtt, vermutlich ist es auch viel viel grösser als wenn es die Amateur-Crowd nie gegeben hätte. Fazit: Wir brauchen mehr Fantasie, um “New Media” zu umarmen und eine positive Vision für die Zukunft zu habenf. In der Film-Dokumentation wird das folgende Zitat gebracht (man kann “Photography” ganz einfach durch “Web-Video” oder “Internet” ersetzen, finde ich, und Moholy-Nagy ist ein Profi (http://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%A1szl%C3%B3_Moholy-Nagy)):
    “Anyone who fails to understand photography”, said the Hungarian artist and photographer Lazlo Moholy-Nagy, “will be one of the illiterates of the future”.

  2. Gefällt mir gut, Daniel`s anschauliche Beispiele und das Thema Aus den Fugen geraten kreiert automatisch immer eine Story. Wenn wir aber Video im Bereich des Online-Marketings konkret anschauen, denke ich den Nutzen steht klar im Vordergrund (bzw. das Lernen bei Tutorials) und dann geht es auch um den Faktor Zeit, welcher leider immer noch von vielen Video-Bloggern missachtet wird (lange intros, persönliches, nicht auf den Punkt kommen etc.).

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