Bankkonto-Eröffnung Schweiz vs. USA

Durch was für einen Bürokratie-Dschungel muss sich ein Schweizer durchkämpfen, wenn er mit seinem US-Geschäftspartner in Kalifornien ein Bankkonto eröffnen will? Diese Frage beschäftigte mich vor nicht allzu langer Zeit. Ich stellte mich auf mehrere Besuche, hunderte Formulare und viele Fragen ein, denn als Ausländer wollte ich unbedingt sicherstellen, dass ich nicht zur US-Tax Entity werde, also steuerpflichtig in den USA.

Wer schon einmal durch den US-Zoll reiste, weiss, Amerikaner können es ganz schön “sagen wir” genau nehmen. Ich reservierte mir entsprechend viel Zeit. An einem Dienstagnachmittag um 13:57 betraten wir die Bank. 3 Minuten später sassen wir vor unserer Kundenberaterin, die wir einen Tag zuvor informierten, dass wir ein Konto eröffnen wollen. 27 Minuten später (und ja, ich schaute auf die Uhr) verabschiedeten wir uns und hatten alles erledigt. Mit “alles erledigt”, meine ich tatsächlich alles erledigt.

27 Minuten um:

  • Einen privaten Schwatz zu halten (gehört sich so in Kalifornien)
  • Ein Konto zu eröffnen
  • $100 einzuzahlen
  • Eine fixfertigeBankkarte zu erhalten (Bankomat und Visa-Debit Karte)
  • Sowie Zugang zum E-Banking eingerichtet

Jawohl, es war alles erledigt. Wir konnten umgehend loslegen. Die Bankkarte war aktiviert und es war auch kein eingeschriebener Brief für den E-Banking-Zugang nötig. Der eine oder andere Schweizer Sicherheitsexperte würde wohl einen Kopfstand machen, ob der Tatsache, dass die Kundenberaterin für das E-Banking Login und Passwort einfach ihre Tastatur zu uns umdrehte, damit wir je unser persönliches Passwort eingeben konnten. Yes, keine zwei-Faktor-Authentifizierung. Offensichtlich passiert so wenig Missbrauch, dass die Bank mit diesem Prozess o.k. ist.

Aus Kundensicht ist die User Experience fantastisch. Amerikaner verstehen es, Dinge zu vereinfachen.

Wie ist das in der Schweiz?

Namics ist bei 14 Banken in der Schweiz Kunde geworden. Bis zum E-Banking Zugang dauert es zwischen 2 Tagen und 34 Tagen. Jürg Stuker berichtet uns an der UX-Konferenz am 6. März 2018, wie es sich anfühlt, wenn analoge Prozesse Grundlage der Digitalisierung sind und zeigt, wie man es besser machen soll.

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