Demokratie 2.0

Die Politik entdeckt das Web 2.0 und das Social Web

Die Wahlen 2011 könnten für die Schweiz die ersten sein, in welchen das Social Web eine wichtige Rolle spielt – wie das auch in anderen Ländern zunehmend der Fall ist. Neben den statischen Informationen auf Websites spielen der soziale Austausch auf Web 2.0 Sites eine zunehmende Rolle für den politischen Prozess.

Die Politik bewegt sich dabei vor allem auf drei Ebenen, welche drei Zwecken dienen:
1) Die Mobilisierung
2) Die Meinungsbildung
3) Die Umsetzung
Die politische Mobilisierung findet auf grossen öffentlichen Netzwerken statt – in der Schweiz ist das heute vor allem Facebook. Es gibt dort schon zahlreiche Gruppen und Seiten mit politischen Inhalten und künftig wird dies eine zunehmende Rolle Spielen.
Aber auch die Profile und Seiten der Politiker spielen eine wichtiger werdende Rolle. Nicht nur als Information, sondern auch für die direkte Interaktion mit den Wählern.
Andere Plattformen spielen noch eine untergeordnete Rolle: Twitter wurde unter Anderem bekannt als politisches Instrument, z.B im Wahlkampf von Barak Obama – In der Schweiz ist die Twitter community heute noch sehr bescheiden und kein Massenmedium für die Politik – Dies kann sich jedoch schnell ändern, falls eine wichtige politische Persönlichkeit Twitter aktiv zu nutzen beginnt. Bis dahin ist Twitter vor allem wichtig, um ein Segment von Key Opinion Leaders anzusprechen. In Zukunft wird es wohl mehr Plattformen geben, welche meist eng verknüpft sind mit Facebook und/oder Twitter.
Die zweite Ebene dient der politischen Meinungsbildung. Sie hat eine kleinere Benutzergruppe: die politisch interessierten und politischen Opinion Leader. Als Web Tools findet man heute vor allem Diskussionsforen mit politischem Inhalt: Einige werden von Parteien betrieben, andere sind unabhängig. Ich denke in Zukunft findet die Meinungsbildung vor allem auf unabhängigen Plattformen statt, da die politisch interessierten für die Diskussion und Meinungsbildung keine “Propaganda” wollen, sondern eine möglichst breite Diskussion. Auch ist es auf Sozialen Plattformen möglich, die Informationsflüsse nach seinen Vorlieben zu “filtern” (‘Follow’) und das über alle Parteigrenzen hinweg.
Die Tools werden sich in diesem Bereich stark wandeln. In der Schweiz ist Politnetz ein gutes Beispiel, in welche Richtung die Entwicklung gehen wird:
> Starke Integration mit der ersten Ebene (Facebook & Twitter). So kann aus der Mobilisierung eine breite politische Diskussion entstehen.
> Nicht nur Diskussionen, sondern Personen: Es geht eben im Social Web nicht mehr nur um Information, als vielmehr um Personen, Profile, ‘Freundschaften’ etc.
> Anreicherung mit Funktionen der Kollektiven Meinungsbildung & -bekundung: Das “I-Like” von Facebook gibts hier für Kommentare, wie auch für Personen (Unterstützen)
Eine Integration in die dritte Ebene fehlt zur Zeit noch weitgehend.

Die dritte Ebene der Umsetzung von politischen Programmen findet heute bei den Parteien noch wenig auf dem Web statt. Es gibt einige Ansätze und Experimente, wie der Grünliberale IdeenPool der Sektion Kloten (Auf Colayer implementiert), welcher teilweise offen gegen aussen ist, und für die Partei einen Bereich bietet für die Diskussion und Koordination der Umsetzung.
Eine Ausnahme bildet hingegen die Piraten Partei, bei der ein Grossteil nicht nur der Information, Mobilisierung & Meinungsbildung, sondern auch der Umsetzung auf dem Web geschieht. Dafür werden diverse Tools genutzt: Neben einer Website und einem Newsletter sind das vor allem:
> Ein Forum für die breite Diskussion, wie auch zur Koordination und Unterstützung der Umsetzung.
> Ein Wiki für Begriffsdefinitionen.
> IRC und Mumble für real time.

Eigentlich erstaunlich, dass in der Schweizer Politik noch so wenig auf dem Web geschieht. Gerade im Schweizer Milizsystem könnten Web 2.0 und Social Tools eine wichtige Unterstützung werden – bei der Mobilisierung und im politischen Diskurs, und künftig wohl auch immer mehr bei der politischen Umsetzung.

Markus Hegi
Über Markus Hegi 7 Artikel
Founder & CEO of Colayer, a Swiss-Indian software product company, developing a platform to build virtual contextualized workplaces for companies, organizations and networks of professionals. Colayer makes professionals more efficient in their daily business communication and more effective by being faster and better informed. Previously Markus Hegi worked at Deloitte Consulting in Zurich and San Francisco in eBusiness, IT-Strategy and BPR. He received his MBA in Strategy and Organization from the University of St. Gall HSG, Switzerland, a graduate degree in Computer Science from the University of Hagen, Germany, and a graduate degree in Philosophy and Sociology from the University of Zurich, Switzerland.

1 Kommentar

  1. Der politische Meinungsmarkt genügt den modernen Ansprüchen von politisch engagierten Menschen, BürgerInnen und Medien in der Tat noch nicht. Politische Akteure kommunizieren überwiegend ineffizient, BürgerInnen sind mit der Flut an irrelevanten Informationen überfordert und den Online-Medien fehlen meist Knowhow und Ressourcen, um qualitativ hochwertige, lokalisierte Informationen bereitzustellen. In diesen drei Bereichen wollen wir mit der Plattform Verbesserungen erreichen. Eine zweckmässige und die Bedienbarkeit vereinfachende Kombination von Apps und Social-Media-Kanälen ist das eine, was es aber genauso braucht, um die breite Masse – und schliesslich handelt es sich hier ja um die gesamte Schweizer Bevölkerung – zu erreichen, ist eine Partenerschaft mit den grossen und kleinen Medien der Schweiz. Auf beiden Ebenen haben wir in den vergangenen Monaten einiges erreicht. Dank Agile Programming releasen wir Neues ca. alle 2 Wochen. Es bleibt also spannend. Wer Feedback für uns hat: immer sehr gerne!

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  1. Internet Briefing Blog / Social Media Einführung für PolitikerInnen

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