Jack Wolfskin: Negativwerbung in Social Media

Vor knapp einer Woche begann Jack Wolfskin Abmahnungen an Hersteller von textilen Produkten mit Pfotendesign zu versenden. Es handelt sich hier aber nicht um Firmen aus Fernost, die Jack Wolfskin Artikel kopieren,  sondern um Artikel auf DaWanda.de, einem Online Portal für Selbstgemachtes. Die Hersteller erhielten Post von Jack Wolfskin mit einer Rechnung von gegen 1000 Euro und der Aufforderung die Produkte vom Portal zu entfernen.

In der betroffenen Blogger Community machte dies sehr schnell die Runde und eine grosse Solidaritätswelle nahm ihren Anfang. Was zuerst nur bei Insidern bekannt war, zog bald grössere Kreise und verschiedentlich ist zu lesen, dass Jack Wolfskin von nun an boykottiert wird. So findet sich die Geschichte nun z.B. auch auf werbeblogger.de, in englisch auf AdvertisingAge und seit gestern auch auf SpiegelOnline. Die grosse Präsenz in den verschiedensten Blogs hat nun auch zur Folge, dass wenn auf google.ch nach Jack Wolfskin gesucht wird, nicht mehr die Firmen Web Site an erster Stelle erscheint, sondern der Spiegel Artikel “Pfoten-Markenrecht Jack Wolfskin mahnt Bastler wegen Tatzen-Mustern ab‎” und einige weitere Links auf der ersten Google Seite verweisen auf Blogs zu diesem Thema. Die offizielle Stellungsnahme von Jack Wolfskin war noch Öl in das Feuer. Dort wurde nochmals bestätigt, dass die Abmahnung rechtens sei und die verrechneten Kosten von knapp Euro 1000 noch sehr günstig ausgefallen sind.

Im Artikel auf SpiegelOnline sind einige der abgemahnten Designs zu sehen. Diese gleichen, meiner Meinung nach, überhaupt nicht der Wolfspfote von Jack Wolfskin sondern mehr Katzenpfoten. Wir haben auch eine Katzenpfote im Firmenlogo und lassen diese auch auf Baseball Caps sticken. Wir hoffen nun, dass wir deshalb nicht von Jack Wolfskin abgemahnt werden.

Ich denke Jack Wolfskin hat die Auswirkungen dieses Handelns stark unterschätzt und angenommen, dass die abgemahnten Personen die Produkte kommentarlos von Netz nehmen. Die betroffene Blogger Community ist jedoch sehr stark verlinkt, so dass die ganze Geschichte grosse Kreise zog. Der Imageschaden ist, meiner Meinung nach, um sehr viel grösser als der erhoffte Nutzen. Das Beispiel zeigt, wie schnell mit den heutigen Möglichkeiten im Web 2.0 etwas erreicht werden kann.

Eine detaillierte Aufstellung der ganzen Geschichte findet sich auf die.waschkueche.

10 Kommentare

  1. Was man unbedingt beachten sollte ist der Empöhrungs-Mechanismus.

    Das hatten wir in Deutschland vor kurzem bei den skurrilen Kündigungsfällen z.B. wegen eines Frickadellenbrötchens.
    An dem Tag war ich wegen Krankheit daheim und hab das mal immer wieder mitverfolgt.

    Die Meute — sicher keine Freunde und dort wo ich las nicht als Social-Network vieleher assitialer Stammtisch-Volksmund aktiv — hatte sich reingesteigert in ihre Empörung.

    Um 12 Uhr am Tag dieser Nachricht riefen so viele Leute an, dass die Leitung besetzt war – und boten an, Frickadellen vorbei zu bringen.

    Am Nachmittag war das E-Mail-Postfach des Chefs platt – die Mails kamen wohl als unzustellbar zurück.

    Man wollte sich zu nem Flashmob treffen – ob Taten diesen Worten folgten weiss ich nicht und wage es auch zu bezweifeln.

    Zurück zu Eurer These hier: Ich will ihr zwei Seiten des Medaille geben – die gute und die schlechte.

    Eine gute Aktion oder ein gutes Produkt wird lange nicht die selbe Aufmerksamkeit erzeugen wie eine schlechte, die gegen das allgemeine Gerechtigkeitsempfinden geht.

    Wir wissen ja: nichts verbreitet sich schneller als schlechte Nachrichten. Und manche Portale gieren nach Impressions driven by the “Bad-News-Drive”.

    PS: ich weiss noch, wie ich mal bei einer (kleineren) Sturmflut auf Norderney zeltete und fast alle “Billigzelte” vom Sturm ins Gebüsch geweht wurden. Meins hielt standhaft… so eins mit Tatze.

  2. Wer meint, in ein Wespennest zu stechen und abzumahnen, obwohl ihm kein wirtschaftlicher Schaden entsteht — des Recht-Wahnhemens Willen — der muss auch mit dem Echo aus dem Netz leben. That simple.

    Wenn es um Plagiate geht, um Unlauteren Wettbewerb oder Markenpiraterie sehe ich es als angemessen an, abzumahnen. Wenn man aber als “Platzhirsch auf dem Markt ” gegen Privatleute vorgeht ist das vollkommen unnötig und der eigenen Sache noch dazu nicht dienlich.

    Warum diese Abmahnungen? Was soll das? Wer profitiert davon?

    Nun – es gibt einige andere, die es begriffen haben.
    So wurde z.B. keine einzige Gothic-Site abgemahnt, obwohl “Gothic” eine eingetragene Marke ist (Adventure-Serie). Warum wohl? Nun — das hat in dem Fall was mit Zielgruppe zu tun. Vielleicht auch mit “Leben und leben lassen”.

    Die Tatzenritter werden es auch noch lernen, dass sie sich im Moment einen Bärendienst (s.o.) erweisen.
    Denn deren Zielgruppe schätze ich nicht gerade als offline und desinteressiert ein.

    Da kann man den (anderen) Bloggern als Herold noch so polemisch (wie unangebracht) den “Gutmensch” unterstellen — der Mechanismus 2.0 ist da und wird sich davon nicht beeindrucken lassen.
    Und außerdem: die, die sich über die Empöhrung empöhren, reiten auch auf der selben Welle mit!

    …hiermit wird es iterativ mit der Empöhrung :-)

  3. Weil es so schön juristisch ist — noch ein Nachtrag.

    Der Schuss kann für JW derbe nach hinten los gehen — auch markenrechtlich.

    Siehe auch den Artikel der TAZ. Die TAZ hatte im übrigen auch schon Ärger wegen ihres Tatzen-Logos, das sie einige Jahre früher entworfen jedoch nicht markenrechtlich geschützt hat.

    Auszug aus dem oben verlinkten Artikel:

    Und heißt es nicht im Markengesetz, von der Eintragung als Bildmarke ausdrücklich ausgeschlossen seien Marken, “die Staatswappen, Staatsflaggen oder andere staatliche Hoheitszeichen oder Wappen eines”, und jetzt kommt’s, “inländischen Gemeinde- oder weiteren Kommunalverbandes enthalten”?

    Man klicke, sehe und staune. Es gibt eine Ortschaft in Deutschland die eine Tatze im Wappen hat…

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